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Schlechte Aussichten für Allergiker:
Es droht die Rückkehr der Ambrosia

Die gesetzliche Grundlage für die Bekämpfung der hochallergenen Pflanze Ambrosia steht auf der Kippe. Experten kritisieren den Bund dafür scharf. In der Zentralschweiz bereitet derweil eine weitere invasive Pflanze grössere Probleme.
Ismail Osman
Ambrosiapollen lösen bei Allergikern oft Asthma aus. (Bild: Getty)

Ambrosiapollen lösen bei Allergikern oft Asthma aus. (Bild: Getty)

Dieser Name täuscht: Ambrosia. Was in der griechischen Mythologie anmutig als «Speise der Götter» bezeichnet wurde, ist in der nüchternen Gegenwart des Pflanzenschutzes ein «invasiver Neophyt» der schlimmsten Sorte. Einer, den es unter allen Umständen zu tilgen gilt.

Zumindest ist dies heute noch der Fall. Ambrosia – auch unter dem bedeutend weniger glamourösen Namen «Aufrechtes Traubenkraut» bekannt – gilt als besonders gefährliches Unkraut (siehe Kasten) und ist als solches in der eidgenössischen Pflanzenschutzverordnung (PSV) aufgeführt. Es gilt deshalb eine Melde- und Bekämpfungspflicht.

Der Bund gedenkt jedoch, die PSV auf das Jahr 2020 hin durch eine neue Pflanzengesundheitsverordnung zu ersetzen. Der Entscheid fusst auf der Tatsache, dass innerhalb der Europäischen Union bereits Ende 2016 eine neue Pflanzengesundheitsverordnung in Kraft getreten ist. Aufgrund des bilateralen Agrarabkommens zwischen der Schweiz und der EU muss die Eidgenossenschaft nun nachziehen.

Das Problem: Die Melde- und Bekämpfungspflicht von Ambrosia wäre in der neuen Verordnung nicht mehr gegeben. Ohne diese rechtliche Grundlage könnten Jahre der erfolgreichen Eindämmung innert Kürze zunichtegemacht werden.

Es drohen Folgekosten von 325 Millionen Franken

«An dieser Rechtsgrundlage zu rütteln, wäre ein grosser Fehler», sagt Heinrich Hebeisen vom Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung (BBZN) in Hohenrain. «Für die Effizienz, mit der Ambrosia seit 2006 bekämpft wurde, wird die Schweiz im benachbarten Ausland beneidet.»

Im Geiste von «wehret den Anfängen» sei die Öffentlichkeit damals medial wirkungsvoll auf die Problematik der Pflanze sensibilisiert worden. Sowohl sprich- wie auch wortwörtlich wurde das Übel an der Wurzel gepackt und ausgerissen. «Mit dem Resultat, dass die Bekämpfungskosten heute kaum ein paar hundert Franken übersteigen», sagt Hebeisen und verweist auf eine Schätzung der Forschungsanstalt Agroscope. Diese geht davon aus, dass sich bei einer Ausbreitung der Pflanze die jährlichen Gesundheitskosten (Behandlung und Medikamente von Allergien) auf rund 325 Millionen Franken belaufen würden.

Wenn die Rechtsgrundlage fehlt, zahlt der Bund nicht

Im Rahmen einer Vernehmlassung haben sich die Kantone zur vorgesehenen Verordnung äussern können. Mehrere Kantone wiesen denn auch auf die Ambrosia-Problematik hin. Der Kanton Luzern stellt diesbezüglich den Antrag, dass ein zusätzliches Kapitel zu den «Schadorganismen», die nicht in der neuen Pflanzengesundheitsverordnung geregelt sind, einzuführen sei.

Doch inwiefern würde eine Nichtregelung die Bekämpfung der Ausbreitung von Ambrosia erschweren? «Es ist sowohl eine rechtliche wie auch eine Kostenfrage», erklärt Pflanzenschutzberater Heinrich Hebeisen. «Ohne rechtliche Grundlage kann ein Privatgrundbesitzer nur schwer verpflichtet werden, solche Gewächse auszureissen und zu entsorgen.» Dazu komme, dass heute der Bund 50 Prozent der Kosten zur Bekämpfung und Entsorgung übernimmt. «Ist dies nicht mehr gegeben und die lokalen Kassen leer, wird eine Umsetzung nur schwer realisierbar.»

Laut dem Experten müsste die Bekämpfungspflicht eigentlich längst auch auf das Erdmandelgras ausgedehnt worden sein. «Das hätte idealerweise schon vor etwa drei Jahren passieren sollen», so Hebeisen. Das nur sehr schwer bekämpfbare Unkraut bereitet gerade im Acker- und Gemüsebau grosse Probleme. Das Unkraut verbreitet sich durch Wurzelknöllchen. Pro Pflanze können in einem Jahr mehrere hundert Knöllchen entstehen, diese sind fünf bis sechs Jahre keimfähig. «Es ist noch nicht zu spät, um Herr der Lage zu werden – aber es bräuchte eben auch hier eine rechtliche Grundlage.» Gemäss Hebeisen hat der Bund die Schaffung der notwendigen Grundlagen zur Erhebung der aktuellen Verbreitung und für Bekämpfungsmassnahmen an die Kantone delegiert.

Was die Ambrosia angeht, so scheint der Bund zwar weiter an seinen Plänen festhalten zu wollen. In einem kürzlich erschienenen Artikel der «Bauern-Zeitung» macht Gabriele Schachermayr, Vizedirektorin des Bundesamtes für Landwirtschaft, jedoch die Aussage, dass die heute geltenden Bestimmungen bezüglich dem Umgang mit Ambrosia aber zumindest vorübergehend bis Ende 2021 weiter gelten.

Pollen setzen Allergikern besonders schwer zu

«Ambrosia artemisiifolia» stammt aus Nordamerika und ist eine Pflanze mit hochallergenen Pollen. Schon elf Ambrosiapollen pro Kubikmeter Luft können bei Allergikern zu schweren Symptomen führen. Jede Pflanze produziert mehrere Millionen Pollen und zwischen 3000 und 6000 Samen, die 40 Jahre keimfähig bleiben. Allergische Reaktionen treten bei den Betroffenen während der Blütezeit von Mitte Juli bis Anfang Oktober auf. Die Ausbreitung erfolgt oft via eingeführtem Vogelfutter, das Ambrosiasamen enthält.

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