Der Kanton Zug mahnt: «Rehe brauchen dringend Ruhe»

Der Lockdown bringe es mit sich, dass vermehrt Menschen den Wald für Erholung und Sport entdecken würden – zum Leidwesen der Natur.

Drucken
Teilen
Schutzbedürftig: ein Rehkitz.

Schutzbedürftig: ein Rehkitz.

Bild: Chris Nussbaumer/Amt für Wald und Wild

(bier) «Bleiben Sie zu Hause!» Diese Botschaft des Bundesrats werde nicht überall befolgt, schreibt das Zuger Amt für Wald und Wild. «Gerade weil die meisten Geschäfte zu und die Erwerbstätigkeit vieler Leuten eingeschränkt ist, zieht es derzeit viele Menschen in die Natur.» Der Druck auf Pflanzen und Tiere sei deshalb teilweise erheblich. «Problematisch sind die vielen Störungen durch die Menschen derzeit vor allem für die Rehe. Denn für sie beginnt jetzt die sogenannte Setzzeit, die Zeit, in der sie ihre Jungen zur Welt bringen», wird Priska Müller, Leiterin Amt für Wald und Wild, in besagter Mitteilung zitiert. «In dieser Phase ist es besonders wichtig, dass die Rehe Ruhe haben.»

Aufzucht von Jungtieren ist anspruchsvoll

Die Fortpflanzungsbiologie der Rehe sei «spannend». Denn bei ihnen komme es nach der Befruchtung im August zu einer dreimonatigen Keimruhe. «Erst Ende Dezember beginnt das embryonale Wachstum. Die Kitze werden vorwiegend Ende April bis Mitte Juni gesetzt, unabhängig davon, wann die Frühlingsvegetation zu spriessen beginnt.» Muttertiere brauchten während dieser Zeit sehr viel Energie und würden die meiste Zeit mit der Nahrungssuche und -aufnahme verbringen. «Werden die Tiere dabei gestört, fehlt ihnen die nötige Energie für die Aufzucht der Jungtiere, und deren Entwicklung verschlechtert sich. Damit sinken auch die Chancen für die Jungtiere, dass sie überleben», wird Priska Müller zitiert.

Mehr Ruhe statt Action im Wald

Bereits mit dem Einhalten weniger Grundregeln liessen sich Störungen von Rehen und anderen Tieren wesentlich reduzieren, ohne dass man dabei auf den geliebten Ausflug in den Wald verzichten müsse. Das Amt für Wald und Wild bittet deshalb die Bevölkerung, «Solidarität und Rücksichtnahme während der Corona-Krise nicht nur gegenüber Menschen, sondern auch gegenüber der Natur zu zeigen», indem folgende Regeln beachtet werden:

  • Benützen Sie Wege und Strassen, vermeiden Sie Spaziergänge querfeldein
  • Hinterlassen Sie keine Spuren, nehmen Sie ihren Abfall mit nach Hause
  • Halten Sie Hunde unter Kontrolle, nehmen Sie diese an die Leine
  • Geniessen Sie die Ruhe, verzichten Sie auf laute Musik oder laute Aktivitäten
Mehr zum Thema

Wie Rehkitze vor dem Vermähen gerettet werden

An ihrer Sitzung vom Mittwoch diskutierten die Mitglieder des Zuger Kantonalen Patentjägervereins unter anderem die Abschusszahlen für das kommende Jagdjahr. Und ein Gast hielt einen spannenden Vortrag.
Charly Keiser

Neue Leitung Amt für Wald und Wild des Kantons Zug

Priska Müller und Martin Ziegler übernehmen per 1. Juni 2019 im Jobsharing die Leitung des Amts für Wald und Wild. Der bisherige Amtsleiter, Albin Schmidhauser, tritt per 31. Juli 2019 in den Ruhestand.