Bettwil sistiert sein Modellflug-Reglement wieder

Der Konflikt um die Modellfliegerei geht in die nächste Runde. Manche der erlassenen Vorschriften seien rechtlich nicht durchsetzbar.

Marc Ribolla
Drucken
Teilen
Bei diesem Streifen Wiese handelt es sich um die Modellflugpiste in Bettwil.

Bei diesem Streifen Wiese handelt es sich um die Modellflugpiste in Bettwil.

Bild: PD

In der Bettwiler «Fluglärmdebatte» öffnet sich ein nächstes Kapitel. Nur zwei Monate nach dem Erlass eines Reglements über das Fliegen mit Modellflugzeugen vollführt der Gemeinderat eine Kehrtwende. Das Reglement ist von der Behörde an der letzten Sitzung rückwirkend auf den 6. Juli sistiert worden.

Als Grund für diesen Entscheid gibt der Gemeinderat an, dass einige der darin festgehaltenen Auflagen rechtlich nicht durchsetzbar seien. Im Kern sollten die Vorschriften die Modellfliegerei auf einer bestimmten Parzelle im Nordwesten Bettwils regeln. Dort stört sich vor allem ein Einwohner an den kleinen Flugzeugen. Um die Wogen zwischen den Konfliktparteien zu glätten, wollte die Gemeinde mit dem Reglement eigentlich Ruhe in die Sache bringen. Doch nun hat sich eine andere Situation ergeben. Der Gemeindeammann Peter Keusch sagt auf Anfrage: «Aufgrund unserer zwischenzeitlichen Abklärungen beim Rechtsdienst der Gemeindeabteilung des Kantons sind einzelne Paragrafen wohl juristisch nicht haltbar. Deshalb macht es so keinen Sinn. Es geht um den privatrechtlichen wie auch öffentlichen Bereich.»

«Das Ganze nahm langsam groteske Züge an»

Als besonders problematisch betrachtete der Kanton offenbar die Vorschriften über den Flugraum, die erlaubten Flugzeugtypen, die Anzahl Flugbewegungen und die Flugzeiten. Für den betroffenen Modellflieger Erich Strebel ist die neuste Entwicklung mit der Sistierung keine Überraschung. «Das Ganze nahm langsam groteske Züge an. Für mich war von Anfang an klar, dass das Reglement nicht rechtens ist. Es entspricht in keiner Weise einer gesetzlichen Grundlage.» Auf seine zweimalige schriftliche Eingabe von Fragen zum Reglement habe der Gemeinderat nicht reagiert. Man halte sich zudem stets an den Modellflieger-Ehrenkodex, dass man nirgends Lärm oder Ärger verursache bei der Ausübung seines Hobbys. Von Lärm könne nicht die Rede sein, sagt Strebel.

Um den Widerspruch des Reglements aufzuzeigen, provozierte er kürzlich bewusst einen Verstoss. «Ich habe von der Gemeinde daraufhin explizit verlangt, dass sie mich büsst. Passiert ist aber nichts», sagt er. Ein Lob spricht Erich Strebel der Regionalpolizei Muri aus: «Jedes Mal, wenn der streitbare Einwohner ein Modellflugzeug in der Luft sah, avisierte er diese. Die Beamten mussten ausrücken und ein Reglement durchsetzen, von dem sie wussten, dass es unsinnig und rechtswidrig war. Gelegentlichen Anfeindungen zum Trotz verhielten sich die Polizeibeamten stets äusserst souverän, korrekt und professionell.»

Ein überarbeitetes Reglement soll folgen

Mit der Sistierung des Reglements rückt diese nun vorläufig nicht mehr deswegen aus. Für Bettwils Gemeindeammann Peter Keusch ist klar: «Wir sind nach wie vor an einem Reglement interessiert. Wir wollen für beide Parteien das Beste. Einerseits, dass geflogen werden kann und andererseits, dass die Nachbarn zufrieden sind.» Man wolle nichts verbieten und erhoffe sich eine gütliche Einigung. Deshalb möchte der Gemeinderat das Reglement mit fachkundiger Begleitung und im Austausch mit den Betroffenen überarbeiten. «Zu diesem Zweck haben wir an einen runden Tisch geladen und sind gespannt, ob die Einladung angenommen wird», sagt Keusch.

Danach sieht es aus. Auch wenn Erich Strebel und seine Modellflugkameraden den Sinn eines Reglements nicht erkennen, sagt er: «Man muss mit den Leuten sprechen und die Hand reichen. Die Gemeinde hat uns stark provoziert, aber ich verzeihe der Gemeinde und unterstelle niemandem eine Böswilligkeit.» Und noch etwas Positives sieht Strebel in der ganzen Angelegenheit: «Es wurde deutlich, dass Modellflugpiloten viel mehr Freiheiten und Rechte haben, als ich es mir je vorstellen konnte.»