Er pflegt das schöne Fotosujet

Er ist der wohl meistfotografierte Garten in Obwalden. Seit fünf Jahren pflegt ihn Sigrist Ivan Schälin. Das Erstaunlichste: Für den Kaplaneigarten gibt es kein Budget.

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Sigrist Ivan Schälin hat im Kaplaneigarten alle Hände voll zu tun. Für ihn ist klar: «Die Optik muss stimmen.» (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Sigrist Ivan Schälin hat im Kaplaneigarten alle Hände voll zu tun. Für ihn ist klar: «Die Optik muss stimmen.» (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

«Eigentlich ist der Garten ja jetzt schon eher verwelkt», zweifelt Ivan Schälin, ob er sich auf eine Berichterstattung für die Gartenserie einlassen soll. Dabei blüht der Kaplaneigarten im sonnigen Gelb der Rudbeckia, im kräftigen Lila der Herbstastern und in den zarten Violetttönen der Cosmea. Vor der Kaplanei reckt noch hie und da eine Rose ihre Blüte in den wolkigen Herbsthimmel. Am Eingang steht ein Korb mit frisch gepflückten Birnen - es ist Erntezeit im Herrenmattli.

Ein junger kleiner Apfelbaum (Bild: Corinne Glanzmann)

Ein junger kleiner Apfelbaum (Bild: Corinne Glanzmann)

«Hier im Garten wachsen die eher ortstypischen Blumen. Das sind zurzeit Herbstanemonen, Dahlien, Margeriten, Rosen, zwischendurch immer wieder Ringelblumen», zählt Schälin auf. Der Garten habe passend zum Heimatstil Bauerngarten-Charakter. «Es gilt, ihn zu bewahren und zu pflegen», ist sich der 33-Jährige bewusst. Auf Anschaffungen muss er dabei verzichten: «Es wird mit dem gearbeitet, was da ist, für den Garten gibt es kein Budget.»

Der Sigrist zieht selbst Setzlinge

So gewinnt Ivan Schälin Samen von verblühten Pflanzen und zieht selbst Setzlinge. «Manchmal bekomme ich auch etwas aus einem Verwandtschaftsgarten, wenn dort etwas raus muss.» Hortensien vom Hochzeitsschmuck werden nicht fortgeworfen, sondern eingepflanzt.

Das Kapitel Hochzeiten im Flüeli ist ein eigenes. Allein 24 Hochzeiten gibt es dieses Jahr in der Borromäus-Kapelle. Die Brautpaare nutzen den gepflegten Garten gern als Bildhintergrund. «Manche stellen sich gar ins Beet», erzählt Schälin. Dann ist die makellose Schleppe hinterher nicht mehr so weiss.» Auch dass er aus dem Garten komplimentiert werde, sei ihm schon untergekommen - damit er nicht auf dem Bild sei. Und auch das gibt es: Flüeli-Gäste, die sich an den Blumen im Kaplaneigarten bedienen. «Sie dachten, die seien zum selber Schneiden», erzählt der Sigrist. «Die meisten fragen aber. Und wenn jemand fragt, bekommt er sicher immer etwas.»

Gutes Wachstum am Sonnenhang

Erfahrungsaustausch mit Gärtnern erlebt Ivan Schälin ebenfalls häufig: «Immer wieder fragen mich Touristen, häufig Pilger aus dem süddeutschen Raum oder aus Österreich, was auf dieser Höhe wächst. Manchmal wundern sich Leute, dass Pflanzen gleich weit gediehen sind wie weiter unten im Tal.» Das liege an der geschützten Lage, antwortet der gebürtige Flüeler dann. «Wir haben hier einen Sonnenhang, das kommt dem Wachstum der Pflanzen natürlich zugute. Der Fels speichert die Wärme ab, und wir haben keinen Biswind.»

Schälins Betätigungsfeld reicht weit über den Garten hinaus: Der Flüe, auf dem die Kaplanei steht, gehört noch dazu und muss ebenfalls gepflegt werden. «Sonst hätten wir dort längst schon Wald», schmunzelt er. Die Stunden, in denen er sich im Garten tummelt, hat der Sigrist längst aufgehört zu zählen. Entspannen, so sagt er, kann er selbst im Kaplaneigarten nicht: «Man sieht doch immer nur die Arbeit, so ein Garten ist ja nie fertig.» Und, so findet er: «Die Optik muss stimmen.»

Marion Wannemacher

Früher lieferte er auch Nahrung

Kaplaneigarten mw. Ganz früher war der Kaplaneigarten terrassiert und mit Naturbruchsteinen gefasst. Wege unterteilten ihn. Bis 1992 diente er auch der Selbstversorgung von Kaplan, Köchin und noch früher der Schulschwestern. Der Kaplaneigarten war also Nutz- und Blumengarten. Heute teilt den Garten links von der Kaplanei ein Weg, der Teil zum Schulhaus hin ging vom Besitz der Menzinger Schwestern über in Gemeindegrund. Sigrist Ivan Schälin pflegt ihn mit. Vor fünf Jahren übernahm er den Kaplaneigarten aus der Hand von Agnes Rohrer. Übrigens: Eine Pflanze ist genauso alt wie die Kaplanei: der Rebstock an der vorderen Hausfassade.