Fastenopfer 2021
Kirchliche Hilfswerke setzen sich für mehr Klimagerechtigkeit ein

Die ökumenische Kampagne 2021 von Fastenopfer und dessen Partnerhilfswerken nimmt die Klimaveränderung ins Visier und mahnt zur Selbstreflexion über das eigene Verhalten.

Andreas Faessler
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Unser Verhalten hat Einfluss auf die Klimaerwärmung, beispielsweise der Fleischkonsum. Plakatsujet der Kampagne 2021.

Unser Verhalten hat Einfluss auf die Klimaerwärmung, beispielsweise der Fleischkonsum. Plakatsujet der Kampagne 2021.

Bild: PD

Seit nunmehr einem Jahr hat die Coronapandemie die ganze Welt fest im Griff, die Medien berichten fast über nichts anderes mehr. Was aber ist mit den anderen grossen «Baustellen» unserer Gesellschaft? Beispielsweise der Klimawandel, welcher insbesondere durch die grossen Industrienationen und Wohlfahrtsstaaten – darunter auch von der Schweiz – verursacht wird. Ein Thema, das in den vergangenen Monaten stark in den Hintergrund gerückt, aber selbstredend noch lange nicht aus der Welt geschafft ist. Die 52. ökumenische Kampagne des katholischen Hilfswerkes Fastenopfer mit Sitz in Luzern macht gemeinsam mit dem evangelisch-reformierten Pendant Brot für alle mit Sitz in Bern sowie dem christkatholischen Hilfswerk Partner sein unter dem Motto «Sehen und handeln» auf die dringende Notwendigkeit von Klimagerechtigkeit aufmerksam.

Ausgangslage für diese aktuelle Kampagne 2021 ist der denkwürdige Umstand, dass die «Klimasünden» der reichen Länder schwerwiegende Auswirkungen auf die Nahrungssicherheit der Nationen im globalen Süden haben. Die Hilfswerke fordern die Haupt-Verursacherstaaten zur Verantwortungsübernahme auf, mahnen dringend zur Verringerung des allgemeinen CO2-Ausstosses und engagieren sich dafür auf politischer, wirtschaftlicher wie auch individueller Ebene für die CO2-Neutralität bis 2040 und damit für die Beschränkung der Klimaerwärmung auf 1,5° Celsius, wie im Pariser Abkommen formuliert.

Petition an die Nationalbank

Als anschauliches Schweizer Beispiel für die herrschende Ungerechtigkeit führen die Hilfswerke die Nationalbank SNB an. «Diese hielt Ende 2019 Aktien im Wert von fast sechs Milliarden US-Dollar an Firmen, die fossile Energien fördern, und finanziert damit Emissionen von 43 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalent pro Jahr. Diese Emissionen sind etwa gleich hoch wie die Inlandemissionen der Schweiz», schreibt Brot für alle. Miges Baumann, Leiter Entwicklungspolitik des Hilfswerks sagt dazu: «Die Bank begünstigt mit ihrer Anlagestrategie eine Klimaerhitzung von vier bis sechs Grad, also weit über dem Ziel des Pariser Klimaabkommens.»

Eine der gemeinsamen Aktionen der drei kirchlichen Schweizer Hilfswerke im Rahmen der diesjährigen Kampagne ist es, die SNB mit einer Petition aufzufordern, alle Investitionen in fossile Energien abzustossen. «Dies wäre ein wichtiges Signal an den Finanzplatz Schweiz, denn die SNB ist eine der weltweit grössten institutionellen Investorinnen», notieren die Hilfswerke.

Klimagerechtigkeit ist nicht verhandelbar

Wie dringlich die weltweite Situation ist, darauf weist das eigentliche Kampagnenmotto «Klimagerechtigkeit – jetzt!» hin. Von den Folgen der Klimaerhitzung wie Taifune, überflutete Küsten und Dürren sind 50 Prozent der Weltbevölkerung besonders betroffen – und mehrheitlich sind es Menschen, die selber wenig oder gar nichts zur konsumbedingten Treibhausgasemission beitragen. «Mehr Klimagerechtigkeit ist deshalb ein Muss und nicht verhandelbar», betont Stefan Salzmann, Verantwortlicher Klimagerechtigkeit bei Fastenopfer.

Was aber kann der Einzelne tun? Die Hilfswerke möchten die Menschen motivieren, das eigene Verhalten zu reflektieren. Etwa den verzehr von Fleisch und dessen Auswirkungen auf die Abholzung des Regenwaldes: Übermässiger Fleischkonsum hat zur Folge, dass viel Futtermittel und Weidefläche benötigt wird – etwa in Brasilien, einem der führenden Exportländer für Rindfleisch und Soja. Dies wird dort unter anderem durch Brandrodungen von Regenwald erreicht. Und warum nicht mal über das eigene Urlaubsverhalten nachdenken? Muss die Flugreise oder die Kreuzfahrt wirklich sein?

Wie immer bei ihren seit 1969 jährlich stattfindenden Kampagnen ermutigen die beteiligten Hilfswerke Pfarreien, Kirchgemeinden und Schulen, die Thematik aufzugreifen, die Mission zu verbreiten und die Menschen zu sensibilisieren. Unter www.sehen-und-handeln.ch können diverse Unterlagen und Info-Dossiers bestellt werden. Die Kampagne 2021 dauert bis und mit 4. April.

www.sehen-und-handeln.ch