FALL LUCIE: Täter hat umfassendes Geständnis abgelegt

Die 16-jährige Lucie wurde getötet, weil der mutmassliche Täter offenbar zurück ins Gefängnis wollte. Dies erklärte der geständige 25-Jährige den Ermittlungsbehörden.

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Szene von der Pressekonferenz vom Donnerstagmorgen. (Bild EQ)

Szene von der Pressekonferenz vom Donnerstagmorgen. (Bild EQ)

Der 25-Jährige hat gemäss den Ermittlungsbehörden ein umfassendes Geständnis abgelegt. Zudem hat er glaubwürdig zum Ausdruck gebracht, dass er als Alleintäter gehandelt hat, wie der zuständige Untersuchungsrichter und Badener Bezirksamtmann Stefan Kalt sagte. Zu der Tat ist es laut dem Aargauer Kripochef Urs Winzenried gekommen, weil der 25-Jährige zurück ins Gefängnis wollte. So habe er angegeben, dass ihm während Gesprächen mit dem Au-pair-Mädchen aus Bulle in seiner Wohnung in Rieden plötzlich die Ausweglosigkeit seines Lebens vor Augen geführt worden sei. Dies hat in ihm den Entschluss wachsen lassen, dass er sein weiteres Leben lieber in Gefangenschaft verbringen will, wie Winzenried sagte.

Sexualdelikt nicht ausgeschlossen
Daraufhin habe er mit einem Schlagwerkzeug mehrfach auf das Mädchen eingeschlagen. Mit einem Messer habe er ihr danach die tödlichen Schnitte zugefügt. Der Vorbestrafte habe angegeben, die Jugendliche am 4. März um rund 19 Uhr getötet zu haben. Dies bestätigte auch der Direktors des Instituts für Rechtsmedizin in Bern, Michael Thali. Bei den medizinischen Untersuchungen seien keine Verletzungen im Genitalbereich festgestellt worden, sagte dieser. Sexuelle Handlungen könnten aber zunächst nicht ausgeschlossen werden. Das Mädchen war am vergangenen Sonntag tot im Badezimmer der Wohnung aufgefunden worden. Der 25-Jährige habe nach der Tat zunächst nicht den Mut gefunden, sich selbst zu stellen. Bis er sich bei der Polizei meldete, säuberte er unter anderem die Leiche des Mädchens und die Wohnung.

Gemäss Winzenried wurde Lucie zufällig als Opfer ausgewählt. Der Mann hat am 4. März in Zürich Betäubungsmittel gekauft und auch konsumiert. Darauf sei ihm die 16-Jährige aufgefallen, die ihn dann freiwillig in seine Wohnung begleitet habe. Bei der Polizei haben sich bisher rund 30 Mädchen und Frauen gemeldet, die Kontakt mit ihm hatten.

99 Kontakte nach Gefängnisaustritt
Der 25-Jährige hatte im Mai 2003 eine versuchte vorsätzliche Tötung an einer jungen Frau begangen. Ein Gutachten im Februar 2004 stellte fest, dass er therapiefähig ist, wie der Aargauer Regierungsrat Kurt Wernli sagte. Kurz nach Ablauf der vierjährigen Strafe wurde er unter anderem gestützt auf das Gutachten mit Auflagen aus der Arbeitserziehungsanstalt entlassen. Dazu gehörten laut Wernli eine Bewährungshilfe und eine ambulante regelmässige Suchtbetreuung. In der Zeit bis zur Tat hätten 99 Kontakte mit der Bewährungshilfe stattgefunden. Diese habe Ende vergangenen Februar mitgeteilt, dass der 25-Jährige seine Arbeitsstelle verloren habe und Kokain, Cannabis und Alkohol konsumiere.

Die Vollzugsbehörde habe daraufhin eine stationäre Entzugsbehandlung angeordnet. Zu der Vorstellung sei der Mann aber verspätet erschienen, worauf ein neuer Termin am vergangenen Dienstag angesetzt worden sei. Gemäss Wernli haben die Vollzugsbehörden und die Bewährungshilfe rechtlich korrekt gehandelt. Um vollständige Gewissheit darüber zu erhalten, ob diese Einschätzung richtig sei, seien aber vertiefte Abklärungen nötig. Deshalb wird eine administrative Untersuchung durch eine externe Person eingeleitet.

ap