Direktor Pirmin Willi erzählt zu seinem Abschied vom «Brändigeist»

Nach 16 Jahren gibt Pirmin Willi sein Amt als Leiter der Stiftung Brändi weiter. Er erzählt, weshalb diese Zeit eine Bereicherung für ihn war und welchen Hürden er begegnete.

Raissa Bulinsky
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«Zu Fuss vom Mittelmeer über die Pyrenäen zum Atlantik»: So sieht Pirmin Willis Plan aus, den er nach seinem Abschied als Leiter bei der Stiftung Brändi umsetzen will. Willi fügt auf Spanisch hinzu: «Si Dios lo quiere» – eine Redensart, die in Spanien zum Grundvokabular gehört und so viel heisst wie: «Wenn Gott es will». Der gebürtige Luzerner lebte einige Zeit in Madrid. Auch in Hamburg und in London war er Zuhause, sowie auf Reisen im Fernen Osten. Willi kann eine breite Palette an Berufen vorweisen, die ihn hin und wieder ins Ausland brachte. Von Luftverkehr, Kaffeehandel und Logistik für Adidas wechselte Willi ins Gesundheitswesen und dann zur Stiftung Brändi.

Pirmin Willi, der Leiter der Stiftung Brändi, geht im Frühling in Pension.

Pirmin Willi, der Leiter der Stiftung Brändi, geht im Frühling in Pension.

Bild: Patrick Hürlimann

Seit 16 Jahren leitet der 64-Jährige die Stiftung, die Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung sowie psychischer Beeinträchtigung in die Gesellschaft und die Arbeitswelt integriert. Mit 15 Unternehmen ist sie an den neun Standorten Horw, Kriens, Luzern, Littau, Willisau, Sursee, Hochdorf und Baldegg vertreten, wo sie rund 1800 Personen beschäftigt. 

Nun verlässt Willi einen der grössten Arbeitgeber der Zentralschweiz in Richtung Ruhestand und gibt Ende April seinen Herzensberuf an seinen Nachfolger Marcel Hossli weiter. Wenn auch etwas wehmütig, übergibt er das Amt mit einem guten Gefühl. Er sei zuversichtlich, dass die Stiftung Menschen mit Behinderung oder Beeinträchtigung weiterhin erfolgreich fördern wird. Denn Willi verrät: «Die Hauptzutaten sind Respekt, Wertschätzung und Teamarbeit. Ich nenne es auch den ‹Brändigeist›.»

Besondere Begegnungen prägen die Zeit

So sei der bisherige Erfolg und der gute Ruf des Unternehmens sicher nicht allein dem Leiter zu verdanken, sondern vielmehr der Zusammenarbeit aller. Willi werde die Zeit bei der Stiftung Brändi vermissen. «Die Begegnungen mit all den Menschen – mit oder ohne Behinderung – waren eine Bereicherung für mich», schwärmt Willi. So sei es jedes Mal ein Highlight gewesen, wenn einer ihrer Lernenden erfolgreich abschloss und einen Platz in der Arbeitswelt und in der Gesellschaft fand. Willi erklärt: «Das gemeinsame Arbeiten, aber auch das gemeinsame Feiern prägten diese Zeit.»

Willi erlebte aber auch die Kehrseite des Berufs. So habe die Non-Profit-Organisation regelmässig mit finanzpolitischen Auswirkungen des Kantons zu kämpfen. Die Sparpakete hätten die Stiftung enorm gefordert. Der Leiter erklärt: «Wir müssen jeweils einen Spagat zwischen mehr Wertschöpfung und gleichbleibender Betreuungsqualität machen.» Auch die steigende Administrationslast seitens der Politik fordere sie. So Willi:

«Mir scheint, wir investieren zunehmend in Systeme statt in Menschen.»
Pirmin Willi

Pirmin Willi

Bild: Patrick Hürlimann

Doch nicht nur von aussen verspüre die Stiftung Druck. In den 16 Jahren stellte Willi auch Veränderungen fest, die es erschweren würden, gute Arbeit für Menschen mit Behinderungen zu finden. Beeinträchtigungen seien komplexer geworden und die Betreuung und Begleitung im Lebensalltag in einer individualisierten und digitalisierten Gesellschaft anspruchsvoll.

Willi fordert Ressourcen

«Trotz all den Herausforderungen, sind es aber die schönen Begegnungen, die mir stets in Erinnerung bleiben werden und allen Anstrengungen wert sind», findet Willi. Ausserdem habe er festgestellt, dass die Akzeptanz und Toleranz gegenüber Menschen mit Behinderung oder Beeinträchtigung in der Gesellschaft zugenommen habe. Willi meint schmunzelnd:

«Wer ist schon nicht behindert?»

Er erhoffe sich trotzdem, dass sich in Zukunft noch so einiges zugunsten von Menschen mit Behinderung entwickeln wird. «Es reicht nicht aus, sich über Konzepte zur Integration den Kopf zu zerbrechen. Man muss auch die nötigen Ressourcen bereitstellen, das kostet halt», sagt Willi und führt als Beispiel die partielle Integration von Menschen mit Behinderung in Regelklassen auf.

Pirmin Willi werde sich auf jeden Fall weiterhin für Menschen mit Behinderung einsetzen und ein treuer Kunde der Stiftung Brändi bleiben – sei es als Käufer von Brändi-Spielwaren für die Enkelkinder oder als Gast in einem der Brändi-Restaurants. 

Marcel Hossli: per 1. Mai Direktor der Stiftung Brändi.

Marcel Hossli: per 1. Mai Direktor der Stiftung Brändi.

Bild: PD

Neuer Leiter der Stiftung Brändi

Pirmin Willis Nachfolger ist Marcel Hossli

Marcel Hossli (52) übernimmt per 1. Mai die Leitung der Stiftung Brändi. Hossli ist Vater von zwei Kindern und lebt mit seiner Familie in Eich. Der gelernte Maschineningenieur war während mehrerer Jahre in der Uhrenindustrie und für «Zimmerli of Switzerland» in der Textilbranche tätig. Die Stiftung Brändi freut sich über den neuen erfahrenen Leiter mit ausgeprägter Sozialkompetenz.

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