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ENKELTRICK: Trickbetrüger suchen bewusst nach alten Vornamen

Die Zuger Polizei hat am Donnerstag zwei Rumänen geschnappt, die von einem Rentner 35.000 Franken ergaunern wollten. Doch viele Senioren sind inzwischen wachsam.
Wolfgang Holz
Enkeltrickbetrüger versuchen oft, per Telefon Informationen über die Finanzlage ihrer Opfer zu erfahren. Bild: Getty/Symbolbild

Enkeltrickbetrüger versuchen oft, per Telefon Informationen über die Finanzlage ihrer Opfer zu erfahren. Bild: Getty/Symbolbild

Als das Telefon klingelt, wird der 92-jährige Rentner von einer männlichen Stimme in perfektem Hochdeutsch begrüsst. «Hallo Karl, wie geht es? Rate mal, wer am Telefon ist!» Der irritierte Pensionär aus einem Zuger Nachbarkanton antwortet, es gehe ihm gut, und fragt nach, wer überhaupt am Telefon sei. «Das musst du doch wissen, du kennst mich doch», beharrt der Unbekannte.

Nach einigem Überlegen fällt dem Senior ein ausländischer Bekannter ein, der Hochdeutsch spricht. «Bist du etwa Kevin?» «Ja, natürlich», so der Unbekannte siegesgewiss. Doch als er den älteren Mann dann zu sehr bedrängt, doch 14 000 Franken für den Kauf einer Eigentumswohnung vorzuschiessen und das Geld einem Boten zu übergeben, wird der 92-Jährige misstrauischer («Kevin hat doch eine andere Stimme») und sagt irgendwann Nein. Der Unbekannte, der mit unterdrückter Nummer angerufen hat, legt sofort auf. Dieser Rentner war wachsam und wurde nicht durch die fiese Masche eines Enkeltrickbetrügers übers Ohr gehauen.

In Zug konnte die Polizei vor kurzem ein rumänisches Betrügerpaar verhaften, das einen Pensionär um 35 000 Franken bringen wollte. Doch woher wissen eigentlich die nicht selten aus dem Ausland stammenden Betrüger, ob jemand ein Senior ist – und ob dieser Geld hat?

«Trickbetrüger gehen extrem geschickt vor»

Wie Frank Kleiner, Mediensprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden, erklärt, gehen die Enkeltrickbetrüger «extrem geschickt vor». In Form von fingierten Gesprächen etwa, in denen sie sich durch gewisse Fragen das Vertrauen der Opfer erschleichen und dabei auch Detaillierteres über deren finanziellen Verhältnisse erfahren. Wie aus der Praxis von Trickbetrüger-Banden mittlerweile bekannt ist, gehen diese oft arbeitsteilig vor. Es gibt den Anrufer, «Keiler» genannt, der das Telefonbuch nach Opfern durchsucht. Dann ist da der Logistiker, der die Übergabe des Geldes managt, und der Abholer, der sich die Beute aushändigen lässt.

Roland Pfister, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau, kann diese Vorgehensweisen bestätigen. «Gerade Vornamen im Telefonbuch, die nach älteren Personen tönen, wie beispielsweise Hedwig, stehen für Enkeltrickbetrüger im Vordergrund.» Das sei der erste Schritt. Danach würden sich die Betrüger im Gespräch vortasten, bis sie merkten, wie viel Geld vorhanden sei. Wobei er nicht verhehlt, dass es Senioren gebe, die aus Misstrauen gegenüber Banken mehrere 10 000 Franken zu Hause aufbewahren. «Unseren Erkenntnissen nach spionieren die Täter vorher nicht Wohnquartiere aus, um herauszufinden, ob jemand reich ist.» Die Gefahr, dabei aufzufliegen, sei viel zu gross. Die Aargauer Kantonspolizei warnt übrigens über eine Gratis-App die Bewohner vor Enkeltrickbetrügern.

Simon Kopp, Informationsbeauftragter der Luzerner Staatsanwaltschaft, geht davon aus, dass sich Enkeltrickbetrüger nach dem Motto «Versuch und Irrtum» am Telefon über angebliche Verwandte vorarbeiten, bis die «Misstrauensgrenze geknackt» ist. Dann würden ältere Menschen, die oft geduldig und freundlich am Telefon seien, auch über Geld sprechen. «Wir erhalten aber auch Rückmeldungen von älteren Personen, die in solche Gespräche verwickelt wurden und die dann einfach sagten, sie hätten gar kein Geld.» Flugs war das Telefonat beendet.

«Jeder zehnte Versuch im Schnitt erfolgreich»

Dass diese gemeine Betrugsmasche aber immer wieder funktioniert, versichert Marc Besson, Mediensprecher der Zürcher Kantonspolizei. «Jeder zehnte Versuch ist aus unserer Erfahrung im Schnitt erfolgreich», sagt er. Nicht zuletzt, weil eben die Trickbetrüger so überzeugend, hartnäckig und kaltblütig vorgehen.

Wolfgang Holz

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