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DIENSTLEISTUNGEN: Diesen 74 Poststellen in der Zentralschweiz droht das Aus

Die Gewerkschaft der Pöstler schlägt Alarm: Fährt die Post ihren Kurs weiter, würden bald drei von vier Postfilialen in der Zentralschweiz ­geschlossen. Die heftige Kritik stösst die Post vor den Kopf.
Urs-Ueli Schorno

Urs-Ueli Schorno

ursueli.schorno@luzernerzeitung.ch


Die Post will sich neuen Kundenbedürfnissen anpassen, muss aber auch sparen. In den kommenden vier Jahren sollen bis zu 600 Poststellen geschlossen und durch Agenturen ersetzt werden, wie das Unternehmen im Oktober mitteilte (Ausgabe vom 27. Oktober 2016). Die autonome Pöstler-Gewerkschaft Syndicom, der gemäss eigenen Angaben rund 40 000 Mitglieder aus den Sektoren Logistik, Telecom/IT und Medien angehören, spricht von einem «Kahlschlag» und erwartet sogar, dass mittelfristig weitere Poststellen verschwinden. Die Post gab bis heute nicht bekannt, welche Filialen erhalten werden sollen. Eine Liste von gesicherten Poststellen soll im Frühjahr dieses Jahres veröffentlicht werden. Dem kommt die Gewerkschaft nun zuvor. Sie hat auf der Grundlage der öffentlich einsehbaren Kriterien der Post sowie den Forderungen des Gesetzgebers und Gesprächen mit Mitarbeitern eine Gefährdungskarte für Postfilialen erstellt (siehe Kasten unten). Unserer Zeitung liegen exklusiv die Einschätzungen für die Zentralschweiz vor, die in den kommenden Tagen auf der Syndicom-Website aufgeschaltet werden.

«Die Post hat bisher keinen wirklichen Plan für bestehende Filialen vorgelegt», hält Christian Capacoel, Mediensprecher von Syndicom, fest. «Wenn es so weitergeht, wird es bei den bereits angekündigten Schliessungen nicht bleiben», befürchtet er. Die Karte zeichnet denn auch ein düsteres Bild für bestehende Poststellen. So könnten laut Angaben der Gewerkschaft in der Zentralschweiz bis zu 74 von 108 Filialen geschlossen werden, weil sie nicht in das Raster der erhaltenswerten Standorte mit eigener Filiale passten.

Schwarzmalerei sie dies nicht, sagen die Gewerkschafter. «In den vergangenen 15 Jahren hat die Post ständig Filialen geschlossen. Nun hat sie eine neue Welle angekündigt», führt Capacoel aus. «Wenn nicht bald Massnahmen ergriffen werden, die das Filialnetz wieder attraktiver werden lassen, dann droht in vier Jahren genau dieses Szenario.»

Strategie zur Erhaltung der Poststellen gefordert

Der Zeitpunkt für die Veröffentlichung der Daten ist nicht zufällig gewählt. «Zurzeit laufen noch Gespräche mit der Bevölkerung und den Kantonen. Es ist jetzt die Zeit, in der die Politik einschreiten soll», fordert der Gewerkschafter Gemeinden und Kantone zum Handeln auf.

Allerdings habe man bisher die Erfahrung gemacht, dass diese Gespräche selten Wirkung zeigten. «Die Post kommt selten auf ihren Entschluss zurück, wenn sie eine Filiale schliessen will», führt Capacoel den Katalog der kritischen Einwände gegen das Vorgehen der Post fort. Eher sei das Gegenteil zu erwarten: «Ein aktueller Fall aus Zürich zeigt, dass Filialen noch vor Abschluss der Gespräche zugemacht werden.»

Der Gewerkschaft gehe es in erster Linie um die Erhaltung von Dienstleistungen und Arbeitsplätzen. Die Beteuerung der Post, so wenig Kündigungen wie möglich auszusprechen genügt Capacoel dabei nicht. «In den vergangenen drei Monaten verkündete die Post grosse Abbauprogramme bei Poststellen, Postfinance und in der Verwaltung. Bis heute konnte die Post nicht aufzeigen, wo sie diese Leute unterbringen will.»

Auch das Dienstleistungsangebot, das mit Postagenturen zu grossen Teilen beibehalten werden soll, überzeugt Capacoel nicht. «Agenturen sind kein Ersatz für Postfilialen.» Gerade auf dem Land sei es für ältere Leute und auch das Kleingewerbe wichtig, Bareinzahlungen, Massenversande oder amtliche Sendungen tätigen zu können. Stattdessen gehe es wohl eher um das Sparpotenzial bei den Personalkosten, wenn die Post Dienstleistungen an Private auslagern würde, vermutet er. Die Post betreibe bisher eine Beschwichtigungspolitik – auf Einwände und Befürchtungen von Gemeinden und Mitarbeitern reagiere sie ungenügend.

