Pater Jean-Uriel: «Die Kirche lebt, weil Christus lebt»

Der Bruderzweig der internationalen Gemeinschaft der Seligpreisungen hat mit Pater Jean-Uriel Frey einen neuen Oberen.

Monika Wegmann
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Pater Jean-Uriel Frey in der Bibliothek des ehemaligen Kapuzinerklosters in Zug.

Pater Jean-Uriel Frey in der Bibliothek des ehemaligen Kapuzinerklosters in Zug.

Bild: Matthias Jurt (6. Dezember 2019)

Mit dem Kanton Zug ist Pater Jean-Uriel Frey (51) stark verbunden: Vor einigen Jahren stand er in der Pfarrei St.Michael und in Hünenberg im Einsatz. Kürzlich ist er von der internationalen Gemeinschaft der Seligpreisungen mit Hauptsitz im französischen Toulouse zum Oberen aller rund 180 Priester und Brüder für die ganze Welt gewählt worden, so wird es künftig seltener Besuche in Zug geben. Weil er den Kontakt mit allen Niederlassungen pflegen will, konnte er im Dezember einen kurzen Heimatbesuch in Zug einplanen, wo die Gemeinschaft im Kapuzinerkloster ihre Wirkungsstätte gefunden hat. Der aus dem luzernischen Horw stammende Pater Jean-Uriel Frey strahlt frischen Elan aus und steigt im traditionellen Habit die Stufen bis ins Dachgeschoss des Kapuzinerklosters rasch hinauf.

Seine Augen strahlen, als er im Gespräch von seinem spirituellen Weg erzählt, wie er als junger Primarlehrer an einem Marienwallfahrtsort in Kroatien eine starke Gotteserfahrung erlebte. «Das hat in mir eine Suche ausgelöst. Mit 24 habe ich den Wunsch nach einer Berufung geprüft.» Im Wallis habe er die noch junge Gemeinschaft der Seligpreisungen kennen gelernt. «Bei ihnen hat mich fasziniert, dass sie die Urgemeinde zum Vorbild haben und dem Ruf der Bergpredigt folgen. Alte Werte werden neu interpretiert. Das Evangelium und die Kirchenväter spielen eine wichtige Rolle, und vor allem hat das Gebet einen zentralen Stellenwert. Nicht alles wird neu erfunden, es gibt auch Platz für Neues. Und mit der Kirche arbeiten wir immer eng zusammen.»

In den Fussstapfen der Kapuziner

Nach seinem Eintritt in die Gemeinschaft war er auf einer Missionsstation in den Philippinen tätig. Es folgten das Studium der Theologie und Philosophie in Toulouse, ein Zwischenjahr in Paderborn und Studien der Judaistik in Jerusalem. «In Israel konnte ich unsere Wurzeln im Glauben vertiefen.» Nach der Ausbildung wirkte Pater Jean-Uriel Frey von 2003 bis 2013 auch als Leiter der Zuger Niederlassung. «Zu Beginn gab es hier 6 Mitglieder, heute sind es 15.» Wichtig ist ihm noch zu erklären, dass zu den Seligpreisungen Schwestern, Brüder und Laien gehören. Er ist überzeugt, dass viele Leute in Zug die Gemeinschaft inzwischen schätzen. «Es gibt einen fruchtbaren Austausch.» Für die Räumlichkeiten im Kloster, das der Zuger Bürgergemeinde gehört, ist er sehr dankbar: «Wir haben sie von den Kapuzinern übernommen und durften in ihre Fussstapfen treten.»

2004 ist Jean-Uriel Frey zum Priester geweiht worden. Der Weg sei nicht immer einfach gewesen, sagt er. «Ich habe auch gekämpft, denn man wird mit sich selber konfrontiert. Das muss man aushalten. Die hohen Ideale sind nicht immer leicht zu erfüllen. Und bevor man predigen kann, muss man das durchlebt haben.» Besonders schätze er das Gemeinschaftsleben und den Austausch mit den Brüdern. «Ich möchte nicht allein in einem Pfarrhaus sein, sondern bin zu einem Leben in der Gemeinschaft berufen.»

In 25 Ländern im Einsatz

Heute trägt er für die Brüder und Priester der Seligpreisungen weltweit die Verantwortung. Da er ab 2015 in der Generalleitung in Toulouse als Assistent des früheren General Oberen tätig war, ist er auf diese Aufgabe vorbereitet. Wichtig ist für Pater Jean-Uriel der Kontakt mit den Brüdern in den weltweit in 25 Ländern. «Mein Ziel ist es, die meisten Niederlassungen zu besuchen, wobei jedes Haus autonom ist. Wenn es um praktische Fragen wie den Unterhalt der Gebäude geht, leisten wir Unterstützung.»

Eine wichtige Aufgabe sei auch die Ausbildung, die neben Toulouse noch in Abidjan (Elfenbeinküste) und in Saigon (Vietnam) angeboten wird: «Derzeit begleite ich 35 Brüder auf dem Weg zur Priesterweihe.» Das Interesse für einen geistlichen Beruf sei je nach Region unterschiedlich, weiss Pater Jean-Uriel. «Allgemein verzeichnen wir mehr Eintritte in Afrika und Vietnam. In der Schweiz gibt es zwar keinen Ansturm, aber wir durften immer wieder einige neue Berufungen empfangen. Auch wenn es Durststrecken gibt, bin ich sehr optimistisch. Die Kirche lebt, weil Christus lebt.» Die lange theologische Ausbildung stelle jedoch für die Generalkasse einen grossen Kostenpunkt dar, weshalb es Spendenaufrufe gebe.

Ein Leitungsteam entscheidet

Alle vier Jahre entscheidet die Generalversammlung über diverse Leitungsaufgaben. Eine Wiederwahl sei möglich, aber nach spätestens zwei Mandaten gebe es einen Wechsel. Weil der Gemeinschaft neben den Priestern und Brüdern rund 300 Schwestern und 300 Laien angehören, steht ein vierköpfiges Leitungsteam im Einsatz. «Zusammen mit Schwester Anna-Katherina Pollmeyer als Präsidentin entscheide ich über wichtige Fragen», sagt Pater Jean-Uriel. «Eine gut funktionierende Teamarbeit ist wichtig. In gewissen Punkten trage ich die letzte Entscheidung, aber auch hier in Absprache mit der Präsidentin, vor allem wenn es um die Ausrichtung unserer Gemeinschaft geht.» Die grosse Herausforderung bestehe darin, die Frohe Botschaft den Mitmenschen zu verkünden. Manchmal hinterfrage man die eigene Berufung. «Dann braucht es den Austausch und das Gespräch. Ich wünsche mir ein ‹goldenes Ohr›, damit ich aufmerksam zuhören kann. Bei all dem ist es wichtig, sich nicht allzu ernst zu nehmen und die Dinge mit einem Stück Humor anzugehen.»