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Blick zurück ins Mittelalter

Zwei neue Bücher beleuchten das Leben in und um das Kloster Muri. Darin steht etwa, wieso in alten Gebetsbüchern auch Ratschläge über die Gesundheit und Hygiene aufgeführt waren.

Gleich zwei neue Publikationen aus der Schriftenreihe der Stiftung Geschichte Kloster Muri bringen spannende Einblicke: Bettina Schöller beleuchtet in ihrem Buch «Zeiten der Erinnerung» Muri und die Habsburger im Mittelalter, Ruth Wiederkehr in «Lesen, schreiben, beten, heilen» die Bibliothek des mittelalterlichen Klosters Hermetschwil. «Schritt für Schritt wird die Leserin und der Leser von der Gegenwart in die Vergangenheit geführt», stellte an der Vernissage Martina Stercken, Professorin an der Uni Zürich, fest. Das Buch von Schöller zeige aber auch, «wie Geschichte gemacht wird». Die beiden Werke sind im Rahmen der Geschichtsschreibung 1000 Jahre Kloster Muri 1027 bis 2027 erschienen.

Die Habsburger sind die mittelalterlichen Gründer des Klosters Muri und diesem bis in die Gegenwart verbunden. Es zeigt sich aber, dass aus den ersten rund 100 Jahren nach der Stiftung Muris keine einzige schriftliche Quelle überliefert ist. Beschäftige man sich mit der Geschichte des Mittelalters, sei dies nicht ungewöhnlich, hält Autorin Bettina Schöller fest. Gegenwärtige Zustände oder Ereignisse seien zwar hin und wieder schriftlich festgehalten worden, doch oft überlieferten sie sich mündlich von einer Generation zur nächsten.

Die Kraft der Erinnerung

Die Beziehung zwischen dem Kloster und dem Adelsgeschlecht war nicht zu allen Zeiten gleich intensiv. Immer wieder gelang es jedoch, sie durch die gezielte Erinnerung auf die gemeinsamen Ursprünge neu zu beleben. «Zeiten der Erinnerung» erzählt, zu welchen Zeiten und auf welche Weise Erinnerungen genutzt wurden, um die Verbindung zu aktivieren und die gemeinsame Geschichte zu formen.

Ausgehend von den aktuellen Beziehungen zwischen der klösterlichen Gemeinschaft und der habsburgischen Familie geht das Buch den Formen der Erinnerung an die Stiftung Muris durch die habsburgischen Ahnen nach. Dabei zeigt sich, wie sehr diese vom jeweiligen politischen, kulturellen und religiösen Umfeld geprägt waren. «Ich bin gespannt, das Buch zu lesen. Vielleicht wollen wir ja etwas von damals weiter pflegen und beleben», sagte Abt Beda Szukis. Auch sein Vorgänger, Abt Benno Malfèr, hat das Projekt von Anfang an gefördert, freute sich die Autorin. Vier Jahre war sie für das Werk bis zur Publikation an der Arbeit.

Das Benediktinerinnenkloster Hermetschwil besitzt schweizweit einen der grösseren überlieferten Buchbestände aus dem 12. bis 16. Jahrhundert. Autorin Ruth Wiederkehr analysiert in «Lesen, schreiben, beten, heilen» 56 Manuskripte und berücksichtigt vor allem die 17 deutschsprachigen Gebetbücher, die zwischen dem Ende des 14. und dem Beginn des 16. Jahrhunderts im Gebiet der heutigen Deutschschweiz entstanden sind. Das «Büchlein über die Büechli», wie sich die Autorin ausdrückte, ermöglicht unter anderem einen Einblick in die Lebenswelt der Benediktinerinnen. Anhand des Bestandes an Manuskripten können einerseits Netzwerke der Frauen nachgezeichnet und andererseits die Verbreitung besonders populärer Texte des Mystikers Heinrich Seuse oder des Franziskanerpredigers Otto von Passau gezeigt werden.

«Die Gebetsbücher waren aber auch Wissenspeicher», stellt Wiederkehr fest. Hier sind etwa Gesundheits- und Hygieneregeln und Ratschläge bei allerlei Krankheiten zu finden. Die «Büechli» im Kloster Hermetschwil erzählen Geschichten allerdings nicht nur mit ihren Texten, sondern auch mit ihren Spuren auf dem Papier und den Umschlägen. «Die Nonnen haben viel gelesen, die Büechli sind sehr abgegriffen». In Wiederkehrs Werk, Band 6 der Reihe Murensia, sind schliesslich 30 Farbabbildungen zu sehen, die das einerseits bezeugen, andererseits Einblick in einen der kompaktesten mittelalterlichen Manuskriptbestände der Schweiz geben.

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