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Frau wirft ihrem eigenen Stiefsohn Vergewaltigung vor

Das Schwyzer Strafgericht verhandelte mehrere Stunden lang über einen heiklen Fall.
Ruggero Vercellone

Als die heute 52-jährige Frau in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts aus dem Ausland zusammen mit ihrem deutlich älteren Mann in die Schweiz zog, ahnte sie wohl nicht, was sie gemäss den Aussagen des Staatsanwaltes für ein «Martyrium» durchlaufen musste. Denn laut Anklage wurde sie vom eigenen Stiefsohn, der im gleichen Haus mit seinem Vater und der Stiefmutter wohnte, über rund zwei Jahrzehnte vergewaltigt.

Die Frau soll das über die ganze Zeit erduldet haben, um den «Familienfrieden» aufrechterhalten zu können. Erst als ihr Mann 2014 einem Krebsleiden erlag und ihre beiden Töchter grösser geworden waren, meldete sie sich bei der ­Opferberatungsstelle an, was ein jahrelanges Strafverfahren gegen den heute 49-jährigen Stiefsohn auslöste. Am Freitag wurde über den Fall mehrere Stunden lang am Schwyzer Strafgericht verhandelt.

Frühe Fälle bereits verjährt

Der erste sexuelle Übergriff des Stiefsohnes soll laut Anklage 1994 stattgefunden haben. In der Folge soll sich der Beschuldigte ein- bis viermal monatlich, immer dann, wenn der Mann und Vater nicht im Haus war, an der Stiefmutter vergangen haben. Erst als die Frau 2001 mit ihrer ersten Tochter schwanger war, kam es zu einem Unterbruch der sexuellen Übergriffe von zwei bis drei Jahren. Da diese früheren Fälle verjährt sind, hatte das Gericht nur über jene Vorfälle von 2004 bis 2011 zu urteilen.

Sie habe sich mit Händen und Füssen und auch verbal gegen die Übergriffe des Stiefsohnes gewehrt, sagte die Frau dem Gericht. Da er ihr aber unter Vorhalt eines Messers ­jeweils gedroht habe, er werde sie umbringen, wenn sie etwas davon erzähle, habe sie sich mit der Zeit nur noch verbal gewehrt. Aus Angst habe sie ­geschwiegen und gedacht: «Möglicherweise muss ich damit leben.» Aufgehört habe das Ganze, als ihr Mann starb, ihr Stiefsohn eine andere Frau kennen lernte und auszog.

Freiheitsstrafe von 3,5 Jahren gefordert

Der Staatsanwalt forderte für den Stiefsohn eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren. Die Schilderungen der Frau seien glaubhaft und detailtreu. Die Rechtsanwältin der Frau als Privatklägerin verlangte einen Schadenersatz von mindestens 10'300 Franken und eine Genugtuungssumme von mindestens 15'000 Franken.

Der Stiefsohn gab zu, mit der Stiefmutter Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Sie hätte ihn einmal zuerst geküsst, dann sei zwischen ihnen eine Liebes­beziehung entstanden. Erst als sein Vater ihm zu erkennen gab, dass er davon etwas vermutete, habe sich die Beziehung abgeflacht. Später, als er eine andere Frau kennen lernte und er nach dem Tod des Vaters nicht bei der Stiefmutter bleiben wollte, sei sie eifersüchtig geworden. «Jetzt will sie einfach nur Geld. Es war schon immer so.»

Sein Verteidiger, der einen Freispruch verlangte, bezeichnete die Aussagen der Frau als unglaubwürdig, widersprüchlich und zu wenig detailliert. Zudem sei es auch wenig glaubhaft, dass die Frau über so lange Zeit keine Möglichkeit fand, dem angeblichen Treiben des Stiefsohnes ein Ende zu bereiten. Das Strafgericht wird sein Urteil schriftlich eröffnen.

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