FALL LUCIE: Diskussion über Entführungsalarm entfacht

Der Neuenburger FDP-Ständerat Didier Burkhalter vermutet, dass mit einem Entführungsalarm das Gewaltverbrechen an der 16-jährigen Lucie unter Umständen hätte verhindert werden können.

Drucken
Teilen
FDP-Ständerat Didier Burkhalter. (Bild EQ)

FDP-Ständerat Didier Burkhalter. (Bild EQ)

Seit 2007 kämpft Burkhalter dafür, dass bei Entführungen von Minderjährigen ein nationales Alarmsystem ausgelöst wird. Bislang mit wenig Erfolg, weil der Bundesrat in solchen Fällen auf die kantonale Hoheit verweist, wie die «Aargauer Zeitung» am Dienstag berichtete.

Nach französischem Muster
Burkhalter wünschte sich ein Entführungsalarm nach französischem Vorbild. Wie er auf Anfrage sagte, wurden bei sieben Entführungen seit der Einführung des Alarms alle sieben Opfer gerettet. Um einen nationalen Alarm auszulösen, müssten folgende vier Kriterien erfüllt sein: Das Leben des Opfers ist in Gefahr, die Ermittler sind überzeugt, dass es sich um eine Entführung handelt, das Opfer ist minderjährig, und mit der öffentlichen Information besteht Aussicht auf eine bessere Lokalisierung des Opfers. Im Fall des Au-pair-Mädchen aus Bulle im Kanton Freiburg wären alle diese Kriterien zu einer Auslösung des Alarms erfüllt gewesen.

Vor Schnellschuss gewarnt
In der Schweiz beschäftigt sich derzeit eine Arbeitsgruppe der Polizeikommandanten mit einer allfälligen Einführung eines solchen Alarms. Ihre Ergebnisse muss die Gruppe zu Handen der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD) allerdings erst bis 2010 vorlegen. Roger Schneeberger, Generalsekretär der KKJPD, erinnerte daran, dass statistisch ein Entführungsfall alle fünf Jahre vorkomme und warnte vor einem Schnellschuss: «Ein solcher Alarm könnte Entführungsopfer auch konkret gefährden.» Ein Täter wisse nach einer Auslösung des Alarms, dass er sich sofort nicht mehr mit dem Entführungsopfer blicken lassen könne. Deshalb sei eine sorgfältige Abklärung einer solchen Alarm-Einführung angebracht.

Burkhalter will derweil weiter auf sein Anliegen pochen. Er hofft, dass ein Entführungsalarm so schnell wie möglich eingeführt wird.

ap