«Wir fordern eine Strategie zur Erhaltung der Poststellen.» Zur Verstärkung dieses Anliegens wurde via Website der Gewerkschaft eine Petition lanciert, bei der Mitarbeiter der Post, aber auch Bürger ihren Bedenken gegenüber dem Poststellen-Sterben Ausdruck verleihen können.

Post hält an Vorgehen fest

Für Oliver Flüeler, Mediensprecher der Post, ist die heftige Kritik und das Vorgehen von Syndicom unverständlich. Man fühle sich etwas vor den Kopf gestossen. Die Erhebungen zur vorliegenden Gefährdungskarte seien nach «eigenem Gutdünken, eigenen Interpretationen und nicht nachvollziehbaren Hochrechnungen» erfolgt, reagiert er auf die veröffentlichten Daten. Damit schaffe man Unsicherheit und Ängste bei den betroffenen Mitarbeitern und Gemeinden, hält er Syndicom vor. Das lässt Capacoel nicht auf sich sitzen: «Unsicherheit schafft die Post, indem sie nicht bekannt gibt, welche Filialen erhalten werden sollen und welche sie schliessen will.» Die Erhebung fusse im Übrigen auf offiziellen Kriterien, welche die Post selbst veröffentlicht habe, zudem auf den Angaben des Gesetzgebers. «Auch haben wir die Post schon mehrfach aufgefordert, bekannt zu geben, welches die betroffenen Filialen sein sollen.»

Kommunikation verstärken

Darauf lässt sich die Post zurzeit nicht ein. Oliver Flüeler betont, man halte am geplanten Vorgehen fest. «Die Post hat das Versprechen abgegeben, in den kommenden Monaten mit sämtlichen Kantonen das Gespräch zu suchen», betont er. «Dieses Versprechen werden wir einhalten.» Dass bisher die Kommunikation nicht immer reibungsfrei verlaufen sei, weiss man: «Die Post hat auch angekündigt, bei den Veränderungen vor Ort die Kommunikation zu verstärken und die Bevölkerung besser miteinzubeziehen.» Es soll in Gesprächen geklärt werden, welche Poststellen auch in Zukunft unverzichtbar seien. «Die Kantone wissen selbst am besten, welche Poststellen aufgrund von Wohnungsbau, Wachstum oder Pendlerbewegungen wichtig sind.» Sobald diese zentralen Poststellen definiert seien, würden sie unangetastet bleiben.

Entgegen den Aussagen der Gewerkschaft sei auch die Strategie klar. «Die Kundenbedürfnisse sind nicht mehr dieselben wie vor 40 Jahren», sagt Flüeler. Insbesondere reagiere man auf die Digitalisierung. «Bereits seit 2001 machen wir uns Gedanken über das Poststellennetz der Zukunft.» Dieses Postnetz hat aktuell eine Zielgrösse von 800 bis 900 eigenbetriebenen Poststellen. Heute sind es 1400. Um den Zugang zu den Dienstleistungen dennoch erhalten zu können, soll zudem das Agenturnetz von 3700 auf 4000 Zugangsmöglichkeiten ausgebaut werden.

Syndicom fordert, dass die Diskussion zum Service public der Post nun neu lanciert werde und die Rahmenbedingungen vom Gesetzgeber her abgesteckt werden. «Denn sonst überlassen wir die Entscheidung, was das Poststellennetz der Zukunft leisten soll, der Post allein», so Capacoel.

Luzern: Gespräche laufen

Im Dezember fand das regelmässige jährliche Treffen des Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartementes mit Vertretern der Post statt. Dabei war das von der Post angekündigte weitere Vorgehen bei der Überprüfung des Poststellennetzes und der Förderung der alternativen Angebote Thema. «Es zeigte sich, dass – bezogen auf den Kanton Luzern – diese Überprüfung und Einrichtung von alternativen Angeboten bereits zu einem grossen Teil umgesetzt ist», sagt Thomas Buchmann, Departementssekretär des Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartements. Zurzeit stehe die Post mit den Gemeinden im Rahmen der angekündigten Gespräche für rund 10 Poststellen in einem ergebnisoffenen Dialog zur Zukunft dieser Poststellen. Die Rolle des Kantons werde sich darauf beschränken, der Post eine Rückmeldung zur Stimmigkeit ihrer Überlegung zum Poststellennetz mit den Entwicklungsvorstellungen des Kantons, gemäss kantonalem Richtplan, zu geben. (uus)

