Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

EXPERTE: «Hier spürte ich Zorn und Betroffenheit»

Werner Riedweg, Dozent an der Hochschule für Soziale Arbeit Luzern, gehört dem Beirat der LZ-Weihnachtsaktion an. Er berichtet uns von typischen Fällen. Und davon, was ihn persönlich motiviert.
Die Beiräte; hintere Reihe v.l.: Anna Christen (Region Willisau), Ueli Kaltenrieder (LZ Medien), Elisabeth Portmann (Geschäftsleiterin), Hans Bucher (Sursee), Margrit Thalmann (Entlebuch). Mittlere Reihe v.l.: Hans Lustenberger (Luzern Land), Esther Ettlin (Obwalden), Urs W. Studer (Präsident), Ruth Garcia (Nidwalden), Markus Tresch (Uri), Renate Falk (Zug). Vordere Reihe kniend v.l.: Werner Riedweg (Luzern Stadt), Daniel Rüttimann (Hochdorf), Peter Dietschi (Luzern Stadt und Emmen). (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)

Die Beiräte; hintere Reihe v.l.: Anna Christen (Region Willisau), Ueli Kaltenrieder (LZ Medien), Elisabeth Portmann (Geschäftsleiterin), Hans Bucher (Sursee), Margrit Thalmann (Entlebuch). Mittlere Reihe v.l.: Hans Lustenberger (Luzern Land), Esther Ettlin (Obwalden), Urs W. Studer (Präsident), Ruth Garcia (Nidwalden), Markus Tresch (Uri), Renate Falk (Zug). Vordere Reihe kniend v.l.: Werner Riedweg (Luzern Stadt), Daniel Rüttimann (Hochdorf), Peter Dietschi (Luzern Stadt und Emmen). (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)

Interview Arno Renggli

Werner Riedweg, seit acht Jahren wirken Sie im Beirat der LZ-Weihnachtsaktion mit und befinden über Hilfsgesuche. Wie gehen Sie dabei vor?

Werner Riedweg: Wir Beirätinnen und Beiräte prüfen ja jedes Gesuch einzeln, wobei wir jeweils für bestimmte geografische oder fachliche Gebiete zuständig sind. Da wir ehrenamtlich arbeiten, mache ich das meistens sonntags. Bis zu einem Beitrag von 2000 Franken kann ich autonom entscheiden, bei grösseren Beiträgen muss ich das Gesuch mit dem gesamten Beirat besprechen. Wobei ich das auch bei kleinen Beiträgen tun kann, wenn ich mir nicht sicher bin. Oft treffe ich aber in solchen Fällen nochmals Abklärungen bei der Institution, welche das Hilfsgesuch eingereicht hat.

Immer wieder hören wir die Frage, weshalb es bei einem Sozialwesen wie dem unseren überhaupt so etwas wie die LZ-Weihnachtsaktion braucht.

Riedweg: Man kann es vielleicht so auf den Punkt bringen: Unser Sozialsystem, das ich selber insgesamt als durchaus positiv beurteile, muss zwangsläufig nach sehr normierten Kriterien vorgehen. Das erzeugt immer wieder Härtefälle. Hier kann die LZ-Weihnachtsaktion individueller und flexibler entscheiden. Gleichzeitig kann unsere Hilfe wegen der unbü­rokratischen Arbeitsweise extrem schnell erfolgen.

Haben Sie in den letzten Jahren Veränderungen festgestellt, was die Notsituationen betrifft?

Riedweg: Aufgefallen ist mir vor allem, dass es heute mehr Menschen gibt, die in Not geraten, weil sie mit dem zunehmenden Druck in der Arbeitswelt psychisch nicht mehr klarkommen. Darüber hinaus aber sind die Hauptthemen gleich geblieben: Es gibt viele Haushalte, gerade Familien, mit extrem knappen Budgets. Da bringt Unvorhersehbares alles aus dem Lot. Das gilt besonders auch bei Konfliktsituationen oder Schicksalsschlägen wie Krankheit oder gar einem Todesfall.

Sie beurteilen ja vor allem Hilfsgesuche aus Luzern. Gibt es Unterschiede zwischen Stadt und Land?

Riedweg: In städtischen Gebieten ist vermutlich die Thematik der Alleinerziehenden häufiger vertreten, in ländlichen Gebieten geht es öfter auch um Bauernfamilien, die mit sehr tiefem Einkommen in eine Notsituation geraten. Generell aber sind in vielen Fällen Kinder involviert. Hier geht es manchmal nur darum, einem Kind etwas zu ermöglichen wie Instrumentalunterricht oder Mitgliedschaft in einem Verein. Hier kann man mit wenig Geld etwas bewirken, was für die Entwicklung sehr wertvoll ist.

Sie sind ja seit vielen Jahren im Sozialbereich tätig. Betrachtet man da die Hilfsgesuche mit rein professionellem Blick, oder reagiert man mitunter auch noch emotional?

Riedweg: Ich versuche, möglichst objektiv zu urteilen. Aber es gibt Fälle, die einen besonders berühren. Da gibt es zum Beispiel aktuell zwei Kinder, deren Eltern sich einfach ins Ausland abgesetzt und sie im Stich gelassen haben. Da habe ich schon eine Mischung aus Zorn und Betroffenheit gespürt. Ich habe insofern auch ein persönliches Interesse, weil es mir wichtig ist, dass soziale Unterschiede bei uns nicht grösser werden und dass man zu benachteiligten Menschen schaut. Und schliesslich ist die LZ-Weihnachtsaktion für mich auch eine willkommene Ergänzung zur eher theoretischen Tätigkeit an der Hochschule. Hier werde ich mit realen Einzelsituationen konfrontiert. Das hält mich auf dem Boden.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.