Die Klosteraufhebung schmerzte lange

Neue Publikationen beleuchten den Klosterstreit in Muri.

Eddy Schambron
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Von links: Autorin Annika Sandmeier-Walt, Abt Beda Szukics, Autor Urs Amacher und Markus Ries an der Vernissage der neuen Publikationen. Bild: Eddy Schambron

Von links: Autorin Annika Sandmeier-Walt, Abt Beda Szukics, Autor Urs Amacher und Markus Ries an der Vernissage der neuen Publikationen. Bild: Eddy Schambron

In zehnjähriger Arbeit hat Annina Sandmeier-Walt die Aufhebung des Klosters Muri 1841 aufgearbeitet. «Ich war erstaunt, wie wichtig dieses Ereignis in der Region eingestuft wurde», sagte sie an der Vernissage des Bandes 4 der Murenser Monografien. «Erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts ist über diese Wunde Gras gewachsen», stellte auch Markus Ries, Professor für Kirchengeschichte an der Universität Luzern, fest.

Das Buch von Sandmeier-Walt vermittle manche neue Einsichten. Gleich drei Neuerscheinungen, die mit Blick auf die Geschichtsschreibung 1000 Jahre Kloster Muri 1027 bis 2027 erscheinen, konnte Verlag Chronos den interessierten Besucherinnen und Besucher präsentieren: neben Band 4 auch Band 3 der Murenser Monografien, «Bedrohung in Friedenszeiten» von Nina Flurina Caprez, und das Murensia-Heft7 von Urs Amacher über den katakombenheiligen Sankt Leontius von Muri.

Abt Beda Szukics freute sich sichtlich über den Zuwachs. Das Kriegsende 1919 markierte für das Kloster Muri-Gries den Beginn eines über zehn Jahre andauernden Transformationsprozesses. In «Bedrohungen in Friedenszeit» benennt und analysiert Nina Flurina Caprez die Herausforderungen, vor die sich die Mönche gestellt sahen.

Sie ergründet auch die Lösungsstrategien, dank deren sich die Gemeinschaft in der von einem tiefen Wandel geprägten Nachkriegsordnung sozial, politisch und wirtschaftlich behaupten konnte. Annina Sandmeier-Walt wiederum zeigt im Band 4 am Beispiel von Muri, auf welche Weise das einschneidende Ereignis der Klosteraufhebung im Benediktinerkloster Muri-Gries, in der Region Oberfreiamt, auf kantonaler und nationaler Ebene erinnert wurde.

Wie der heilige Leontius nach Muri kam

Politische Auseinandersetzungen spielten genauso eine Rolle wie alltägliche Lebensfragen. Die Arbeit eröffnet zudem einen Ausblick auf eine noch zu schreibende Geschichte des Klosters Muri-Gries anhand bisher ­unbekannter klosterinternen Quellen.

Die Benediktinerabtei Muri war eines der ersten Klöster im Bistum Konstanz, das einen Katakombenheiligen erhielt. Nur die Franziskaner in Luzern sowie die Benediktiner in St.Gallen und Einsiedeln konnten vorher solche Reliquien aus Rom erwerben. Urs Amacher, Autor des Murensia-Heftes 7 über den heiligen Leontius, erläuterte an der Vernissage den Hintergrund der Katakombenheiligen.

1647 wurden die aus den römischen Katakomben stammenden antiken Gebeine des heiligen Leontius in einer feierlichen Prozession in die Klosterkirche Muri getragen und auf einem Seitenaltar ausgestellt. Im Heft werden der Weg des Leontius von Rom in die katholische Eidgenossenschaft, die pompöse Installation des Heiligen und sein Weiterleben durch die bewirkten Wunder ausführlich geschildert und mit vielen Quellen illustriert.