EINWANDERUNG: Urner profitieren vom Kanton Zug

Über 80'000 Personen sind im vergangenen Jahr in die Schweiz eingewandert. Gemessen an der Wohnbevölkerung verzeichnet Zug in der Zentralschweiz den grössten Zuwachs.

Thomas Heer
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Die Bauverfahren im Kanton dauerten viel zu lange, monieren Kritiker. Im Bild vom August 2013 eine Baustelle in der Stadt Zug. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Die Bauverfahren im Kanton dauerten viel zu lange, monieren Kritiker. Im Bild vom August 2013 eine Baustelle in der Stadt Zug. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Die Schweiz bleibt weiterhin ein sehr beliebtes Einwanderungsland. Aufgrund der Migration stieg die Wohnbevölkerung hierzulande nämlich hochgerechnet allein im abgelaufenen Jahr um mehr als 80'000 Personen an. Von diesem Szenario ist jedenfalls auszugehen. Denn für die Periode von Januar bis November 2013 wies das Bundesamt für Migration letzte Woche einen Zuwachs von 78'500 aus. Das übertrifft die Wohnbevölkerung der Stadt Luzern. Und das ist auch mehr als in den vorvergangenen zwei Jahren, als die Wanderungsbilanz – das sind Zuzüger minus Weggezogene – ein Plus von 73'287 respektive 74'138 aufwies.

Zug drosselt das Tempo

Ein Blick in die Statistik zeigt, dass in den Zentralschweizer Kantonen der Zuwachs der Wohnbevölkerung unterschiedlich stark ausfiel (siehe Grafik). Mit über 1100 Personen, was gemessen an der Wohnbevölkerung einem Nettozuwachs von knapp einem Prozent entspricht, hat der Kanton Zug im Zentralschweizer Ranking nach wie vor die Nase vorne. Gianni Bomio, General­sekretär in der Zuger Volkswirtschaftsdirektion, nimmt dazu folgendermassen Stellung: «Der Kanton Zug hat eine besondere Stellung. Als international ausgerichteter Wirtschafts- und Handelsplatz sind wir eng verknüpft mit der Region Zürich. Deshalb sind wir auch überdurchschnittlich auf Arbeitskräfte angewiesen, die aus dem Ausland zu uns kommen.» Und wenn sich Bomio in Zuger Wirtschaftskreisen umhört, stellt er immer wieder fest: «Längst nicht überall verfügen die Betriebe über die gewünschte Anzahl Fachkräfte. Die Nachfrage ist nach wie vor gross und kann allein mit inländischen Arbeitskräften nicht abgedeckt werden.»

Wirtschaft braucht Arbeitskräfte

Zug, der prosperierende Wirtschaftsstandort, muss sich schon mal selber Schranken auferlegen, damit der Erfolg nicht zum Bumerang wird. Vor zwei Jahren noch gab es im flächenmässig kleinsten Zentralschweizer Kanton einen Zuwachs von knapp 1700 Personen. Bomio sagt dazu: «Gemessen an der Bevölkerung verzeichneten wir noch vor wenigen Jahren einen Anstieg von 1,5 bis 2 Prozent.» Um den Kanton vor einer Überbesiedelung zu bewahren, wurden vom Regierungsrat in seiner Strategie 2010 bis 2018 die entsprechenden politischen Weichen gestellt. Die Einzonung von zusätzlichem Bauland wurde rigoros heruntergefahren. Gianni Bomio sagt dazu: «Diese Massnahme hat sicher dazu beigetragen, dass wir das Wachstum drosseln konnten. Der Anstieg von knapp einem Prozent aus dem abgelaufenen Jahr entspricht der Zielsetzung der Regierung von einem geringeren Wachstum als bisher.» Gemäss dem Generalsekretär hätten aber auch externe Entwicklungen dazu beigetragen, dass sich das Wachstum in Zug verlangsamt habe. Er sagt: «So haben zum Beispiel andere Kantone wie Luzern die Unternehmenssteuern massiv gesenkt. Das hat sicher dazu beigetragen, dass sich der Druck auf den Kanton reduzierte.»

Zeichen von Stärke

Aufgrund der Migrationsentwicklung wuchs der Kanton Luzern 2013 um mehr als 2500 Personen. Das entspricht in etwa der Einwohnerzahl der Gemeinde Geuensee. Der Luzerner Volkswirtschaftsdirektor Robert Küng sagt zur Entwicklung: «Das Wachstum ist auch Ausdruck der wirtschaftlichen Stärke der Region. Das ist positiv und zeigt, dass der Markt zusätzliche Arbeitskräfte braucht.»

Seit Neujahr ist der Urner Regierungsrat Urban Camenzind Präsident der Zentralschweizer Volkswirtschaftsdirektorenkonferenz. Er wertet den Zuwachs als «gutes Zeichen». Denn er zeige ihm, «dass die Wirtschaft in unserem Landesteil am Laufen ist». Spezifisch zum Kanton Uri sagt Camenzind: «Wir stehen mit einer Arbeitslosenquote von 1,2 Prozent gut da. Der tiefe Wert ist auch Hinweis dafür, dass, wenn wir unser Wirtschaftspotenzial ausschöpfen wollen, Arbeitskräfte aus dem Ausland nötig sind.»

Gegen SVP-Initiative

Zur eingangs von Gianni Bomio erwähnten Strategie des Kantons Zug, das dortige Wachstum zu verlangsamen, erklärt Camenzind: «Diese Entwicklung hilft auch dem Kanton Uri. Wir spüren, dass Unternehmen, die sich früher im Kanton Zug angesiedelt hätten, heute bei uns ansässig werden.»

Dem seit Jahren anhaltenden Wachstum der Schweizer Wohnbevölkerung will die SVP mit ihrer Masseneinwanderungsinitiative den Riegel schieben. CVP-Politiker Camenzind hält das Ansinnen jedoch für falsch: «Das führt zu mehr Bürokratie, was ich entschieden ablehne. Solange die Wirtschaft ausländische Arbeitskräfte braucht, braucht es nicht den Staat, der sich in diese Angelegenheit einmischt.»