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ENNETMOOS: Liebe auf den ersten Blick im Ebnet

Gerard Dierick und Maria Werner aus Holland sind passionierte Radfahrer. Seit fünf Jahren ist das Bauerngut Ebnet ihr Ferienziel.
Romano Cuonz
Gerard Dierick und Maria Werner planen täglich grosse Velotouren in die Schweizer Berge. (Bild Romano Cuonz)

Gerard Dierick und Maria Werner planen täglich grosse Velotouren in die Schweizer Berge. (Bild Romano Cuonz)

Romano Cuonz

«Eigentlich hat der Bauernhof Ebnet nicht so viel von einem Campingplatz – glücklicherweise nicht –, darum kann man sich hier sehr wohl fühlen und erfahren, was im Leben wichtig und was überflüssig ist», schreibt Gerard Dierick (74) ins Ebnet-Gästebuch. Der pensionierte Leiter eines Zentrums für Geschichte, Philosophie und Theologie an der Universität Nimwegen (NL) kommt mit seiner 59-jährigen Frau Maria Werner (Ärztin für Betagte) seit fünf Jahren an den Fuss des Nidwaldner Mueterschwandenbergs. Die Adresse des «Bauernhof-Campingplatzes» haben die beiden passionierten Anhänger des Holländer Volkssports Radfahren im Internet gefunden. Darauf buchten sie 2011 telefonisch erstmals einen Platz für eine Nacht als Zwischenhalt auf ihrer Fahrt nach Norditalien.

«Fühlten uns gleich willkommen»

Maria Werner erinnert sich: «Als wir ankamen, erklang aus dem Bauernhaus Akkordeonmusik der beiden Bauernbuben, da fühlten wir uns gleich herzlich willkommen.» Mit Italien war dann nichts. Die beiden Gäste verlängerten. Und sie verlängerten auch noch über die Jahre weiter. «Wir kennen nun die ganze Familie Bonfadelli sehr gut und fühlen uns im Ebnet wie zu Hause», schwärmt Maria Werner.

Auf diesem kleinen Campingplatz sei alles ganz einfach: Die Milch komme von der Kuh, die Freundlichkeit sei echt, dazu könne man von diesem zentralen Punkt aus die ganze Schweiz besuchen. «Selbst der Abschied am Ende der Ferien wird hier jeweils traurig und nicht nur eine Formalität», schreibt Gerard Dierick ins Gästebuch.

«Wir halten den Kontakt auch übers Jahr aufrecht, weil die Gäste uns liebe Freunde geworden sind», sagt die Bäuerin Heidrun Bonfadelli-Plaz. Und Bauer Thomas Bonfadelli fügt hinzu: «Holländische Gäste sind robust, wenig wetterabhängig und naturverbunden, wie uns das Leben in den Bergen prägt, prägt sie der Kampf gegen das Meer.» Weil das Paar aus den Niederlanden selber keine Kinder hat, freut es sich jedes Jahr auch auf die Bauernkinder, die sie ein wenig heranwachsen sahen. Marcel (18) ein angehender Landwirt, Mirjam (16), der Sechstklässler Remo und der Kindergärtler Timo freuen sich auch Jahr für Jahr auf den Besuch aus Holland.

Harter Franken ist kein Thema

Eine Gemeinsamkeit ist die Liebe zur Musik. «Dieses Jahr haben sich Gerard und Maria – man ist praktisch seit der ersten Stunde auf Du und Du – eines Abends bei unsern ‹Handörgelern› revanchiert», freuen sich die Grosseltern Josef und Rita Bonfadelli. «Maria mit der Querflöte und Gerard mit der Oboe haben uns zu einer kleinen Nachtmusik mit klassischen Stücken eingeladen. Gerard Dierick freut sich über den Applaus der Bauersleute.

«Wir campieren in einem kleinen Zweierzelt, wichtig sind für uns die Rennfahrräder», meint Gerard Dierick, während er mit seiner Frau die Landkarte studiert. Wo solls denn heute hingehen? «Auf Melchsee-Frutt», meint die Blumen- und Gemüsegärtnerin Maria Werner. «Erst wenn wir Soldanellen und die grossen und kleinen Enziane gesehen haben, können wir wieder nach Holland zurückkehren, die vermissen wir nämlich bei uns.» Und der harte Franken, macht er ihnen denn gar nichts aus? «Das ist kein Thema, in der Schweiz haben wir so viel Gastfreundschaft erfahren, dass wir gar nicht daran denken», sagt Gerard Dierick.

Gewitter und Gespräche

Und dann erzählen die beiden Erlebnis um Erlebnis. Am Lungerersee hat sie ein fürchterliches Gewitter überrascht, sogar der Veloweg war verschüttet. Doch eine Frau lud die nassen Radler ein, sich in ihrem Haus zu trocknen. «Und als wir auf den Hof Ebnet zurückkamen, hatte Grossmutter Rita schon einen Tisch mit Tischtuch vorbereitet, sodass wir uns gleich hinsetzen konnten», erzählt Maria Werner. So etwas vergesse man nie. So wenig wie die interessanten Gespräche mit einem Imker in Siebeneich oder mit einem Rosenzüchter an der Wegbiegung in Kägiswil.

Wie nur halten die zwar fitten, aber nicht mehr ganz jungen Gäste bei der momentanen Hitze Velotouren übers Ächerli, Richtung Brünig oder Engelberg nur aus? Maria Werner verrät es: «Wenn wir beispielsweise übers Ächerli fahren, essen und trinken wir bei jeder Kapelle etwas.» Und wenn es dann einmal wirklich nicht mehr gehe, steige man einfach ab. Gerard Dierick schmunzelt: «Dann sagen wir zueinander, dass wir nicht absteigen, weil wir müde sind, sondern weil wir Beeren pflücken wollen!»

Den Ferienpuls genommen

cuo. Maria Werner und Gerard Dierick aus Nimwegen (NL) kennen Nid- und Obwalden wie ihre Westentasche. Doch welches sind ihre Vorlieben und Vorbehalte? Wir wollten es wissen:

  • Lieblingsort in der Schweiz: Bauernhof Ebnet, unser Campingplatz. Andere beliebte Feriendestinationen: früher Davos oder Südfrankreich mit dem Mont Ventoux.
  • Lieblingsessen: Räuberbrot aus der Bäckerei Röthlin in Kerns.
  • Lieblingsgetränk: Milch, frisch von Ebnet-Kühen.
  • Lieblingstiere: Steinböcke am Niederbauen. Die sind so majestätisch.
  • Was ist besonders interessant: Dass hier auf dem Bauernhof drei Generationen unter einem Dach friedlich zusammenleben.
  • Was stört: Manchmal der Fluglärm, vor allem Transporthelikopter.
  • Verbesserungspotenzial: Auf den Radwegen gibt es da und dort Rinnen und Schwellen. Das sind wir uns nicht gewohnt.

HINWEIS

In unserer Sommerserie Stammgäste erzählen uns Leute aus nah und fern, weshalb sie seit vielen Jahren in unserer Region Ferien machen. Bereits erschienen: Renate und Wolfgang Bappert aus Düsseldorf (11. 7.). Abonnenten finden die Bei­- träge auch unter www.obwaldnerzeitung.ch/serien

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