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Dank neuer Verbindung schneller in den Süden

Die Reisezeit vom Freiamt ins Tessin hat sich seit Pfingstsonntag um 30 Minuten verkürzt – zur Freude der Vorkämpfer.
Wer in den Süden will, fährt via Rotkreuz (Bild: Christian H. Hildebrand)

Wer in den Süden will, fährt via Rotkreuz (Bild: Christian H. Hildebrand)

Was als freudiger Ausspruch verstanden werden könnte, ist eigentlich ein Befehl. «Ab in den Süden!» motivieren Plakate die Reisenden. Mit diesem Slogan wird für die neue Verbindung ins Tessin und nach Italien geworben, die seit Sonntag vom Freiamt, aber auch von Aarau aus möglich ist. Zumindest für anderthalb Jahre. Mit der S26 nach Rotkreuz und von dort direkt in den Schnellzug, der durch den Gotthard braust. Das heisst 30 Minuten weniger lang reisen und nur einmal umsteigen.

Die Gesichter hinter dem Reisebefehl sind Fredy Zobrist und Reto Widmer. Sie beide sind in der ÖV-Kommission der drei Regionalplanungsgruppen (Replas) Freiamt. Die beiden setzen sich seit über zehn Jahren dafür ein, dass die Zugverbindungen im Freiamt besser werden. Vor allem auch jene in Richtung Tessin. Und nun, durch einen Zufall, ist dies für anderthalb Jahre eine Tatsache. Dies, weil die direkte SBB-Linie von Zug nach Arth-Goldau wegen eines Ausbaus bis Ende 2020 gesperrt ist.

Das heisst, für Zobrist, Widmer und ihre Kollegen hat nun die Stunde der Wahrheit geschlagen. Denn jetzt zeigt sich, ob es die grosse Nachfrage nach dieser schnellen Verbindung in den Süden tatsächlich gibt. Falls ja, falls also jetzt massiv mehr Freiämter ins Tessin reisen, haben sie ein schlagkräftiges Argument für zukünftige Verhandlungen mit dem Kanton und den SBB, um allenfalls einen Wochenend-Zug von Aarau via Freiamt nach Arth-Goldau einzuführen. Oder, um die waghalsigste Idee zu erwähnen: um weiter für einen Schnellzug Basel–Aarau–Freiamt–Tessin zu kämpfen. Sollte es aber anders kommen und der Ansturm in die Züge gen Süden ausbleiben, würden die Träume der Replas in weite Ferne rücken.

Dass es nicht so weit kommt, dafür geben die Replas alles. Neben den Plakaten kreierten sie die Website www.ab-in-den-sueden.ch, schrieben Vereine an, gaben Interviews, selbst im Tessiner Fernsehen, und überzeugten die SBB zu einer grossen Kampagne inklusive Pop-up-Werbung im Online-Fahrplan. Nur die Schulen hat Zobrist jetzt doch nicht mit der Bitte angeschrieben, sie sollen doch ihre Schulreisen ins Tessin machen. Der Grund: Der Kanton gab die Mailadressen nicht heraus. «Ich hätte jetzt zwar die Adressen selber im Internet heraussuchen können», sagte Zobrist an der Medienkonferenz in Wohlen, «doch das war selbst mir zu blöd.» Auch Arsène Perroud, Gemeindeammann Wohlens und Präsident der Repla Unteres Bünztal, rührte die Werbetrommel: «Ich lege allen ans Herz: Braucht diese Verbindung.»

Ob Freiämter und auch andere Aargauer dem Aufruf folgen? Reto Kobi, Projektleiter Öffentlicher Verkehr beim Kanton Aargau, zählt sich zu den Optimisten. Wenn er auch nicht so enthusiastisch rüberkommt wie etwa Zobrist und Widmer. Dies liegt auch an der Erhebung, die sein Team im Vorfeld durchführte. So haben sie an einem Wochenendtag im November in den ersten sechs S26-Zügen am Morgen die Passagiere gefragt, wohin die Reise geht. Nur sechs fuhren Richtung Tessin oder Italien. Auch eine Potenzialabklärung der Metron AG 2014 kam zum Schluss, dass kein starker Bedarf vom Aargau Richtung Neat besteht.

Diese Resultate will Zobrist nicht zu stark gewichten. Vielleicht hat er recht, wenn er sagt: «Die Nachfrage kommt, sobald es die Verbindung tatsächlich gibt.» Armin Tschopp, SBB Regionenmanager, lobt den grossen Einsatz der Freiämter. «Es zeigen nur wenige Regionen so viel Engagement», sagt er, und ergänzt lachend: «Was jetzt nicht heisst, dass ich möchte, dass alle so viel Druck ausüben.»

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