FINSTERWALD: Hier schmiedet Bieri neue Lieder

Komponist und Jodler Ruedi Bieri schreibt trendige, humorvolle Lieder. Sie sorgen sogar im Bundeshaus für gute Stimmung.

Monika Van De Giessen
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Holt sich Inspiration in seinem heimeligen Alphüttli Äueggli in Finsterwald: Ruedi Bieri am Komponieren. (Bild Boris Bürgisser)

Holt sich Inspiration in seinem heimeligen Alphüttli Äueggli in Finsterwald: Ruedi Bieri am Komponieren. (Bild Boris Bürgisser)

« Mit beidne Füess am Bode stah, das git üs Halt by jedem Wind, dass d Milch nid us der Tüüte chunt, das weiss by üs no jedes Chind, doch üses Härz isch immer offe und für Neus parad, süsch gäbs by üs keis Biosphäre-Reservat.»

Was klingt wie ein Werbeslogan der regionalen Wirtschaftsförderung, ist in Tat und Wahrheit ein Text aus dem Jodellied «Chnebugrinde» von Ruedi Bieri (59). Der Komponist, Dirigent und Jodler ist bekannt für seine humorvollen Jodellieder und sorgt mit seinen Tönen für frischen Wind in der Szene. Wenn Bieri-Lieder an einem Jodlerabend gesungen werden, dann ist Schmunzeln angesagt. «Typisch Bieri», meinte kürzlich eine Besucherin eines Jodlerkonzertes. Sein Erfolgsrezept ist ganz einfach: Singen und juzen, was die Leute gerne mögen. Zu einem richtigen Hit hat sich in den letzten Monaten das Lied «Dini Seel ä chli la bambälä la» entwickelt. Dieses hat auch der neuen CD (Phonoplay) mit 20 Bieri-Eigenkompositionen den Titel gegeben

Alltagsbezogene Texte

Es gibt Kompositionen über Älplerleben, Viehbestand, Enzian, Edelweiss und rauschende Bergbäche. Doch Jodellieder können auch der Zeit angepasst, frisch, frech und lustig sein. «Ich bin kein Revoluzzer. Ich bin ein Traditionalist, der eine klare Linie verfolgt», sagte Bieri. Im gleichen Atemzug erklärte er unserer Zeitung, wie wichtig ihm die Texte seien. «Meine Texte sind alltagsbezogen. Sie erzählen alle eine Geschichte. Jedes Lied soll etwas aussagen. Man kann beinahe über alles schreiben», sagte der Entlebucher.

So kann es schon mal vorkommen, dass Bieri vom Entlebucher Biosphärenreservat, über Gerüchte, Geschichten aus der Sauna, vom Stammtisch, über Füdlibürger oder über das Sparen schreibt. Sogar alt Bundesrat Joseph Deiss zeigte sich begeistert von Bieris Kompositionen. Er schrieb ihm anlässlich des Eidgenössischen Schwingfestes, das 2004 in Luzern stattfand, einen persönlichen Brief. Darin stand unter anderem: «Gerne greife ich auf Ihre Lieder zurück, wenn am politischen Horizont wieder einmal dunkle Gewitterwolken aufziehen sollten.»

Start mit der Trompete

Ruedi Bieri stammt aus dem Entlebuch – eine Topadresse für traditionelle Volksmusik. Finsterwald, am Fusse des Schimbrigs, auf 1050 Metern über Meer gelegen, ist Bieris Wohnort. Seine musikalische Laufbahn startete Ruedi Bieri im Alter von zehn Jahren. Nicht als Jodler. Als Jungmusikant, später als Mitglied der Musikgesellschaft Entlebuch, spielte er Trompete. Er erzählt, dass ihm das ewige Üben verleidet sei. Zum grossen Glück für die Jodlerszene! 1974 war das Gründungsjahr des Jodlerklubs Finsterwald. Das kam ihm gerade recht, denn er suchte eine Alternative zum Trompetenspielen. Ruedi Bieri wirkte im Jodlerklub Finsterwald als Gründungsmitglied, Jodler, Aktivehrenmitglied, Vizedirigent, Dirigent (2001 bis 2009). Mit seiner Gattin Lisbeth Bieri-Bieri tritt er seit Jahren als äusserst erfolgreiches Jodlerduett auf. Aber auch im Jodlerdoppelduett, zusammen mit Jules und Sonja Renggli, sind Lisbeth und Ruedi Bieri oft an Anlässen zu hören und gern gesehene Gäste.

Engagement für Jodlernachwuchs

«Der Nachwuchs fasziniert mich», sagt Bieri, der zusammen mit seiner Frau Lisbeth das Gugelchörli, einen Kinderjodelchor, leitet. Die Alp Gugel im Glaubenberggebiet gab dem Gugelchörli den Namen. Ihm gehören 30 Kinder und Teenager im Alter von 4 bis 19 Jahren an. Die ältesten kommen bereits mit dem Auto zur Probe. Doch die Jungjodler werden nicht gedrillt bis zum Gehtnichtmehr. «Im Vordergrund steht der Spass am Singen», so Bieri. Und wie motiviert er den Nachwuchs? «Wichtig ist, dass ich sie nicht schuelmeischtere. Das haben sie während des ganzen Tages», meint Bieri.

Hühnerhautfeeling pur gibt es, wenn man sich das Lied «So öpper, das bisch du» anhört, das er seiner Frau Lisbeth gewidmet hat:

«Da Friedä ha uf üsre Wäut, nid jammerä, wenn eim nüd fäut, de Friedä ha im ängschtä Chreis und läbe ohni grossä Meis. So öpper darfi näb mer ha, wo Tag und Nacht duet zue mer stah, so öpper wie nä Ängu, so öpper, das bisch du.»

Hinweis: Die CD «Dini Seel ä chli la bambäla la» ist im Fachhandel erhältlich oder kann direkt bei Lisbeth und Ruedi Bieri, Am Eibach, 6162 Finsterwald (bieri.eibach@bluewin.ch oder Telefon 041 480 36 06), bestellt werden.

Hörproben: Lieder aus der neue CD auf

www.luzernerzeitung.ch/bonus