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EINSIEDELN: Schafft sich Kirche selber ab?

Da hat sich der Churer Bischof Vitus Huonder den richtigen Gastredner ausgesucht: Ein Theologieprofessor warnt vor dem geforderten Kurs der Kirchenöffnung.
Vitus Huonder, Bischof des Bistums Chur. (Bild: Keystone/ Gaetan Bally)

Vitus Huonder, Bischof des Bistums Chur. (Bild: Keystone/ Gaetan Bally)

Jérôme Martinu

Mehr Verständnis und Entgegenkommen der katholischen Kirche bei gescheiterten Ehen, Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion oder ein Platz in der Kirche für Partnerschaften von Schwulen und Lesben inklusive deren Segnung: Die Forderungen der Schweizer Gläubigen an die Adresse des Vatikans sind gross. Diese und weitere Forderungen sind im sogenannten Synodenbericht der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) enthalten, der Anfang Mai veröffentlicht wurde. Rund 6000 Gläubige haben in sogenannten Synodengesprächen ihre Sicht auf Ehe und Familie eingebracht. «Nur eine kleine Minderheit der Rückmeldungen zeigt den Wunsch nach einer strikten Einhaltung der gegenwärtigen Lehre der Kirche mit ihrer strengen Disziplin», schreiben die Schweizer Bischöfe in der betreffenden Mitteilung.

Ein Bericht über die Schweizer Synodengespräche ist von den Bischöfen nach Rom geschickt worden. Er dient der Vorbereitung auf die Familiensynode vom Oktober. Die Ergebnisse bestätigten und verdeutlichten laut Bischofskonferenz «die Antworten einer Ende 2013 in der Schweiz durchgeführten Online-Umfrage, an der sich mehr als 25 000 Personen beteiligt hatten».

Bischöfe noch ohne Positionierung

Wie die Schweizer Bischöfe zu diesen pikanten, da grossmehrheitlich der katholischen Lehre widersprechenden Forderungen stehen, haben diese bis dato nicht öffentlich gemacht.

Der gestrige, jährlich stattfindende Priestertag des Bistums Chur bietet jetzt aber zumindest Indizien, wie Bischof Vitus Huonder gegenüber den Forderungen des Synodenberichts eingestellt ist. Denn als Redner hatte Bischof Huonder den seit 2012 emeritierten Professor für Pastoraltheologie und römisch-katholischen Priester Hubert Windisch ins Kloster Einsiedeln eingeladen. Dieser machte in seinem Referat «In guten und in bösen Tagen Auf dem Weg zur Bischofssynode 2015» deutlich, dass er ein klarer Verfechter der dogmatisch-katholischen, also konservativen Lehre ist.

«Jahrzehntelange Anbiederung»

Windisch wählte deutliche Worte, er schreibt von Spannungen und Spaltungen, die an der Synode in Rom drohten: Da kirchliche Verantwortungsträger nicht selten bei der Seelsorge oft nur noch «Bei-den-Leuten-sein» wollten, «hinter allem und jedem herrennen, um überall mit ihrem Segen dabei zu sein», sei die katholische Kirche vom «Prozess der Selbstabschaffung bedroht». Dies würden etwa die Ergebnisse der vatikanischen Umfrage belegen. Man könne nun die Folgen «einer jahrzehntelangen Anbiederung (der Kirche; d. Red.) an die politischen Vorgaben in Bezug auf Ehe und Familie und die sexualethischen Einstellungen und Praktiken in unserer Gesellschaft» sehen, so Windisch (siehe auch Box).

Vor den in Einsiedeln rund 100 angemeldeten Priestern des Bistums Chur referierte der zuletzt an der Albert-Ludwigs-Universität im deutschen Freiburg lehrende Windisch (65) also über seine Vorstellungen von Ehe, Familie, (Ho­- mo-)Sexualität. Aufgrund der Einladung muss man sich fragen: Ist der emeritierte Theologieprofessor inhaltlich quasi ein «Sprachrohr» seines Gastgebers Vitus Huonder? Bistumssprecher Giuseppe Gracia sagt dazu: «Nein, der Referent spricht für sich selbst. Aber er ist bekannt für seine kritische und ungekünstelte Direktheit, deshalb wurde er in die Schweiz eingeladen.» Was den Bezug zur Auswertung der Synodengespräche betrifft, so hätten gemäss Gracia die Schweizer Bischöfe in letzter Zeit mehrfach betont, «dass sie eins sind im Glauben. Sie stehen also hinter der geltenden Lehre der Kirche zu Ehe und Familie. Die Herausforderung für die Bischöfe wie für die Synode in Rom wird es folglich sein, gute pastorale Wege zu finden, im Einklang mit der kirchlichen Lehre.»

Umstrittener Theologe

Hubert Windisch ist als Theologe nicht unumstritten. So hatte ihn die Fachschaft der Theologischen Fakultät in Freiburg 2010 öffentlich aufgefordert, Äusserungen zu korrigieren. Windisch hatte zu den sexuellen Übergriffen von Priestern auf Kinder und Jugendliche gesagt, die Missbrauchsfälle hätten «fast ausschliesslich einen homosexuellen Hintergrund». Fakultätsvertreter sahen darin eine Diskriminierung von Homosexuellen.

Auch als Bundeskanzlerin Angela Merkel die Aufhebung der Exkommunikation von Holocaust-Leugner Richard Williamson durch den Vatikan 2009 öffentlich kritisiert hatte, meldete sich Windisch gemäss Medienberichten zu Wort: Merkel sei für deutsche Katholiken nicht mehr wählbar, schrieb der Professor im konservativen Internetmagazin Kath.net. Sie habe sich als «Anti-Papst-Kanzlerin» erwiesen, so Windisch.

Das gesamte Referat von Hubert Windisch finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/bonus

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