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Metal-Band verkauft illegal CDs in Luzern und Stans

In der ganzen Schweiz versuchen angebliche Musiker aus Osteuropa, ihre CDs auf der Strasse zu verkaufen – auch in der Zentralschweiz. Die Verkäufer wissen zwar, dass das illegal ist, geben aber nichts darum.
Raphael Rohner und Sandro Renggli
Dieses Album der Band «Illumenium» wird illegal in der Zentralschweiz verkauft. (Symbolbild: Dominik Wunderli)

Dieses Album der Band «Illumenium» wird illegal in der Zentralschweiz verkauft. (Symbolbild: Dominik Wunderli)

«Do you speak english?», wird ein Mitarbeiter unserer Zeitung am Bahnhof Stans gefragt. «Do you like rock music?», fragt die Person weiter. Auf Englisch, mit Akzent, bombardiert sie unseren Mitarbeiter mit weiteren Fragen. Der Passant will ihm ein Metal-Album verkaufen.

Ähnliche Szenen haben sich auch am Bahnhof Luzern abgespielt. Eine Gruppe junger Männer spricht Leute an und will ihnen dasselbe Album verkaufen. Es ist ein Album der Band «Illumenium». Für zehn Franken ist es zu haben. Manche kaufen das Album, weil die Musik sie interessiert. Andere bezahlen, nur um in Ruhe gelassen zu werden. Anscheinend sind solche Verkäufer in der ganzen Schweiz unterwegs.

Verkauf von CDs auf der Strasse ist illegal

Auf Nachfrage waren der Luzerner Polizei keine Strassenverkäufer bekannt. Patrouillen würden nun allerdings auf solche Vorfälle sensibilisiert, denn der Verkauf ist illegal. Christian Bertschi, Kommunikationschef der Luzerner Polizei, sagt:

«Verkäufe auf öffentlichem Grund ohne Bewilligung sind nicht erlaubt. Passanten, die sich durch solche Strassenverkäufer belästigt fühlen, dürfen sich gerne an die Polizei wenden.»

Die Stadt Luzern und die SBB bestätigen die Bewilligungspflicht. Zu den Verkäufen sagt Daniele Pallecchi von der SBB: «Das kommt vor. Die Personen haben aber keine Bewilligung.»

Von Bedrängnis bis Begeisterung

Bei einigen Leuten sorgte die nachdrückliche Verkaufstaktik der Musiker für Verunsicherung – zum Beispiel in St. Gallen, wo die Verkäufer auch aufgetaucht sind. Gegenüber einem Mitarbeiter von «CH Media» berichtet eine Gruppe Schülerinnen, die Verkäufer seien aufdringlich gewesen und hätten die CDs «fast schon aggressiv» loswerden wollen.

Die Reaktionen sind aber nicht nur negativ. Ein Käufer der CD aus Luzern sagt, die direkte Art sei ihm sympathisch gewesen: «Es ist eine originelle Art der Vermarktung und mal etwas anderes als der ständige Werbungs-Einheitsbrei.» Er sei zudem davon ausgegangen, dass es sich bei den Personen um Bandmitglieder handle.

Band soll Konzerte spielen – Veranstalter wissen von nichts

Wenn man den Bandnamen «Illumenium» bei Google eingibt, erscheinen dennoch Meldungen aus ganz Europa über die Aufdringlichkeit der Band. Auf den Strassen stehen eben nicht nur Mitglieder der Formation, sondern auch Promoter, die sich als Mitglieder der Band-Crew ausgeben. Sie geben meist an, auf Promo-Tour für einen Auftritt in der Region zu sein. Die Internetrecherchen zeigen, dass die Band in der Vergangenheit immer wieder solche Gruppen losgeschickt hat. Es finden sich Meldungen aus Basel, Zürich oder Schaffhausen. Auch aus Österreich gibt es zahlreiche Meldungen.

«CH Media» hat einen der CD-Verkäufer in St.Gallen angesprochen. Er heisst Kristo und sagt nach Rückfrage, dass er tatsächlich nicht selbst in der Band spielt, sondern nur Promoter ist. Kristo scheint von den Meldungen im Internet nichts zu wissen. Er weiss wenig über die Band, deren Musik er in seinen Händen hält.

In St.Gallen sagten die Verkäufer den Leuten, dass die Band bald Konzerte gebe. Kurios daran: Weder am Veranstaltungsort noch bei anderen Schweizer Musikklubs ist die Band in den nächsten Monaten gelistet. In der Zentralschweiz hatte «Illumenium» noch nie einen Auftritt.

Schlagzeuger: «Wir wollen eigentlich keinen Ärger»

Doch was genau steckt hinter den Verkäufen? Schlagzeuger Kevin erklärt via Facebook-Messenger die Verkaufsstrategie:

«Wir reisen überall in Europa herum und verkaufen unsere Musik ohne all die grossen Unternehmen.»

Man wolle ein Zeichen gegen den kommerzialisierten Musikverkauf setzen, darum verkaufe man die Musik direkt. Weiter sagt Kevin:

«Wenn die Polizei uns schnappen wollte, hätte sie es schon lange geschafft. Uns ist die Polizei eigentlich egal. Wir machen so oder so unser Ding, wenn auch im Untergrund.»

Er sei schon mehrere Male von der Polizei kontrolliert worden, doch gefunden hätten die Polizisten nichts: «Sie machen sicher einen guten Job, doch hält uns so schnell nichts auf.» Er bedauert, dass sich Leute offenbar von den Promotern bedrängt gefühlt haben, und entschuldigt sich dafür: «Wir wollen ja eigentlich keinen Ärger.»

CD-Verkäufer machen sich aus dem Staub

Und was sagt die Gruppe zum Vorwurf, dass ihr Tun illegal sei? «Das wissen wir», gibt Kristo, der Verkäufer, knapp zu. «Die Polizei hat uns schon ein paar Mal weggewiesen.» Dann werden die Fragen Kristo und den anderen unangenehm. Auch die Frage nach Kristos Alter – er wirkt sehr jung – und wieso er dies mache, beantwortet er nicht mehr.

Das Grüppchen sucht schliesslich das Weite. Versuche, ihnen zu folgen, bleiben erfolglos. Die dubiosen CD-Verkäufer beschleunigen, trennen sich und verschwinden in einer dunklen Seitenstrasse.

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