Ökumene
Gemeinsam unterwegs in der Karwoche

Drei Festtage – drei Dialoge. Ein reformierter Pfarrer und eine katholische Ordensschwester geben den Menschen Impulse zur Reflexion mit auf den Weg.

Andreas Faessler
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Im Dialog durch die hohen Feiertage: Pfarrer Andreas Haas und Schwester Mattia Fähndrich.

Im Dialog durch die hohen Feiertage: Pfarrer Andreas Haas und Schwester Mattia Fähndrich.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 23. März 2021)

Palmsonntag, Karfreitag und Ostern sind die drei feiertäglichen Fixpunkte der Karwoche. An diesen hohen kirchlichen Festtagen gedenkt man biblischen Schlüsselszenen, welche mit dem Auferstehungswunder ihren Höhepunkt finden. Die Geschehnisse vor fast 2000 Jahren sind jedoch nicht einfach nur biblische Geschichte, sondern sie sind von so hohem Symbolgehalt, dass sie sich in vielerlei Hinsicht ins Heute transportieren lassen und somit von zeitloser Mustergültigkeit sein können. Dies hat Andreas Haas, reformierter Pfarrer in Zug, dazu veranlasst, gemeinsam mit Sr. Mattia Fähndrich, Benediktinerin im Kloster Heiligkreuz und Pfarreiseelsorgerin in Zug, zu den Vorkommnissen an den besagten drei hohen Feiertagen je ein Gespräch zu führen. In der Form von Videoimpulsen sollen die Gedanken der beiden die Öffentlichkeit dazu motivieren, auch selber Reflexionen anzugehen.

Die musikalisch hinterlegten Gespräche führen die beiden unter dem Motto «Gemeinsam unterwegs». Zum einen verweise diese Überschrift auf das bewusst ökumenisch angelegte Projekt, so Andreas Haas.

«Zum anderen möchten wir damit
auch unterstreichen, dass wir uns konfessionsübergreifend den Geschehnissen in der Karwoche
annähern wollen»

Gemeinsam unterhalten sich die katholische Ordensfrau und der reformierte Pfarrer über die Bedeutung dieser Feiertage, lassen ihren Gedanken freien Lauf, erörtern miteinander in einer leicht verständlichen Sprache, wie sie selbst die biblische Botschaft interpretieren und wie sie wertvolle Impulse für die Menschen geben kann. «Bei jedem dieser Feiertage ist das Miteinander ein wichtiger Aspekt», sagt Sr. Mattia dazu. «Denn niemand hat die alleinige Wahrheit zu diesen biblischen Szenen.» So entwickelt sich das Zwiegespräch der beiden nach und nach und regt die Zuschauerschaft an, ihre Gedanken fortzuführen.

Die Feiertagsbotschaften im Alltag

Jede der Schlüsselszenen hat einen gewissen Gleichnischarakter. «Als Jesus am Palmsonntag als einfacher Mann auf einem Esel reitend in Jerusalem einzog, haben alle einen anmutigen Herrscher mit entsprechend viel Pomp erwartet», schildert Sr. Mattia. «Doch Jesus hat dieser Erwartungshaltung nicht entsprochen, sondern ist sich selbst treu geblieben. Das regt beispielsweise zum Gedanken an, ob man denn wirklich immer die Anforderungen erfüllen muss, welche die Gesellschaft an einen stellt.» Man solle sich nicht verbiegen, auch wenn dies Mut erfordere.

Der Karfreitag indes lässt sich auf hoffnungslose Momente im Leben eines Jeden übertragen: «Wir alle machen ‹Karfreitagserfahrungen›, wenn wir an einem Punkt sind, an denen es uns schlecht geht und wir keinen Ausweg sehen», sagt Andreas Haas Dazu. Folglich kann Ostern unter anderem dahin gehend interpretiert werden, dass aus dem scheinbaren Nichts ein Neuanfang entstehen kann.

Gemeinsam gehts besser

«Die Ereignisse an diesen hohen Feiertagen verbinden die Christen über alle Konfessionen hinweg», sagt Sr. Mattia.

«Die Botschaft Jesu ist von so grosser Tragweite, dass sie nur von allen gemeinsam gefasst werden kann.»

Pfarrer Haas münzt diese Erkenntnis auf die aktuelle Situation: «Der Gedanke des gemeinsamen Unterwegsseins gilt ganz besonders auch für die Pandemie. Diese meistern wir nur zusammen.» Andreas Haas merkt in diesem Kontext an, dass die Zusammenarbeit mit Sr. Mattia zudem einen weiteren Akzent in Zeiten von Corona setzen soll: «Zwar gibt es viele kirchliche Online-Angebote, doch leider sind diese nur selten explizit ökumenisch. Mit unseren Videoimpulsen möchten wir daher auch diesbezüglich ein Zeichen der Zusammenarbeit und eben des gemeinsamen Unterwegsseins setzen.»

Die Videoimpulse von und mit Sr. Mattia Fähndrich und Pfarrer Andreas Haas sind jeweils ab 18 Uhr des Vorabends zum jeweiligen Feiertag aufgeschaltet unter www.citykirchezug.ch sowie auf der Seite des Pastoralraums Zug Walchwil (www.przw.ch/tagesimpuls). Auch über den Facebook-Auftritt der CityKirche sind die Beiträge aufrufbar.