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Interview

Experte rät fürs Bewerbungsgespräch:
«Ja nicht nach dem Lohn fragen»

Am Donnerstag beginnt in Luzern die Zentralschweizer Bildungsmesse Zebi. Dort können die Jugendlichen unter anderem ein Bewerbungsgespräch üben. Experte Stefan Haas erklärt, auf was man dabei achten muss – und was man vermeiden sollte.
Roman Kühne
Der erste Eindruck zählt beim Bewerbungsgespräch. (Symbolbild Getty)

Der erste Eindruck zählt beim Bewerbungsgespräch. (Symbolbild Getty)

Stefan Haas, Experte für Bewerbungsgespräche. Bild: PD

Stefan Haas, Experte für Bewerbungsgespräche. Bild: PD

Langsam gilt es ernst für die Schüler der zweiten Oberstufe. Sie müssen sich nun Gedanken machen, welche Ausbildung sie künftig absolvieren. Zu diesem Zweck können sie sich von Donnerstag bis Sonntag an der Zentralschweizer Bildungsmesse Zebi auf der Luzerner Allmend über 140 Berufe und 600 Weiterbildungsangebote informieren.

Ist der Wunschberuf mal gefunden, folgen je nach Ausbildung weitere Hürden: die Bewerbung und das Bewerbungsgespräch. Letzteres kann schon mal für schlaflose Nächte sorgen. Um dem vorzubeugen, kann man an der Zebi das Gespräch schon mal üben. Vor Ort sein wird unter anderem Stefan Haas (53). Er war früher in einer Firma für Personalrekrutierung und -führung tätig, hat eine Coaching-Ausbildung absolviert und ist heute Geschäftsführer der Initiative LPlus, die aus der Unternehmergruppe Wettbewerbsfähigkeit entstanden ist und das Ziel hat, die Jugendlichen ideal auf den Berufseinstieg vorzubereiten.

Stefan Haas, bringen Sie den Schülern an der Zebi das Bewerben bei?

Beibringen kann man dies nicht, aber man kann Hilfestellungen geben. Die Schüler an der Zebi haben bei uns die Gelegenheit, das Vorstellungsgespräch zu üben. Im Idealfall melden die Lehrer ihre Schüler an. Aber es ist jeder und jede willkommen und etwa die Hälfte schaut spontan bei unserem Stand vorbei oder wird von uns auf der Gasse angesprochen.

Braucht es dies noch? Wird das Bewerbungsgespräch nicht genügend in der Schule geübt?

Unbedingt. Die Hemmschwelle, die Herausforderung ist bei jemand Fremden natürlich deutlich grösser. Diese zu überwinden, sich da einigermassen natürlich zu geben, ist schon die halbe Miete. Unsere Interviewer sind Leute aus der Praxis. Das Interview wird so quasi in Echtzeit durchgespielt.

«Die Hemmschwelle zu überwinden und sich einigermassen natürlich zu geben, ist schon die halbe Miete.»

Diese Leute aus der Praxis, die kommen von Firmen, potenziellen Arbeitgebern?

Das Programm «LPlus», welches wir anbieten, ist eine Initiative der Unternehmergruppe Wettbewerbsfähigkeit. In ihr sind viele Patrons und Unternehmer aktiv tätig. Vor 14 Jahren, als es zu wenige Lehrstellen gab, fand man, dass die Unternehmen etwas unternehmen müssten. Daraus ist auch das Produkt «Bewerbungsgespräche üben» entstanden. Wir gehen heute regelmässig in die Schulen, sind hier an der Zebi aktiv oder begleiten Jugendliche bei ihrem Suchprozess.

Auf was kommt es ganz konkret an bei einem Gespräch?

Grundsätzlich ist ein Vorstellungsgespräch eine Teamarbeit, keine Prüfung. Da muss ein Dialog zustande kommen. Es reicht nicht, wenn ich auf die Frage nach meiner Lieblingsfarbe mit «rot» antworte. Ich muss darüber sprechen. Dafür sind drei Dinge zentral: Erstens muss ich mich mir selber auseinandersetzen. Der zukünftige Lehrling sollte sich bewusst sein, wo seine Stärken und Schwächen liegen. Zweitens muss ich das Berufsbild gut kennen und dies auch zeigen. Dafür eignet sich ein gut geführtes Dossier. Eines, das zeigt, dass ich mich mit dem Berufsbild auseinandergesetzt habe. «Mein Götti ist Schreiner und ist immer so begeistert» reicht definitiv nicht. Drittens sollte ich auch die Firma gut kennen.

