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Interview

«Magic»: Ein Krienser macht sich sein eigenes Kartenglück

Der 26-jährige Krienser Kevin Wülser ist einer der besten «Magic»-Spieler der Schweiz. Bald verteidigt er in Bern seinen Titel.
Simon Mathis
Der 26-jährige Kevin Wülser im «GamePlace» in Luzern. (Bild: Jakob Ineichen, 9. Oktober 2019)

Der 26-jährige Kevin Wülser im «GamePlace» in Luzern. (Bild: Jakob Ineichen, 9. Oktober 2019)

Junge Männer sitzen an einem langen Tisch, würfeln, mischen Karten, fachsimpeln. «Tappen», «Mana», «Summoning Sickness». Wer ihnen zuhört, versteht zunächst nur Bahnhof. Sie sind vertieft in das Sammelkartenspiel «Magic: The Gathering». In der Öffentlichkeit ist das Spiel kaum bekannt, es verfügt aber über eine riesige Fangemeinde. Laut Hersteller wurden bisher über 20 Milliarden Einzelkarten gedruckt, und es gibt über 35 Millionen Spielerinnen und Spieler weltweit.

In Amerika lässt sich mit «Magic» Geld verdienen. In offiziellen Turnieren lockt dort schon mal ein Preispool von 750'000 US-Dollar. Die Schweizer Szene ist überschaubarer. Letztes Jahr fand in Bern die erste nationale Meisterschaft statt. In einer der vier Hauptdisziplinen ging der Krienser Kevin Wülser als Sieger hervor. Am nächsten Wochenende will er seinen Titel verteidigen. Wir haben den 26-Jährigen Studenten der Pädagogischen Hochschule im Stadtluzerner Spielegeschäft GamePlace getroffen.

Weshalb spielen Sie lieber «Magic», als einen Jass zu klopfen?

Kevin Wülser: Weil es bei «Magic» um mehr als nur um das Spiel selbst geht. Hinter den Karten steckt eine Geschichte. Jede von ihnen ist aufwendig illustriert und repräsentiert etwas in einem erdachten Universum. Wer wie ich gerne Fantasy-Bücher liest, ist mit «Magic» besser bedient.

Wie würden Sie einem Neuling das Spiel erklären?

«Magic» ist ein Kartenspiel, das meist eins gegen eins gespielt wird. Jeder nimmt die Rolle eines Zauberers ein. Ziel ist es, die Lebenspunkte seines Gegners von 20 auf 0 zu reduzieren, indem man Kreaturen beschwört und Zauber spricht – repräsentiert durch Karten, von denen es wahnsinnig viele gibt.

Wie viele Karten besitzen Sie?

Ich würde sagen, weit über 20'000. So genau zähle ich sie nicht. Die seltenen Karten bewahre ich in Ordnern auf, die gewöhnlichen landen lose sortiert in Kartonkisten.

Welches ist die wertvollste Karte in Ihrem Besitz?

«Unterirdischer See». Sie kostet etwa 900 Euro.

Oha. Ist «Magic» nicht ein zu teures Hobby?

Das finde ich nicht. Jedes Hobby kostet Geld, wenn man es ernsthaft betreibt. Wer ein eigenes Pferd hat und es regelmässig reitet, muss sehr viel investieren. Nur einmal Reiten kostet vergleichsweise wenig. So ist es auch mit «Magic»: Wer professionell spielt, zahlt viel. Wer nur hin und wieder zum Spass spielt, kommt günstig weg.

Sie sind der beste Schweizer Spieler im Format «Modern». Was heisst das?

Modern ist eines der vier Hauptformate in professionellen «Magic»-Turnieren. Im Vergleich zu «Standard», wo nur die neuesten Karten der letzten zwei Jahre erlaubt sind, hat Modern einen viel grösseren Kartenpool. Ich würde mich übrigens nicht als bester Schweizer Spieler bezeichnen. Denn zu einem Sieg gehört immer auch Glück.

Ist «Magic» nicht sogar ein reines Glücksspiel?

Nein. Denn ich stelle mein Kartendeck selbst zusammen. In welcher Reihenfolge ich die Karten ziehe, ist zwar Zufall. Aber wenn ich mein Deck so konstruiere, dass ich nur gute Karten ziehen kann, ist der Glücksfaktor nicht mehr entscheidend.

«Magic ist 70 Prozent Können und 30 Prozent Glück.»

Seit wann spielen Sie?

Seit ich sechs Jahre alt bin. Zwei ältere Nachbarkinder, mit denen ich Unihockey spielte, haben es mir gezeigt. Ich habe es dann auf dem Pausenplatz meiner Schule weiterverbreitet. Aber erst, seit ich zwanzig bin, spiele ich professionell.

Was hat Sie dazu bewogen?

Mich reizt der intellektuelle Wettkampf. Ich messe mich gern mit anderen.

Nächstes Wochenende verteidigen Sie ihren Titel als «Modern Master». Wie bereiten Sie sich darauf vor?

Ich reise mit Freunden ins niederländische Utrecht, um an einem Turnier mit etwa 2500 Spielern teilzunehmen. Dort testen wir unsere Strategie und nehmen Feinanpassungen vor. Schon vier Karten in einem Deck von 60 können den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmachen.

Wie gross ist das Teilnehmerfeld in der Schweiz?

Dieses Jahr erwarten die Veranstalter in Bern pro Format etwa 150 Teilnehmer. Also insgesamt 600 Personen.

Wie gut sind Zentralschweizer Spieler im nationalen Vergleich?

Die Zentralschweiz ist sehr stark. Auf dem Ranking eines europäischen Turnierveranstalters finden sich in der Top 8 drei Spieler aus dem Kanton Luzern.

Kann man nur als «Magic»-Spieler über die Runden kommen?

In der Schweiz ist das unmöglich. In Amerika gibt es etwa 24 Personen, die nur vom «Magic»-Spielen leben können. Andere holen sich einen zusätzlichen Zustupf in weiteren Bereichen, etwa als Autoren für «Magic»-Websites.

Würden Sie sich selbst als Nerd bezeichnen?

Ich sehe mich weder als Nerd, noch als Kellerkind (lacht). «Magic» ist wesentlich sozialer, als viele glauben. Es lebt davon, dass man jemandem gegenüber sitzt. Ich war schon in vielen Auslandaufenthalten, so in Frankreich, England, Amerika. Durch das Spiel habe ich bei der lokalen Bevölkerung bald Anschluss und Gesprächsthemen gefunden.

Und nun die wichtigste Frage: Können Sie auch Jassen?

Ich kenne zumindest die Regeln (lacht). Und wenn ich mit dem Jassen beginne, würde es mich wohl gleich zu Turnieren hinziehen. Das ist der Wettkampfgeist in mir.

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