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EINSIEDELN: Im Kloster sind die Detektive los

Neu können Besucher das Kloster auf dem Monkstrail erkunden. Die moderne Schnitzeljagd soll auch englischsprachige Touristen anlocken.
Stephan Santschi
Die Schnitzeljagd in den klösterlichen Räumen ist im vollen Gange: Den nächsten Hinweis finden Kilian Wenk (liegend) und Mathis Heineke unter einem Tisch. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Die Schnitzeljagd in den klösterlichen Räumen ist im vollen Gange: Den nächsten Hinweis finden Kilian Wenk (liegend) und Mathis Heineke unter einem Tisch. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Stephan Santschi

Kloster Einsiedeln: Der Barockbau auf der Hochebene im Kanton Schwyz südlich des Zürichsees ist die Heimat von rund 50 Mönchen des Benediktinerordens. Gnadenkapelle und schwarze Madonna ziehen gleichermassen Gläubige, Pilger und Touristen zum Wallfahrtsort, der Teil des Jakobsweges ist. Seit diesem Sommer gibt es noch ein Argument mehr, um Einsiedeln als Ausflugsziel zu wählen. Monkstrail nennt sich die Schnitzeljagd, deren Lancierung Projektleiter Pater Thomas so erklärt: «Wir suchten nach einer Ergänzung zu den klassischen Klosterführungen. Auch, weil wir oft Anfragen für Sonn- und Feiertage haben, an denen wir keine Führungen begleiten.»

Das Kloster Einsiedeln lässt sich nun per Schnitzeljagd erkunden. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)
Einer der Posten des Monktrails. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)
Hier befindet sich eine Information zum Weiterkommen bei der Schnitzeljagd unter dem Tisch. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)
Die Schnitzeljagd führt auch durch den Pferdestall. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)
4 Bilder

Monkstrail: Detektive im Kloster

Eine Reservierung ist zwar nötig. Doch macht man die, kann man das Klostergelände an allen Wochentagen auf eigene Faust erkunden. So, wie es kürzlich drei junge Männer taten. Kilian Wenk (24) aus Bern, Mathis Heineke (24) aus Hamburg und der Horgener Philipp Klein (23) begaben sich auf den Postenlauf und tauchten ein in die Welt der Mönche.

Der Abt, der Pförtner, der QR-Code

Ausgangspunkt ist die Hofpforte auf der rechten Seite der Klosterfront. Der erste Auftrag: das Versenden einer E-Mail per Mobiltelefon an den Abt, den Vorsteher der Gemeinschaft. Dazu braucht man dessen Namen zu wissen. Kein Problem für die Dreiergruppe – im Gegensatz zur Internetverbindung. «Das beginnt ja schon mal gut, hier drin haben wir kein Netz», sagt Philipp Klein. Raus geht es also in den Innenhof. Hier klappt es. Der Abt schreibt mittels automatischer Antwort prompt zurück und weist den Hobby-Detektiven den Weg. Aufzusuchen gelte es nun die Kirchenpforte. Gesagt, getan – Pförtner Pater Ansgar wartet bereits hinter dem Tresen und händigt eine Karte mit Informationen zur reichen Bebilderung der Klosterkirche aus. Darüber steht ein QR-Code. «Bitte ans Fenster stehen, um den Code ins Handy einzulesen, hier drin haben wir kein Netz», sagt er. Dick sind sie halt hier in Einsiedeln, die Klostermauern.


Auf dem Display erscheint die nächste Aufgabe, wofür sich die Gruppe in die Klosterkirche verschiebt. An deren Decke findet sich die Antwort, worauf ein weiterer QR-Code die Koordinaten der nächsten Haltestelle preisgibt. Der Einzug moderner Technologie in die traditionelle Glaubensgemeinschaft ringt Kilian Wenk ein Schmunzeln ab. «Hinter einem QR-Code versteckt sich zwar eigentlich nur ein Link. Doch es ist cool hier.»

Nun ist vorübergehend nicht Denkarbeit, sondern Marschieren angesagt. Posten Nummer vier befindet sich ausserhalb des Klostergeländes. Es ist heiss, die Sonne brennt, gut haben alle an die schützende Sonnencreme gedacht. «Ich hätte eine kurze Hose anziehen sollen», sagt Philipp Klein und stöhnt. Auf einer Anhöhe findet sich nach einer kleinen Suchaktion die nächste Herausforderung. Bei der hier gestellten Frage liegen vier Antworten zur Auswahl – jede an eine andere Telefonnummer geknüpft. «Lass uns zuerst eine falsche Nummer wählen und schauen, wer rangeht», sagt Klein mit einem Grinsen. Die Dorfbäckerei vielleicht? Nein. Nach einem Klingeln ertönt ein Soundeffekt, den man vom Scheitern in einem Radioquiz kennt. «Nicht schlecht», erwidert das Trio unisono und lacht. Die richtige Verbindung liefert ihnen die nächste Frage. Diesmal geht es um eine Jahreszahl, mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. Die korrekte Antwort ist gleichbedeutend mit dem Code eines Zahlenschlosses am nächsten Posten. «Jetzt wird es tricky», bemerkt Mathis Heineke. Zurück im Kloster geht die Tour auf ähnliche Weise weiter – über verschiedene weitere Posten landet man schliesslich im Klosterladen und damit im Ziel. Und, wie war es?

«Ich fand es gut. E-Mail, Telefon, direkter Kontakt mit einem Pater – die Fragen werden über verschiedene Medien gestellt», sagt Wenk. Für ihn und seine Begleiter war der Monkstrail der Startschuss in ein zweiwöchiges Volontariat im Kloster. Eine feste Zukunft als Mönch zieht keiner der drei Studenten in Betracht – vielmehr ist es das Interesse am Leben hinter den Kulissen, das sie hierhergezogen hat. Mathis Heineke reiste dazu extra aus Hamburg an. «Solche Volontariate gibt es in Deutschland nicht.»

Vielfalt des Klosterlebens zeigen

Für ihre Schnitzeljagd brauchten die drei jungen Männer rund eine Stunde, wer weniger Vorwissen hat, ist wohl länger unterwegs. «Verloren gegangen ist uns noch keiner, auch wenn die Aufgabe mit den Koordinaten den einen oder anderen schon an einen völlig falschen Ort geführt hat. Wir wollen es unseren Gästen ja nicht zu leicht machen», sagt Pater Thomas. Das Ziel des Monkstrail sei, den Leuten die Vielfalt des Klosterlebens näherzubringen. Auf spielerische Weise, aber nicht für kleine Kinder. «Idealalter ist ab 14 Jahren. Bisher hatten wir vornehmlich Schulgruppen bei uns. Auch Firmenausflüge machten hier schon Halt.» Fortan soll der Monkstrail zum festen Angebot der Einrichtung gehören. «Wenn er sich etabliert hat, ist es durchaus vorstellbar, weitere Posten einzubauen. Zudem planen wir eine englische Version.»

Hinweis

Mehr Informationen unter: www.monkstrail.ch

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