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EMMETTEN: Waldi-Bahn anstatt Charterflug

Der Luftweg in ihr Ferienparadies ist nur kurz. Seit 50 Jahren fährt Brigitte Baggenstos mit der Waldi-Bahn in die Ferien auf die Alp Rinderbühl.
Brigitte Baggenstos fährt mit der Waldi-Bahn in Emmetten zu ihrem Ferienhaus auf Rinderbühl. (Bild Rosmarie Berlinger)

Brigitte Baggenstos fährt mit der Waldi-Bahn in Emmetten zu ihrem Ferienhaus auf Rinderbühl. (Bild Rosmarie Berlinger)

Rosmarie Berlinger

«Warum auch in die Ferne schweifen, sieh, das Gute liegt so nah.» Das Sprichwort trifft für die ehemalige Stanser Wirtin Brigitte Baggenstos sicher zu. Ihre Freizeit oder Ferien verbringt sie nicht im Tessin oder andern bekannten Tourismusgebieten, und noch viel weniger im Ausland. Erholung, Entspannung und viel Freude an der Natur und der nahen Bergwelt findet sie in ihrem Ferienhaus auf dem Rinderbühl. «Mis Alpeli» steht über dem Eingang zum schmucken braunen Holzchalet zu lesen. Ihr Ferienparadies mit traumhafter Aussicht auf den Vierwaldstättersee steuert die rüstige Stanserin seit nunmehr 50 Jahren mit der Waldi-Bahn an. Nach sechsminütiger Fahrt und einem kurzen Fussmarsch von etwa 50 Metern hat sie ihr Ziel erreicht. «Ob mit viel Gepäck – und das ist meistens der Fall – oder weniger, die Lage ist einfach ideal», meint Brigitte Baggenstos. Und fügt bei: «Schon früher mit den Kindern erwies sich die Lage als bestens, und heute, wo ich nicht mehr so ‹rassig z Fuess bin, erst recht.» Zurzeit ist die Ruhe in ihrem «Alpeli» etwas eingeschränkt, weil Arbeiter mit der Sanierung des Daches beschäftigt sind. Doch als gesellige Person kommt sie auch mit dieser Situation gut zurecht. Sie kocht für die vierköpfige Mannschaft und erlebt dabei interessante Gespräche mit den jungen Leuten.

Von der Holzkiste zur Kabine

Als «Stammgast» der Waldi-Bahn hat Brigitte Baggenstos einen grossen Teil der Geschichte dieses Bähnlis miterlebt. Im Jahr 1923 sei diese als Milchbähnli gebaut und als solches benutzt worden, erzählt sie. Zu dieser Zeit bewirtschaftete Gotthard Selm die Alp auf Rinderbühl. Für den Transport der Milch hatte er eine motorbetriebene, einfache Seilbahn montiert. Allmählich seien mit der Bahn auch Personen transportiert worden, wobei diese eine luftige Fahrt in einer «Villa Durchzug» zu überstehen hatten. Bestand die Bahn doch dazumal nur aus einer Holzkiste. Dies änderte sich 1950 mit der Installation von zwei Zweierkabinen. Mit der Entdeckung des Ski- und Wandergebiets Rinderbühl in den Sechzigerjahren, vor dem Bau von Strasse und Gondelbahn, erlebte die Waldi-Bahn ihre beste Zeit. Damals habe auch die Geschichte mit ihrem Ferienhaus auf Rinderbühl begonnen, erzählt die heutige Besitzerin. In ihrem Restaurant Winkelried in Stans sei ihr Mann Franz Baggenstos zufällig auf einen Gast aufmerksam geworden, der ein Stück Land im Dorf Emmetten zum Verkauf anpries. Der Kauf sei zu Stande gekommen, aber später annulliert worden, weil die besagte Parzelle in der Nähe der Kirche für Schulhauspläne als wichtig betrachtet worden sei. «Als Ersatz bot man uns eine Parzelle auf dem Rinderbühl an, wo dann zwischen 1965 und 1967 unser Ferienhaus erbaut wurde», erzählt Brigitte Baggenstos.

Waldi-Bahn fährt rund um die Uhr

Für die ersten Ferienhäuser, die allmählich dort gebaut wurden, hatte die Waldi-Bahn den Transport des Baumaterials übernommen, und später beförderte sie nach und nach auch die Ferienhausbesitzer und ihre Gäste hinauf. Mit dem Bau der Gondelbahn vom Dorf Emmetten auf Stockhütte habe die Frequenz bei der Waldi-Bahn merklich abgenommen. Doch die Ferienhausbesitzer im Umfeld der Bergstation und auch der Zwischenstation Rotiflue blieben ihrer Bahn treu. Sie erkannten ihre Notwendigkeit, denn während die Gondelbahn ihre fixen Transportzeiten hat, kann die Waldi-Bahn dank dem Jeton- und aktuellem Chip-Kartensystem jederzeit benutzt werden.

Eine Selbstverständlichkeit

In den Jahren 2000 bis 2003 wurde die Waldi-Bahn komplett revidiert und mit der neusten Technik ausgestattet. Ebenso werden in periodischen Abständen die vorgeschriebenen Wartungen vorgenommen. Das kleine Bahnunternehmen ist im Besitz von rund 100 Aktionären, die jährlich unter dem Präsidium von Thomas Tschümperlin ihre Generalversammlung abhalten.

Die Waldi-Bahn ist für Brigitte Baggenstos und ihre Familienangehörigen die selbstverständlichste Erschliessung zu ihrem Ferienhaus. «Es wäre nie in unserem Sinn und Geist, dass Autos vor unserem Ferienhaus stehen würden», erklärt Brigitte Baggenstos überzeugt.

Hinweis

In unserer Sommerserie «Stammgäste» erzählen uns Leute aus nah und fern, weshalb sie seit vielen Jahren in unserer Region Ferien machen. Bereits erschienen: Renate und Wolfgang Bappert aus Düsseldorf (11. 7.), Gerard Dierick und Maria Werner aus Holland (16. 7.), Elvira und Andrej Treutner aus Rüsselsheim (21. 7.). Abonnenten finden die Beiträge unter www.nidwaldnerzeitung.ch/serien

Die erste Bahn auf die Alp Rinderbühl wurde 1923 als Milchbähnli erbaut. (Bild: PD)

Die erste Bahn auf die Alp Rinderbühl wurde 1923 als Milchbähnli erbaut. (Bild: PD)

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