DREIKÖNIGSTAG: Schwyzer Landsleute überfielen Kloster Einsiedeln

Am Dreikönigstag vor 700 Jahren überfielen und plünderten Schwyzer Landsleute das Kloster Einsiedeln. Der Überfall war der Höhepunkt im seit langem schwelenden «Marchenstreit».

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Am Dreikönigstag vor 700 Jahren überfielen Schwyzer Landsleute das Kloster Einsiedeln. (Bild: Archiv Remo Nägeli / Neue LZ)

Am Dreikönigstag vor 700 Jahren überfielen Schwyzer Landsleute das Kloster Einsiedeln. (Bild: Archiv Remo Nägeli / Neue LZ)

Die Schwyzer gingen dabei äusserst gewalttätig und frevlerisch vor, wie der klösterliche Schulmeister Rudolf von Radegg, der den Überfall selber miterlebte, im Gedicht «Capella Heremitarum» schildert. Mit Balken und Äxten hätten die Schwyzer Landsleute das Tor eingeschlagen und die verängstigten Mönche und Knechte zusammengetrieben.

Hostien und die Gebeine der Heiligen hätten sie auf der Erde zerstreut, Kelche und Messgewänder geraubt. Vom klösterlichen Wein sollen die Schwyzer «gesoffen haben ohne Mass», sodass sie «taumelten und die Kirche mit ihrem Unrat schändeten». Die Mönche wurden nach Schwyz mitgenommen und erst nach mehreren Wochen Gefangenschaft wieder frei gelassen.

Der Überfall vom Dreikönigstag 1314 auf das Kloster war aber nur der letzte in einer Reihe von Angriffen. In einem Klagerödel, einer Schriftrolle aus dem Jahr 1311, ist zum Beispiel von massiven gewaltsamen Übergriffen von Schwyzer Landsleuten auf klösterliche Viehhöfe die Rede.

Die Schwyzer hätten an verschiedenen Orten gewütet, geraubt, Heu- und Molkeprodukte geplündert, unerlaubt und in grossem Stil Gebiete abgeweidet, Ställe zerstört und seien gar vor Totschlag nicht zurückgeschreckt.

Streit um Allmendgebiete

Der Historiker Roger Sablonier nennt in seinem Buch «Gründungszeit ohne Eidgenossen» vor allem politisch-soziale Gründe für das gewalttätige Vorgehen gegen das Kloster Einsiedeln.

Gestritten wurde um die sogenannten Allmendgebiete, die einst von beiden Seiten genutzt werden konnten. Die Grosspächter des Klosters setzten nach 1300 zunehmend auf eine viehwirtschaftliche Intensivierung dieser Gebiete. So grenzten sie etwa Ochsen- und Pferdeweiden aus oder umzäunten Matten für die Heuproduktion.

Dies führte immer wieder zu Konflikten mit Schafzüchtern und Wanderviehhaltern, welche die Allmenden weiterhin mitbenutzen wollten. Das Kloster stellte sich auf die Seite der Grosspächter und Bauern und beschützte sie vor den Bauern aus Schwyz. Immer wieder kam es zu Übergriffen. Diese gipfelten schliesslich im Angriff auf das Kloster am 6. Januar 1314.

«Sieg» für beide Seiten

Nach 1315 beruhigte sich die Lage laut Sablonier relativ rasch. Dies deute darauf hin, dass man bald schon Kompromisse gefunden habe. Einsiedeln musste vermutlich auf den Anspruch auf Klosterhöfe in Ibach, Schwyz und Steinen verzichten und konnte dafür im nördlichen Gebiet und in Kernzonen den viehwirtschaftlichen Intensivierungsprozess fortführen.

Die Schwyzer ihrerseits konnten Weideansprüche im Ybriggebiet behaupten. Für Gebiete, die sie aufgeben mussten, erhielten sie Kompensationsweiden, etwa im Pragelgebiet. Für Sablonier ist klar: Der «Sieg» im Marchenstreit ging an beide Seiten.

Definitiv beigelegt wurde der Streit 1350. Das politische Einlenken von Einsiedeln habe zum grossen Ansehen des Klosters in der Innerschweiz beigetragen, schreibt Sablonier. Später sei Einsiedeln so regelmässig als Schlichtungs- und Tagungsort für eidgenössische Orte eingesetzt worden.

sda