EINSIEDELN: «Die Jugendlichen sollen mich kennen»

Seit acht Monaten ist der Polizist Jürg Huder als Regionalfahnder Jugend unterwegs. Die Jugendlichen empfindet er als angenehm.

Victor Kälin
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Jürg Huder an einem der von ihm aufgesuchten Orte: Vorplatz des Nordstrassen-Schulhauses. (Bild Victor Kälin)

Jürg Huder an einem der von ihm aufgesuchten Orte: Vorplatz des Nordstrassen-Schulhauses. (Bild Victor Kälin)

In Jeans und einem winterfesten Pullover begrüsst Jürg Huder den Journalisten. Wer den Schwyzer Kantonspolizisten in Uniform erwartet hatte, lag falsch. Praktisch nie trage er die Uniform, erklärt der 33-Jährige. Dennoch hat er die gleichen Rechte und Pflichten wie seine Kollegen vom Einsiedler Polizeiposten. Huder hat einen Spezialauftrag innerhalb des Polizeikorps: Er ist Sachbearbeiter Regionalfahndung, wovon 50 Prozent für die Jugend reserviert ist. Zuvor als Regionalfahnder in Pfäffikon angestellt, ist er seit acht Monaten in Einsiedeln tätig. Seine Einsatzorte sind der Bezirk, das Ybrig, Alpthal und Rothenthurm.

Jürg Huder, wie nehmen Sie als Fahnder die Jugend in Einsiedeln generell wahr?

Jürg Huder: Absolut angenehm. Man spürt, dass wir hier in einer ländlichen Gegend sind. Natürlich gibt es auch Exponenten, die ausschlagen – die Häufigkeit bewegt sich aber im normalen Rahmen. Die Einsiedler Jugendlichen erlebe ich als aufgeweckt. Dass einige ihre Grenzen ausloten wollen, gehört zu diesem Alter. Da soll sich jeder Erwachsene selbst an seine Jugend erinnern.

Unterscheiden sich die Jugendlichen in Einsiedeln von Jugendlichen in anderen Gemeinden?

Huder: Die Situation in Einsiedeln ist familiärer. Man kennt sich besser als etwa in Ausserschwyz. Das Ganze ist überschaubarer und deshalb weniger anonym. Was sich auf unsere Arbeit positiv auswirkt.

Ist Alkohol ein Einsiedler Phänomen?

Huder: Auch hier trinken die Jugendlichen Alkohol. Es ist aber ein gesellschaftliches Problem, das sich weder auf die Jugendlichen beschränkt, noch auf die Region Einsiedeln. Auch was andere, härtere Drogen betrifft, nehme ich hier keine signifikant höhere Konsumation wahr als anderswo.

Was kann man sich unter Ihrer Arbeit als Regionalfahnder Jugend vorstellen?

Huder: Sie lässt sich vereinfacht gesagt in Prävention und Repression aufteilen, wobei das Schwergewicht nach Möglichkeit bei der Prävention liegt. Wir betreiben eine aufsuchende Arbeit: Wir sind an neuralgischen Punkten wie Schulhausplätzen, Bahnhof, Einkaufszentren präsent, ebenso an Anlässen und Festen. Wir zeigen uns und suchen mit den Jugendlichen Kontakt. Ich will ihnen im Voraus erklären, dass Lärm oder Littering andere Personen stört – manche sind sich dessen gar nicht bewusst. Die Jugend­lichen sollen mich kennen; sie müssen wissen, dass es mich als Regionalfahnder Jugend hier in Einsiedeln gibt. Wichtig ist für uns auch die Vernetzung mit den Schulen, dem Schulleiter, den Kollegen auf dem Posten Einsiedeln und der Jugendanwaltschaft.

Schildern Sie doch Ihren Arbeitstag.

Huder: Stehen tagsüber die Büroarbeiten im Zentrum, wechseln wir gegen Abend und in die Nacht hinein nach draussen. Ich will so viel wie möglich draussen sein. Die Arbeitszeiten sind sehr unterschiedlich. In lauen Nächten an den Wochenenden kann es schon mal 2 oder 3 Uhr in der Früh werden. Doch wir sind flexibel. Im Regelfall sind wir in der Nacht zu zweit unterwegs. Und zwar zivil. Wir reagieren auch auf Meldungen über Nachtruhestörungen oder beispielsweise über kiffende Jugendliche, wobei es vor Ort nicht immer so aussieht, wie es geschildert wurde. Gewisse Jugendliche sind sich jedoch nicht bewusst, dass sie mit ihrem Verhalten andere stören. Doch ich erlebe auch, dass viele einsichtig werden, wenn man sie darauf aufmerksam macht. Und sei es mit einem mitgeführten Kehrichtsack, in den die Jugendlichen den herumliegenden Güsel stopfen. Ich mache gute Erfahrungen, wenn ich die Jugendlichen zu etwas motivieren versuche.

Was verspricht sich die Kantonspolizei von der Regionalfahndung Jugend?

Huder: Das ist ganz klar die Sensibilisierung, die Aufklärung und die Prävention. Und wenn alles nichts nützt, selbstverständlich auch die Repression. Auch in Zivil haben wir dieselben Befugnisse wie ein uniformierter Kollege.

Decken sich die Erwartungen mit der Realität, so wie Sie sie sehen?

Huder: Soweit ich feststellen kann, trägt die Jugendarbeit der Polizei in Einsiedeln Früchte. Es ist ruhiger als zuvor. Wir versuchen, speziell auffällige Jugendliche aus der Anonymität zu holen. Die wenigen, die es benötigen, wissen, dass wir ein Stück weit ein Auge auf sie werfen. Das zeigt meistens Wirkung.