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«Einradfahren ist nicht Zirkus, sondern Hochleistungssport»

Yves Métry (30) spielt Einradhockey bei den Black Hawks Emmenbrücke. Der Elektroingenieur ist national und international Spitze.
Interview: Roger Rüegger
Yves Métry in der Gersaghalle beim Training. (Bild: Manuela Jans-Koch, Emmen, 29. August 2019)

Yves Métry in der Gersaghalle beim Training. (Bild: Manuela Jans-Koch, Emmen, 29. August 2019)

Hockey kann man überall spielen. Dass es Leute gibt, die sich dafür auf ein Einrad setzen, war mir bis jetzt fremd. Warum tun Sie das?

Yves Métry: Einrad und Hockey sind schnelle Sportarten und passen super zusammen. Früher spielte ich mit Nachbarskindern und meinem Bruder Pascal mit einem Tennisball auf der Strasse. Das liebte ich.

Viele wechseln als Aktivsportler zu Eis- oder Unihockey. Zu gewöhnlich für Sie?

Nein. Aber Unihockey gabs in Emmen noch nicht und fürs Eishockey nach Luzern zu fahren war aufwendig. Ich war bereits im Turn- und Schwimmverein.

Einrad war die Alternative?

Damals noch nicht. Aber es entwickelte sich in diese Richtung. Kontakt mit dem Einrad hatte ich 1999 im Sportlager. Ich war neugierig und probierte es aus.

War es schwierig zu fahren?

Es funktionierte nicht auf Anhieb. Das spornte mich an.

Da Sie mehrmaliger Weltmeister sind, hatten Sie den Dreh wohl schnell raus?

Als Kind lernt man rasch. Zudem besass mein Nachbar ein Einrad, was mich beflügelte. Er nahm mit dem ATV Emmenbrücke an Wettkämpfen teil. Ich begleitete ihn im Jahr 2000, das war mein erster Einsatz.

In welcher Disziplin?

Rennen. Wir waren schnell, weshalb uns jemand fragte, ob wir auch Hockey spielen.

Und?

Das wars. Wir kombinierten die beiden Sportarten zu Hause. Vorerst nahm ich bei Wettkämpfen weiterhin nur an Rennen teil. 2002 kam ein Aufgebot der Nationalmannschaft für die Einrad-WM in Seattle.

Eine Einrad-WM?

Ja, ähnlich wie die Olympischen Spiele. In rund 35 Disziplinen wie Basketball, Hockey, Rennen in verschiedenen Distanzen, Freestyle, Outdoor, Trial, Flatland und Street sind über 1000 Leute aus aller Welt im Einsatz.

Waren Sie dabei?

Wir machten dort Familienferien. Ab diesem Zeitpunkt machten wir Ferien immer dort, wo Wettkämpfe stattfinden. Mein Bruder und meine Eltern sind ebenfalls im 2007 gegründeten Einrad Club Emmenbrücke.

Wann haben Sie richtig mit Hockey losgelegt?

An der Einrad-WM 2006 in der Schweiz. Wir spielten mit Leuten, die später bei der Gründung der Black Hawks und des Einrad Clubs dabei waren.

Eine erfolgreiche Story!

Die erste WM-Medaille im Team-Sport holten wir 2004 in der Staffel 4x100 in Japan – mit Weltrekord. Und 2009 gab's in Neuseeland im Hockey Gold und zudem Bronze im Basketball. Weitere folgten.

Kann man Einradhockey mit Eishockey vergleichen?

Bezüglich Spielablauf und Tempo schon. Wir benutzen Eishockeystöcke. Die Meisterschaft findet in Turnierform statt. Jedes Nationalliga-A-Team führt ein Turnier durch. Dabei spielen fünf Leute pro Team. Einradhockey ist übrigens eine gemischte Sportart.

Wie intensiv ist ein Turnier?

Nach einem Turniertag weiss man, was der Körper geleistet hat.

Ist checken erlaubt?

Eigentlich wäre es ein Sport ohne Körperkontakt.

Eigentlich? Wie lange dauert es, bis sich ein Anfänger sicher fortbewegen kann?

Mit meiner Instruktion und viel Üben etwa zwei Wochen.

Denken Sie, dass ich dann bereit wäre für ein Mätschli?

Das würde nicht sehr lustig werden für Sie. Nach zwei Wochen können Sie vielleicht geradeaus fahren. Über Sprints, rasches Drehen und das Handling mit dem Stock haben wir noch nicht einmal gesprochen.

Die Schweiz ist Europameister und Weltmeister. Die Black Hawks sind mit mehreren Mitgliedern vertreten. Ein Sportjournalist sagte, er habe Ihren Sport erst kürzlich im TV entdeckt. Warum kennt den Sport niemand?

Weil Medien kaum berichten.

Wir sprechen doch jetzt!

Das ist schön. Wie Ihr Kollege sagte, hat SRF im August einen Bericht aus Biberist gezeigt, wo wir Europameister wurden.

Die Black Hawks treten in der neuen Saison mit drei Teams an. Ihr macht den Meister mit den Devils aus Olten aus. In den letzten drei Saisons ging der Titel an Olten. Wer ist Favorit?

Wir haben top Nachwuchsleute. Vielleicht reicht es nach 2015/16 wieder für die Meisterschaft. Spätestens in drei Saisons wollen wir wieder ganz oben sein.

Beim Einradsport gibt es auch die Disziplin Downhill. Leute, die einen Berg hinab fahren, haben im wahrsten Sinne des Worts ein Rad ab. Kann man das sagen?

So etwas würde ich nie tun. Aber es gibt Spezialisten, die dabei grosse Sprünge absolvieren und sogar vom Sport leben können.

Im Cirkus Knie sah ich einmal eine Artistengruppe aus China, die auf Hochrädern fantastische Dinge zeigte.

Die Aussage hören wir oft. Aber Einradfahren ist nicht Zirkus, sondern Leistungssport. Wobei einige, die zur Weltspitze im Freestyle zählen, tatsächlich zum Cirque du Soleil gehören.

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