FASNACHTSBRAUCH IN UNTERIBERG: «Mischt fürs Pfarrers Garte»

In Unteriberg pflegen die Maschgraden einen alten Fasnachtsbrauch. Beim «Mischtzieh» wird der Pfarrer mit Mist beschenkt: Dünger für den Garten.

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«Mischt für's Pfarrer's Garten!» Die Fasnächtlergruppe zieht mit ihrem Mistkarren dorfwärts. (Bild Bert Schnüriger/Neue SZ)

«Mischt für's Pfarrer's Garten!» Die Fasnächtlergruppe zieht mit ihrem Mistkarren dorfwärts. (Bild Bert Schnüriger/Neue SZ)

Die fünf älteren Fasnächtler sitzen gut gelaunt in der Küche eines Bauernhauses in Unteriberg: Gusti, Walter, Theres, Bruno und Jimmy. Sie haben soeben drüben hinter dem Stall ein paar Gabeln Mist auf ihren «Schnägg» geladen, einen Hornschlitten mit Rädern. Vom anstrengenden Mistaufladen erholen sich die fünf jetzt in der Küche der Familie Holdener im Karrenboden bei Unteriberg bei Eiercognac. Eine halbe Stunde später zieht die Gruppe den «Schnägg» mit dem Mist in Richtung Dorf. «Mischtzieh» nennt sich dieser alte Unteriberger Fasnachtsbrauch.

Viele Zwischenstationen
Der fasnächtliche Transport bringt «Mischt fürs Pfarrers Garte». Beim Pfarrhaus aber wollen die fünf erst am späteren Nachmittag dieses Schmutzigen Donnerstags ankommen. Also gibt es auf dem Weg noch eine ganze Reihe von Zwischenstationen. Besucht werden Restaurants und weitere Bauernhausküchen, der «Schnägg» darf jeweils draussen vor der Tür bleiben. 

«Wir achten auch darauf, dass wir nicht allzu tief ins Glas schauen», sagt Gusti. Letztes Jahr sei der Brauch bei ein paar anderen Maschgraden etwas aus den Fugen geraten. Jedenfalls machte sich damals mitten im Dorf das Mistfuder selbstständig und prallte gegen ein Auto, «und der ?Schnägg? hed es Hore abgha».

Käse im «Miesbode»
Vorläufiger Höhepunkt des Zugs durch das Dorf ist der Besuch beim Bauern Benno Trütsch im «Miesbode». Dort wird das Mistfuder noch etwas aufgestockt. Den Hauptgrund für den Abstecher zum «Miesbode» nennt aber Walter: «Det gids ganz guete Chäs.»

Am späteren Nachmittag laden die fünf ihren Mist im Garten beim Pfarrhaus ab. Pfarrer Paul Schuler lädt die Maschgraden zu einem Essen ins Pfarrhaus ein. Dem Pfarrer ist der Mist der Fasnächtler nämlich «sehr, sehr willkommen». Pfarrer Schuler lässt Kartoffeln aus seinem Garten auftischen. «Die gedeihen dank dem Mist prächtig», sagt er. «Beim Wachsen hilft ihnen nicht nur das Gebet, sondern auch der Mist.»

Bert Schnüriger/Neue SZ