Zug: Erwartungen geäussert

Die Zuger Regierung pflegt laut Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel regelmässige Treffen mit Vertretern der Post. Kürzlich sei man über mögliche Veränderungen in den Gemeinden orientiert worden. «Gesetzlich sind aber die Gemeinden die relevanten Partner», hält Michel fest. Doch der Regierungsrat ist nicht untätig: «Wir haben mündlich und schriftlich die Erwartung geäussert, dass die Post nicht nur ein dichtes Poststellennetz betreibt, sondern auch andere Dienstleistungen erbringt.» Dabei sei man offen für die Form beziehungsweise die Struktur dieses Angebots: «Die Post muss sich in einem dynamischen Umfeld auch verändern können.» Nebst der Forderung nach entsprechenden Dienstleistungen hat der Kanton Zug laut dem FDP-Regierungsrat verlangt, dass betroffene Gemeinden frühzeitig einbezogen werden. «Entsprechend ist die Entwicklung des Poststellennetzes an einer der nächsten Gemeindepräsidentenkonferenz traktandiert.» (rh)

Obwalden: Überraschung in Kerns

«Überrascht», dass die Kernser Poststelle als gefährdet gilt, ist Gemeindepräsident André Windlin. «Davon habe ich noch nie gehört. Es hat auch nie Gespräche mit der Post dazu gegeben.» Für ihn sei es unvorstellbar, dass eine Gemeinde mit 6000 Einwohnern ihre reguläre Poststelle verlieren könnte. Die Syndicom-Einschätzung nimmt er dennoch ernst. «Wir würden alle Hebel in Bewegung setzen, dass das nicht passiert», stellt Windlin für den Fall der Fälle in Aussicht.

Keine Neuigkeit ist der Platz auf der Liste für den Lungerer Gemeindepräsidenten: «Vor drei Jahren informierte uns die Post, dass wir auf dieser Liste sind», sagt Josef Vogler auf Anfrage. Gegen die Schliessung habe der Gemeinderat seinerzeit protestiert. «Unsere Haltung hat sich nicht geändert. Doch auch die Post scheint an der Reorganisation festhalten zu wollen.» Von definitiven Schliessungsplänen wisse er jedoch nichts. (cri)

Nidwalden: Keine Erklärung

«Die Post hat vor einigen Monaten in Stansstad ein neues Lokal gemietet», sagt Gemeindepräsident Beat Plüss auf Anfrage. Dass diese Filiale nun gefährdet sein soll, kann er sich nicht erklären: «Die Post befindet sich zwar in einem grossen Umbruch. Mir ist aber nichts bekannt.» Von einer möglichen Gefährdung der Hergiswiler Postfiliale hört auch Gemeindepräsident Remo Zberg «zum ersten Mal». Emmetten hingegen kämpft noch um seine Poststelle: Nach Protesten schlägt die Postcom, die unabhängige Regulierungsbehörde im Schweizer Postmarkt, der Post vor, auf die Schliessung bis auf weiteres zu verzichten. Der Nidwaldner Volkswirtschaftsdirektor Othmar Filliger wollte zur Liste von Syndicom keine Stellung nehmen. (cri)

Schwyz: Keine Angst schüren

Die Schwyzer Regierung sei anhand einer Liste und in einem Gespräch zur Überprüfung der Schwyzer Poststellen von der Post informiert worden. «Wir halten uns an diese Liste. Andere Listen haben etwas Gefährliches an sich, sie können Angst in der Bevölkerung schüren», sagt der Schwyzer Regierungsrat Andreas Barraud. Der Volkswirtschaftsdirektor beruft sich auf dieses Gespräch und hält fest, dass es in erster Linie um eine Überprüfung gehe. Die Post verhandelt zudem direkt mit den Gemeinden. «Da stehen die Regierung und der Kanton meist aussen vor», so Barraud. Er bedauert zwar, dass Poststellen wie Steinen und Arth definitiv vor der Schliessung stehen. «Die Lösung, dass Poststellen in Agenturen umgewandelt werden, mit allen Vor- und Nachteilen, sehen wir als nicht die schlechteste an.» Im Kanton Schwyz ist ein Postulat hängig, welches klare Antworten von der Regierung auf offene Fragen zu Poststellenüberprüfungen oder Schliessungen fordert. (eg)

Uri: Verständnis für Post

In Uri haben bereits Gespräche zwischen der Post, den Gemeinden und der Volkswirtschaftsdirektion stattgefunden. Statt Kontra zu geben setzt Volkswirtschaftsdirektor Urban Camenzind auf Zusammenarbeit. «Ich habe Verständnis für die Umstrukturierungen der Post», so Camenzind. Es mache Sinn, dass sich die Post den heutigen Verhältnissen anpasse. «Jetzt geht es darum, mit den Gemeinden die besten Lösungen zu finden, um den Service public aufrechtzuerhalten.»
Die Agenturlösungen hätten sich in Uri als Erfolgsmodell herausgestellt. «Die Bevölkerung ist sehr zufrieden, gerade wegen der verbesserten Öffnungszeiten.» Chancen sieht Camenzind auch in moderneren Angeboten wie den unbedienten Postaufgabe-Automaten. «Gerade etwa fürs Industriegebiet Schächenwald wäre das eine Verbesserung», glaubt der Volkswirtschaftsdirektor. «Wichtig ist heute, dass man über die Gemeindegrenzen hinausdenkt.» (zf)

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