«Nur wenn ich etwas über die Firma weiss, gibt es ein gutes Gespräch. Der Personalchef, der das Dossier liest, merkt genau: ‹Will der wirklich zu uns oder braucht er einfach etwas, weil schon fast Herbst ist?›»

Wie kommt man denn an die nötigen Informationen?

Ich besuche den Internetauftritt der Firma, google Zeitungsartikel oder mache eine Schnupperlehre. Dies ist viel Aufwand, aber die Präsentation ist heute sehr wichtig geworden. Ich muss fähig sein, auch selber Fragen zu stellen. Wird am Samstag gearbeitet? Muss ich bei Bedarf Überstunden leisten? Und so weiter. Nur wenn ich etwas über die Firma weiss, gibt es ein gutes Gespräch. Der Personalchef, der das Dossier liest, merkt genau: «Will der wirklich zu uns oder braucht er einfach etwas, weil schon fast Herbst ist?» Dann kommen natürlich auch ganz zentrale Fragen wie: Was sind deine Stärken und Schwächen? Oder: Welches sind deine Lieblingsfächer in der Schule? Da muss man vorbereitet sein.

Gibt es auch Tabus bei der Bewerbung?

Ja nicht beim ersten Kontakt nach dem Lohn fragen. Das kann man im Internet recherchieren. Und es gibt doch wichtigere Fragen! Oder?

Soll sich der Teenager eher erwachsen zeigen oder sollte er seine Jugendlichkeit nicht verstecken?

Am besten ist wohl die Haltung «ich bin mir bewusst, dass dieser Sprung ins Berufsleben eine Herausforderung ist, aber ich gebe alles, um zu zeigen, was ich kann». Aber bleib, wer du bist. Denn der Jugendliche, wie auch die Firma, hat gute und nicht so gute Seiten. Es geht nicht um eine Show, sondern darum, herauszufinden, ob man zueinander passt. Schweizweit werden 20 Prozent der Lehrverträge aufgelöst, im Baugewerbe sogar 50 Prozent. Der junge Mensch verliert ein Jahr, die Firma einen Lehrling. Da interessiert nicht, wer schuld ist, sondern es geht darum, dies das nächste Mal zu verhindern.

Haben sie Tipps zum äusseren Erscheinungsbild?

Sauber und gepflegt gilt immer. Und Achtung: Es nützt nichts, eine Stunde vor dem Spiegel zu stehen, wenn dafür die Schuhe abgelatscht oder schmutzig sind. Diese gehen nämlich oft vergessen. Dann kommt es auf den Betrieb darauf an. Bewerbe ich mich bei einer Bank, schadet das Hemd in der Hose sicher nicht. Aber man sollte sich nicht verkleiden. Denn alles, was ich beim Bewerbungsgespräch verspreche, muss ich nachher drei bis vier Jahre lang halten können.

«Man sollte sich nicht verkleiden. Denn alles, was ich beim Bewerbungsgespräch verspreche, muss ich nachher drei bis vier Jahre lang halten können.»

Welches ist die Rolle der Eltern?

Etwas Druck und Kontrolle – falls nötig – sind sicher gut. Eine Idee ist, dass die Familie ein Projekt daraus macht. Die Familie sitzt jeden Donnerstag zusammen und bespricht, was man bis nächste Woche erledigt, zum Beispiel das Bewerbungsschreiben machen, eine Foto anfertigen, mehr über die Firma abklären.

Können oder sollen die Eltern Einfluss nehmen?

Während des Gesprächs sind sie nicht dabei. Bricht die Firma dieses nach zehn Minuten ab, bringt es sicher nichts, sich beim Personalverantwortlichen zu beklagen. Dies ist eher kontraproduktiv. Es kann aber Sinn machen, nachzufragen. Was lief nicht gut? Was hat nicht gepasst? Aber eben, es gibt in der Firma genau eine Person, die entscheidet. Da muss die Chemie einfach stimmen.

Noch eine Empfehlung zum Schluss?

Sich trauen! Ich höre oft Ausreden, warum das Dossier, die Bewerbung nicht abgeschickt wurde. Da muss man einfach durch. Du kannst nichts falsch machen, ausser es nicht zu tun!

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