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Interview

Dominik Weingartner: «Der Beruf Journalist war für mich eigentlich fast unerreichbar»

Dominik Weingartner (31) ist in einer Journalistenfamilie in Triengen aufgewachsen. Der Leiter Ausland und Blattmacher unserer Zeitung hat eine Affinität für deutsche Politik, die Fussball-Bundesliga und in gewissem Sinne für bretonischen Volkstanz.
Roger Rüegger
Dominik Weingartner beim Alpineum Luzern. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 27. Dezember 2018))

Dominik Weingartner beim Alpineum Luzern. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 27. Dezember 2018))

Dominik Weingartner, du hast im Sommer 2014 bei der Regionalredaktion der «Luzerner Zeitung» angefangen. Bereits nach 18 Monaten hast du zu den Überregionalen gewechselt. Ein ungewöhnlich schneller Schritt. Warum?

Weil sich die Möglichkeit ergeben hat. In der Nachrichtenredaktion wurde eine Stelle frei und ich hatte Lust auf etwas Neues, also bewarb ich mich.

Ist das Regionalressort nicht spannender, wo man Themen eher selber bestimmen kann?

Finde ich nicht. Das kann ich in der Auslandredaktion auch.

Gibt das Weltgeschehen nicht die meisten Themen vor?

Im Ausland-Tagesgeschäft sind natürlich viele Geschichten Pflichtstoff. Es gibt aber auch im Regionalteil fixe Themen, die abgedeckt werden müssen und immer wiederkehren.

Was ich sagen will: Wenn ihr Agenturmeldungen zurückgreift, sind eure Geschichten meist identisch mit jenen der anderen Gazetten.

Es ist ein Vorurteil von euch Regionaljournalisten, dass wir nur Agenturmaterial verbraten können. Wir haben ein Netz von Auslandskorrespondenten, die gute eigene Geschichten machen.

Dein Vater ist freier Journalist und dein Bruder war auch Redaktor bei der LZ. Es war quasi vorgegeben, dass du bei den Medien landen wirst!

Nicht unbedingt. Ich habe keine Matura und somit kein Studium. In der Kantonsschule haben sie mich rausgeworfen. Ich habe erst mit Mitte 20 eine KV-Lehre abgeschlossen. Aber ja, ich habe als 15-Jähriger zum ersten Mal für Geld einen Artikel geschrieben. Ich durfte einen Turnerabend in Moosleerau beschreiben.

Wer hätte das gedacht. Welcher Journalist steigt schon nicht mit einer Sportberichterstattung in den Beruf ein?

So war es bei mir auch. Schon vorher schrieb ich für den «Trienger Anzeiger» Matchberichte der «Nightwolves Triengen», einer Inline-Hockey-Mannschaft, bei der ich mitspielte. Dafür gab’s aber kein Geld.

Warum bist Du nicht Kaufmann geblieben?

Weil ich die Chance bekam, Journalist zu werden. Dieser Beruf war für mich eigentlich fast unerreichbar. Der heutige Chefredaktor hat mir den Einstieg ermöglicht.

Du hast neben Inline-Hockey auch Eishockey und Fussball gespielt. War Sportreporter keine Option?

Wäre es sicher gewesen, aber mein Weg führte mich nicht dahin. Einmal durfte ich aber eine Story aus der Bundesliga für unseren Sportteil schreiben.

Beim Thema Fussball komme ich nicht um diese Frage herum: Warum bist Du als Luzerner FCZ-Fan?

Aus Zufall. Mitte 20 wohnte ich in Zürich nahe dem FCZ-Stadion Letzigrund. Zusammen mit einem Kollegen hatte ich bemerkt, dass Match-Besuche eine gute Wochenendbeschäftigung sind. Und weil wir den FCZ als Heimmannschaft erlebten, hat es sich so ergeben. Zumal es eine gute Saison für den Club war.

Sportlich aktiv bist du nur noch als Torhüter der LZ-Fussballmannschaft. Wie regelmässig stehst Du im Tor?

Fast nie. Etwa zwei Spiele im Jahr.

Bist du im Tor genauso sicher wie bei der Wortwahl in deinem Podcast?

Nun, ein Redaktionskollege hat mir – zwar nur im Scherz – den Spitznamen «Panther aus Triengen» gegeben. Das spricht doch für sich. Woher weisst Du eigentlich von meinem Podcast?

Von einem Redaktionskollegen.

Die Idee mit dem Podcast schlummerte schon lange. Ein Piratenradio hat schon etwas für sich.

Du behandelst darin oft deutsche Themen. Auch als Redaktor bei unserer Zeitung. Woher dieses Interesse?

Geschichte interessiert mich seit meiner Kindheit. Das Problem ist: Wenn man in der Schweiz aufwächst und historisch interessiert ist, wird es schnell langweilig. Die deutsche Geschichte ist dafür umso spannender.

Bei der Bundestagswahl warst du für unsere Zeitung als Reporter in Berlin. Du hast Geschichte hautnah erlebt!

Das kann man sagen. Wir waren drei Reporter. Unser Korrespondent kümmerte sich um die wichtigste Partei, die CDU, eine Kollegin berichtete über die SPD und ich war bei der Wahlparty der AfD. Der Einzug einer Partei rechts von der CDU in den Bundestag war schon irgendwie historisch.

Wie war dein Eindruck?

Die Veranstaltung fand in einer Berliner Disco statt. Es war interessant und teilweise aber auch ein bisschen «gfürchig». In Deutschland fallen in der Politik recht markige Worte, das ist eine ganz andere Welt als in der Schweiz.

Hast du eine grosse Figur treffen können?

Damals nicht. Für eine Schweizer Regionalzeitung ist es fast unmöglich mit einem hochrangigen, ausländischen Politiker zu reden, der noch im Amt ist. Ich hatte aber ein anderes Mal die Gelegenheit, Joschka Fischer zu interviewen.

Der ist aber eine Nummer. Wie kam das zustande?

Er war an einer Veranstaltung im Kanton Luzern als Redner eingeladen. Ich bekam die Erlaubnis, 10 Minuten mit ihm zu reden. Ich merkte sofort, dass er keine Lust hatte auf ein Interview. Auf meine erste Frage antwortete er knapp und patzig. Ich machte weiter und mit der Zeit lief es immer besser. Am Schluss wurden aus den 10 Minuten immerhin eine halbe Stunde.

Auch Musik ist ein Hobby von dir. Seit 15 Jahren spielst du Bass bei der Band «Hanter Dro». Was bedeutet der Name?

Das ist der Name eines bretonischen Volkstanzes.

Und die Musik?

Die hat nicht viel mit Volkstänzen zu tun. Wir machen relativ harte Musik, die nicht wirklich massentauglich ist. Aber wir haben Spass daran.

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