FC LUZERN: Daniel Wyrsch: «Mein Antrieb ist die Freude am Fussball»

Daniel Wyrsch (48) ist in der 5. Saison FCL-Berichterstatter unserer Zeitung. Der gelernte Bankkaufmann hat seine journalistische Arbeit bei der «Neuen Nidwaldner Zeitung» begonnen. Warum er nur sehr selten bei einem Tor des FCL jubelt und weshalb er sich über Post von Claudio Lustenbergers Gotti freut, erzählte uns der zweifache Familienvater aus Kriens.

Interview Roger Rüegger
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FCL-Berichterstatter Daniel Wyrsch: «Es ist wirklich ein Privileg, eine solch begehrte Arbeit machen zu dürfen.» (Bild Roger Grütter)

FCL-Berichterstatter Daniel Wyrsch: «Es ist wirklich ein Privileg, eine solch begehrte Arbeit machen zu dürfen.» (Bild Roger Grütter)

Daniel Wyrsch, kommt es gelegentlich vor, dass jemand mit Ihnen nicht über Fussball sprechen will?

Daniel Wyrsch: Ja, zum Glück. Ich bin froh, wenn ich auch mal Leute treffe, die sich über andere Dinge unterhalten wollen.

Regt es Sie denn auf, wenn Sie zu oft auf den FC Luzern angesprochen werden?

Wyrsch: Wenn ich mit meiner Familie zusammen bin, rede ich lieber nicht über meinen Beruf. Aber eine Diskussion mit Kollegen, wenn ich alleine unterwegs bin, mag ich. Der Fussball und mein Job als Berichterstatter über den FCL sind meine Passion.

Sehr gut, denn aussen vor lassen können wir das Thema nicht. Ist das recht?

Wyrsch: Natürlich, wenn es nicht zu emotional wird...

Eigentlich haben Sie den coolsten Job in unserer Redaktion. Sie gehen gratis an Fussballspiele, sind nahe an den Stars und den Trainern und dürfen erst noch den FCL ins Trainingslager irgendwo ans Meer begleiten. Viel besser gehts nicht. Haben Sie sich das schon als Bub gewünscht?

Wyrsch: Es ist wirklich ein Privileg, eine solch begehrte Arbeit machen zu dürfen. Tatsächlich wünschte ich mir schon als Jugendlicher, dass ich dereinst auf der Tribüne sitzen werde und über die Spiele des FCL berichte.

Eigentlich wünschen sich Jungs, dass sie einmal als grosser Goalgetter im Stadion auflaufen.

Wyrsch: Ja, das tun wohl die meisten. Mein spielerisches Talent hielt sich in Grenzen. Ich durfte zwar beim leider viel zu früh verstorbenen Peter Risi beim SC Buochs in der 1. Liga mittrainieren, aber der Biss und der nötige Durchhaltewille zum erfolgreichen Fussballer fehlten mir damals. Heute wäre das anders, aber mit 48 ist es etwas spät.

Wann wurden die Weichen vom Sportler zum Reporter gestellt?

Wyrsch: Sehr früh. Wir hatten als Buben einen Peter-Risi-Fan-Klub, als der noch beim FCL spielte. Ich schrieb als 12-jähriger Schüler damals eine Infozeitung für unseren Klub. Auf einer Schreibmaschine. Die Mutter eines Kollegen prophezeite damals, dass ich einmal Journalist werde. Mit 14 schrieb ich einen Bericht über ein Schülerturnier. Dieser wurde prompt im damaligen «Nidwaldner Tagblatt» abgedruckt.

Ihr Beruf hat aber auch Schattenseiten. Man muss nur im Internet bestimmte Foren durchstöbern, da fällt Ihr Name sehr oft. Und durchaus nicht nur im positiven Sinn. Wie gehen Sie damit um?

Wyrsch: Es ist wichtig, dass man sich von solchen Dingen abgrenzen kann. Der Fussball ist eine hoch emotionale Angelegenheit. Einige Leute haben bis jetzt nicht erkannt, wie unser Job funktioniert. Die können mit kritischer Berichterstattung nicht umgehen und glauben, dass wir von den Medien auch schuld sind, wenn es dem Klub nicht gut läuft. Die Kritik an mir und meinen Kollegen hält sich aber im Rahmen. Und wenn der Verein erfolgreich ist, nehmen die negativen Feedbacks auch schlagartig wieder ab.

Die Leute, die Sie in Foren angreifen, tun dies meistens anonym. Sie aber stehen zu Ihren Aussagen. Braucht es dafür Mut?

Wyrsch: Finde ich nicht. Meine Antriebsfeder ist die Freude am Fussball. Wenn sich jemand über meine Berichterstattung beklagt und mir dies in E-Mails mitteilt, antworte ich ihm nach Möglichkeit und versuche, aufzuzeigen, was meine Motivation ist.

Eine der dümmeren Aussagen machte der ehemalige FCL-Trainer Murat Yakin, als er Ihnen bei einer Medienkonferenz riet, weniger Medikamente zu nehmen. Hatten Sie das Heu generell nicht auf derselben Bühne wie er, oder war er damals zu Recht erzürnt?

Wyrsch: Das mit den Medikamenten ist ein Running Gag, der immer wieder hervorgeholt wird. Ich kritisierte Yakin damals in einer Vorschau und fragte ihn nach dem Spiel gegen einen geschwächten FCZ, das unentschieden endete, ob er mit dem Resultat gegen ein B-Team zufrieden sei. Man darf solche Dinge nicht zu hoch werten. Darüber darf man auch schmunzeln. Mit Yakin habe ich heute übrigens ein distanziertes, aber professionelles Verhältnis.

Sie sind ja ein grosser FCL-Fan. Wie unbefangen können Sie über «Ihren» Klub berichten?

Wyrsch: Wie erwähnt braucht es eine professionelle Distanz. Ich kenne zwar alle Spieler und den Trainerstab, aber zu nahe und persönlich darf ein Sportreporter nicht dran sein.

Wenn der FCL ein Tor schiesst, freuen Sie sich also nur im Geheimen?

Wyrsch: Ich versuche, nicht zu viele Emotionen zu zeigen. Wenn jedoch gegen Basel auswärts das Siegestor fällt, kann es vorkommen, dass auch ich hochspringe und mich kurz vergesse. Aber das gibt es ja nicht so oft.

Nur um klarzustellen, dass Sie sich auch freuen, wenn der FCL gewinnt und Sie kein Feind der Luzerner Fussballer und Fans sind.

Wyrsch: Das wissen die meisten, aber einige interessiert dies gar nicht.

Ein heisses Thema sind auch die Benotungen der Spieler.

Wyrsch: Ja, allen kann man es nicht recht machen. Ich gebe die Noten unmittelbar nach dem Spiel.

Wir Journalisten sind uns Feedbacks gewöhnt. Ich vermute, dass Sie vermehrt negative einstecken müssen?

Wyrsch: Wie gesagt haben die negativen Rückmeldungen bei einer schlechten Serie überhand. Aber es gibt auch sehr erfreuliche Post. Das Gotti von FCL-Captain Claudio Lustenberger schreibt mir zum Beispiel immer zum Saisonende ein Mail. Sie bedankt sich und zeigt Verständnis für meine Aufgabe. Das berührt mich jeweils, und ich schätze das sehr.

Interview Roger Rüegger

Serie: Die bisher erschienenen Beiträge zu unseren Journalisten finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/serien

Die Menschen hinter den News

Daniel Wyrsch

Funktion: FCL-Berichterstatter Alter: 48 Jahre