Die Wohlfühloase direkt am See

Früher war Annette Amstad Berufs­musikerin, heute ist die Pflege ihres Seegartens in Beckenried ihr grösstes und liebstes Hobby.

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Annette Amstad in ihrem Garten in Beckenried. (Bild: Corinne Glanzmann/Neue NZ)

Annette Amstad in ihrem Garten in Beckenried. (Bild: Corinne Glanzmann/Neue NZ)

Wer den Garten von Annette Amstad betritt, ist in einer anderen Welt. Die angrenzende Dorfstrasse rückt in weite Ferne. Zu hören sind nicht mehr die Autos, sondern die Wellen, die leise gegen die alte Seemauer schlagen. Zwei imposante Türme markieren den Eingang zu einer kleinen Bootshalle. «Hier war früher ein Tor», erklärt Annette Amstad. Der Garten mitten in Beckenried ist ihr liebstes Hobby. «Ich habe eine Riesenfreude daran», sagt sie und geht voran zum lauschigen Badehäuschen mit Seeblick. Vom Innenraum führt eine Treppe direkt zum Wasser. So konnten früher die Besitzer zum Schwimmen gehen, ohne gesehen zu werden und dadurch Anstoss zu erregen.

Blumen vor dem Bagger retten

Hinter dem Badehäuschen schlängelt sich ein Rasenstreifen wie ein Flusslauf durch den Garten, links und rechts gesäumt von Blumen, Obstbäumen und Sträuchern. «Ich möchte nie in einer Wohnung leben mit Minibalkon und zwei Pflanzen darauf», sagt die 75-jährige ehemalige Berufs-Harfenspielerin. Schon als Kind habe sie die Blumen geliebt und ihre Namen auswendig gelernt. «Blumen darf man nicht einfach wegschmeissen», sagt sie. So kann es auch mal vorkommen, dass Annette Amstad auf einer Baustelle Pflanzen ausgräbt und sie so vor dem Baggerzahn rettet. Sie pflanzt sie dann in ihrem Garten wieder ein, vor allem wenn es sich um Pflanzen handelt, die heute aus der Mode gekommen sind.

Seegebiet war früher herrenlos

Der Garten selber hat eine lange Geschichte. Die meisten Beckenrieder Seegärten sind dadurch entstanden, dass die Grundeigentümer auf der gegenüberliegenden Strassenseite das herrenlose Seegebiet auf Strassenhöhe auffüllen durften. Wann dieser Seegarten genau entstanden ist, weiss heute niemand mehr genau. 1873 wurde er für 2000 Franken von der Familie Amstad gekauft und dreissig Jahre später das Badehaus gebaut. Früher verkehrten hier viele Künstler und Schriftsteller aus der ganzen Welt. Auch heute liebt es Annette Amstad, in ihrem Garten Gäste zu bewirten. Ausserdem lädt sie auch gerne mal interessierte Passanten ein, ihre kleine Wohlfühloase zu besuchen. Und so sind die Worte auf dem Stein beim Eingang «Welcome to my garden» (Willkommen in meinem Garten) bei ihr alles andere als leer.

Rosemarie Bugmann

Aufruf

Haben Sie auch einen speziellen Garten und kennen jemanden, der einen solchen hat? Melden Sie sich mit einem Gartenbild unter kanton@luzernerzeitung.ch oder 041 429 51 51.