ENGELBERG: Hier filmt die höchstgelegene HD-Kamera der Schweiz

Ausflügler können jetzt live und in HD-Qualität sehen, wie das Wetter auf dem Titlis ist. Die Kamera muss dabei viel aushalten.

Alexander von Däniken
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Eine spektakuläre Aussicht, dazu gestochen scharf: Die neue Kamera auf dem Titlis-Sendeturm liefert aktuelle Schneebilder in bisher ungewohnter Qualität. (Bild: PD)

Eine spektakuläre Aussicht, dazu gestochen scharf: Die neue Kamera auf dem Titlis-Sendeturm liefert aktuelle Schneebilder in bisher ungewohnter Qualität. (Bild: PD)

Klein-Titlis, auf über 3000 Meter Höhe: An schönen Tagen herrscht hier Bergidylle pur. An schlechten Tagen fegen Sturmwinde mit 200 Stundenkilometern über Schnee und Fels. Und zieht feuchte Luft vom Gletscher hoch, sinken die Temperaturen unter minus 25 Grad, wachsen am Sendeturm 18 Zentimeter lange Eiszapfen oder entladen sich Blitze in einem Wimpernschlag mit einer Energie, die eine 100-Watt-Glühlampe knapp 10 Tage lang zum Glühen brächte. Kurz: Für Berggänger kann es auf dem Berg unangenehm und gefährlich werden. Aber auch für technische Geräte ist es ein extremer Ort. Und doch liefert seit Ende letzten Jahres eine Kamera in hoher Auflösung Livebilder vom Titlis – über den lokalen TV-Kanal Tele Alpin, verschiedene Bildschirme der Titlis-Bahn-Stationen und im Internet.

Peter Reinle, Marketingleiter der Titlis-Bahnen, erklärt: «Wir hatten schon eine Kamera dort oben. Diese war allerdings alt und entsprach nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik. Jetzt haben wir eine moderne Kamera, die Bilder in HD-Qualität liefert.» HD bedeutet eine sehr hohe Auflösung. Weil die neue Titlis-Kamera nicht nur in HD filmt, sondern die Bilder auch in dieser Auflösung übertragen werden, ist es die derzeit höchstgelegene Kamera dieser Art der Schweiz. Doch wofür dieser Aufwand? «Die Kamera dient den Ausflüglern und den Touristen im Tal zur Information», sagt Reinle. «Die Gäste können live und in guter Qualität im Fernsehen und im Internet sehen, wie die aktuellen Verhältnisse auf dem Titlis sind.»

Kamera wird beheizt

Für diesen Service muss die Kamera aber viel aushalten. Schliesslich muss sie – im Gegensatz zu den Bergtouristen – 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche auf dem Titlis ausharren. Medienunternehmer Peter Soland aus Adligenswil hat im Auftrag der Titlis-Bahnen die Kamera installiert und erklärt, wie das Gerät den extremen Bedingungen trotzt: «Die Kamera ist in einem robusten Gehäuse, das über eine Innen- und Aussenheizung verfügt. Ausserdem ist jedes Teil von höchster Qualität und einzeln angefertigt.» So ausgerüstet dürfte die Kamera rund zehn Jahre halten.

Allein die Kamera mit dem Gehäuse hat laut Peter Reinle rund 18 000 Franken gekostet. Dazu kommen Informatiker für die Bedienung der Kamera und vier «Gipfelwarte», die abwechslungsweise vor Ort das Gerät warten.

Das Gehäuse ist mit einem Schwenkarm verbunden. Gesteuert werden Kamera und Schwenkarm von der Talstation der Titlis-Bahnen in Engelberg. Ebenfalls in der Steuerstation werden aktuelle Wetterdaten von der Titlis-Spitze wie Temperatur oder Luftdruck in Echtzeit verarbeitet und im Kamerabild eingeblendet. Peter Soland hat hierfür eine eigene Software entwickelt.

Bewegte Bergbilder im Trend

Livebilder von Bergstationen sind laut Reinle und Soland sehr gefragt. «Webcams werden auf Bergbahn-Websites nebst den Öffnungszeiten am meisten angeklickt», sagt Reinle. Und Peter Soland weiss von mehreren Bewohnern in Bergregionen, dass in deren Stuben der Fernseher mit aktuellen Bergbildern läuft, während von der Stereoanlage Musik erklingt. Tatsächlich setzen auch immer mehr Bergbahnen auf die bewegten Bilder.

Vor 20 Jahren installierte Peter Soland auf dem Stanserhorn die erste Pano­rama­kamera der Zentralschweiz. Seither haben er und weitere Anbieter auf fast jedem bekannten Berg eine Kamera installiert. Die grösste Herausforderung sei dabei nicht das Installieren der Kamera, sondern das Sicherstellen der Übertragung, sagt Soland. Die Installation auf dem Titlis habe nach ein paar Wochen des Testens nur einen Tag gedauert. «Aber das Kamerasignal störungsfrei von 3000 Meter Höhe ins Tal zu bringen, ist knifflig.»

HINWEIS

Bilder der HD-Kamera finden Sie unter www.titlis.ch