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Enea Züllig: «Die Mischung von Körpereinsatz und Präzision gefällt mir»

Enea Züllig wollte eigentlich Schreiner werden – und ist dann stattdessen «durch reinen Zufall» beim Küferhandwerk gelandet, für welches er den Weg von Zürich nach Küssnacht auf sich nahm.
Antonio Russo
Um das alte Küferhandwerk zu erlernen, pendelte Enea Züllig (24) zwischen Zürich und Küssnacht. (Bild: Eveline Beerkircher, Küssnacht, 26. Juni 2019)

Um das alte Küferhandwerk zu erlernen, pendelte Enea Züllig (24) zwischen Zürich und Küssnacht. (Bild: Eveline Beerkircher, Küssnacht, 26. Juni 2019)

Nicht nur die hochsommerliche Hitze bringt Enea Züllig an diesem Nachmittag ins Schwitzen. Gerade hält er ein langes, schweres Bandeisen fest, während sein Arbeitskollege mit ausholenden Hammerschlägen auf die Nieten haut, die die beiden Enden zu einem Reif verbinden. Der Lärmpegel ist hoch, deshalb tragen alle Mitarbeiter die meiste Zeit über einen Gehörschutz.

Während Enea Züllig für unser Gespräch kurz sein Shirt wechselt, verfolgen wir in der Küferei Suppiger in Küssnacht, wie ein schon älteres grosses Holzfass mit einem Volumen von 5500 Litern wieder flottgemacht wird. Das zuerst gewalzte und dann vernietete Bandeisen wird von zwei Küfern «angetrieben», also von oben über das Fass mit dem Setzhammer in die richtige Position geschlagen.

Präzision und Muskelkraft

Ob Barrique-Fass, grosses Lagerfass oder Badebottich für den Wellness-Bereich: Dicht muss alles sein, sonst hat der Küfer seine Arbeit nicht gut gemacht. Von der Verarbeitung der Rohdauben, den einzelnen Fassteilen aus Eichen-, Kastanien- oder Akazienholz, bis hin zum Antreiben sind Präzision und Muskelkraft gefragt. «Es ist diese Mischung von körperlichem Einsatz und exaktem Handwerk, die mir besonders gefällt», so der 24-Jährige, der bei Suppiger seine dreijährige Berufslehre abgeschlossen hat. Der Küssnachter Betrieb ist zurzeit der einzige in der Schweiz, der Lernende ausbildet. Für Züllig ein Glücksfall, denn die ersten beiden Lehrjahre hatte er in der Küferei Schuler in Schwyz absolviert.

«Mein damaliger Lehrmeister ging unverhofft wieder in seine österreichische Heimat zurück. Dank Roland Suppiger konnte ich auch das dritte Lehrjahr zu Ende bringen.»

Was brachte den jungen Mann, der von seinem Wohnort Zürich jeden Tag mit dem Auto nach Küssnacht gependelt ist, dazu, sich für das seltene Handwerk des Küfers zu entscheiden? «Reiner Zufall», lacht er.

Das Holz betrachten und verstehen «Eigentlich suchte ich nach einer Lehrstelle in einer Schreinerei. Doch dann entdeckte ich eine Anzeige von Schuler. Nach einem Schnuppertag war für mich klar: Das ist es.» In diesem Beruf sei man an der ganzen Produktionskette beteiligt, die mit der Auswahl des geeigneten Baumes für das Daubenholz beginnt. In der Ausbildung habe er nicht nur die Fertigkeiten des Küfers erlernt, sondern auch, das Holz zu betrachten und zu «verstehen», so Züllig. Das Thema Wein spielte bei der Berufswahl ebenso eine Rolle. «Vor der Lehre jobbte ich in Restaurants und habe viel über Weine gelernt. Ausserdem habe ich von meiner Grossmutter einiges mitbekommen. Sie betreibt einen Weinkeller und handelt mit Wein.»

Und die Zukunft? Zülligs erster Lehrbetrieb habe grosses Interesse an ihm. Noch habe er die Zusage von Schuler nicht, es sehe aber gut aus. Wetten, dass der junge Zürcher bald in die Zentralschweiz ziehen wird?

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