Diese Kinder aus Oberrüti haben ein fotografisches Auge

Mit ihrem Fotoprojekt erhielten die Oberrüter Klassen 5 und 6b eine Sonderausstellung an der «photoSchweiz20».

Eddy Schambron
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Die Schülerinnen und Schüler von Lehrer Thomas Biasotto (Mitte).

Die Schülerinnen und Schüler von Lehrer Thomas Biasotto (Mitte).

Bild: Eddy Schambron

Sie haben fotografiert, die Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 und 6b in Oberrüti. Sie haben das so gut gemacht, dass sie sogar eine Sonderausstellung an der «photoSchweiz20», der grössten und wichtigsten Werkschau für die Schweizer Fotografie-Szene, erhalten haben.

Angelehnt an die aktuellen «Friday for Future»-Demonstrationen haben sie zu den Themen Klimaschutz, Toleranz und Freundschaft Bilder geschaffen, die berühren und die Betrachterinnen und Betrachter auffordern, nicht nur zu demonstrieren, sondern aktiv zu werden, zu handeln, Toleranz zu zeigen, Menschen zu vertrauen. «Das ist der Weg zu einer besseren Welt», sind sie überzeugt.

Auch Ursprünge der Fotografie kennen gelernt

Das Projekt kommt nicht von ungefähr. Lehrer Thomas Biasotto ist professioneller Fotograf und nur teilzeitlich in der Schulstube. Er hat seine Hasselblad 6x6-Kamera in die Klasse genommen, eine Kamera, wie sie die Handy-Generation kaum gesehen hat: analog, mit Film drin, den man entwickeln muss, bevor man sieht, was und vor allem wie man fotografiert hat.

«Mir war es ein Anliegen, dass die Kinder die Ursprünge der Fotografie kennen lernen.»

Geschehen ist das nicht nur mit verblüffendem fotografischen Erfolg, wie die Sonderausstellung in Zürich zeigt, sondern mit einem sehr viel weiter gehenden Lerneffekt. «Wir haben viel gelernt», bemerken die Schülerinnen und Schüler, die bisher praktisch alle nur mit dem Handy fotografiert haben, «und die Arbeit hat unsere Klasse zusammengeschweisst». Sie haben buchstäblich vor Augen geführt bekommen, dass Bilder nicht nur Selfies und Knipsereien auf Instagram, Whatsapp und Co. sind. Bilder erzählen im Idealfall eine Geschichte, transportieren eine Aussage, und diese kann man als Fotograf beeinflussen. Wer die Perspektive verändert, erhält ein anderes Bild. Das ist, wie die Kinder selbst feststellen, nicht nur beim Fotografieren so.

Die Jugendlichen sind aber ebenso sensibilisiert darauf, dass Fotos heikel oder sogar gefährlich sein können. Sie wissen, wie blitzartig Bilder auf den sozialen Medien verbreitet werden können. Es ist ihnen bekannt, dass Fotos unter Umständen für Mobbing missbraucht werden können. Und es ist ihnen bewusst, dass man nicht jede und jeden ungefragt fotografieren darf. «Das sind aber Themen, die an den Schulen ohnehin zur Sprache kommen», macht Biasotto deutlich.

Ausstellung dauert bis nächsten Dienstag

Am Donnerstag reisten die Schülerinnen und Schüler zusammen mit den Eltern nach Zürich an die Vernissage an der «photoSchweiz». An der grössten Werkschau für Fotografie der Schweiz zeigen über 250 nationale und vereinzelt internationale Fotografen aktuelle Arbeiten.

«Ich selber konnte dort bisher noch nie meine Arbeiten zeigen», sagt Berufsfotograf Thomas Biasotto. «Jetzt können Sie es dank uns», trösten die Oberrüter Schülerinnen und Schüler ihren Lehrer. Letztes Jahr strömten gut 27000 Besucherinnen und Besucher an die «photoSchweiz». Die Messe dauert bis am Dienstag, 14. Januar und findet in der Halle 622 in Zürich-Oerlikon statt.