110 Jahre Spital Muri: Showtime mit Hollywood-Touch

Während zweier Tage der offenen Tür zelebrierte der Freiämter Kreisspital sein Jubiläum. 5000 Besucherinnen und Besucher liessen es sich nicht nehmen, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.

Ruedi Burkart
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Die Übung lockte Zuschauer an. (Bild: Ruedi Burkart (Muri, 1. September 2018))

Die Übung lockte Zuschauer an. (Bild: Ruedi Burkart (Muri, 1. September 2018))

Hunderte von Schaulustigen strömten aus dem Spital nach draussen, suchten sich auf der Wiese oder in einem der Parkhausdecks einen Platz und blickten erwartungsvoll auf die Strasse unterhalb des Spitals. Doch was das Publikum zu Gesicht bekam, präsentierte sich wenig spektakulär: Da waren zwei verbeulte Autos, eines in einem Graben stehend, eines auf der Seite liegend. Daneben zwei Damen, die im leichten Regen verloren auf der Strasse umherirrten und wirres Zeug redeten. Gespenstische Stille legte sich auf die skurrile Szenerie. Dann, von einer Sekunde auf die andere, war es vorbei mit der Ruhe. Innert weniger Minuten verwandelte sich der Platz in einen wahren Albtraum. Polizei, Stützpunktfeuerwehr Muri+ und andere Rettungskräfte rasten aus allen Himmelsrichtungen heran, Blaulicht und ohrenbetäubendes Sirenengeheul inklusive.

Die verschiedenen Einsatzkräfte zeigten anhand einer eindrücklichen Strassenrettungsübung, wie im Fall eines schweren Verkehrsunfalls mit Verletzten zu Werke gegangen wird. Dank eines Speakers waren die Schaulustigen jederzeit über den Stand der Arbeiten im Bilde. «Das ist besser als im Film», jubelte ein kleiner Junge und strahlte seinen Vater an. Als dann auch noch ein Rettungshelikopter über den Köpfen der Leute seine Runden drehte und beim Spital landete, war für den Kleinen der Tag definitiv ein besonderer.

Blanker Horror und kostenloser Gips

Gleichzeitig herrschte auch im Innern des Spitals Hochbetrieb. Auf allen Etagen gab es für die Bevölkerung viel zu entdecken. Im «Raum des Horrors» beispielsweise wurde von Fachkräften eindrücklich vor Augen geführt, wo im Spital Gefahren für Patienten und Angestellte lauern können. Zwei Skelette sorgten zudem für ein gewollt gruseliges Gefühl. Im Untergrund, drei Stockwerke tiefer, ging es weniger spektakulär zu und her. Interessant waren die Einblicke in die Elektro- und Energiezentrale oder die Wäscherei aber allemal.

Eine auffallend grosse Anzahl von Kindern und Jugendlichen – vornehmlich weiblichen Geschlechts – trug einen farbigen Unterarmgips. Traurig blickte allerdings keines der Kinder. Was war denn da passiert? Des Rätsels Lösung präsentierte sich im dritten Obergeschoss. «Gibts hier etwas gratis?», raunte eine ältere Besucherin ihrem Partner zu, als sie die rund zwei Dutzend Kinder erblickte, die sich in einer Zweierreihe anstellten. Ja, kostenlos waren sie, die Gipse, die den Kindern von Fachpersonen angelegt wurden. Und sehr begehrt. «Wir arbeiten hier im Akkord», meinte eine der diensthabenden Schwestern mit einem Schmunzeln.

Viel zu tun gabs übrigens auch für die Betreiber der sechs Verpflegungsstände, die ein eigentliches «Mini-Foodfestival» präsentierten. Auch mit einem «Gruss aus der Spitalküche» wurden die Gäste verwöhnt. Kein Zweifel, die Feierlichkeiten des Kreisspitals zu dessen 110-Jahr-Jubiläum kamen bei der Bevölkerung sehr gut an. «Wir sind absolut zufrieden», durfte Spital-CEO Daniel Strub am Samstagnachmittag vermelden, «mit der Anzahl Besucher und mit dem Interesse, welches sie unserem Spital entgegenbringen.»

Und noch etwas erfreute den Chef: Er durfte eine Auszeichnung entgegennehmen, welche seinen Betrieb mit dem Prädikat «Familie und Beruf» auszeichnet. Will heissen, dass im Freiämter Spital – in welchem 762 Leute arbeiten und 74 Lernende ausgebildet werden – die Massnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie zur Gleichstellung von Mann und Frau erfolgreich umgesetzt werden. Viel hat sich getan seit den Anfangszeiten. Am 10. Dezember 1908 wurde das Spital mit 42 Betten eröffnet und beschäftigte acht Mitarbeitende, jetzt sind es 135 Betten.