Ein jungfräuliches Leben für Gott

Christine Demel lebt zwar weltlich, aber im Zölibat. Die Pastoralassistentin wurde zur Jungfrau geweiht.

Bianca Theus
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Christine Demel bei der Krippe in der Kirche Aristau. (Bild: Martin Heimann (Aristau, 22. Dezember 2006))

Christine Demel bei der Krippe in der Kirche Aristau. (Bild: Martin Heimann (Aristau, 22. Dezember 2006))

Christine Demel hat sich für ein zölibatäres Leben entschieden, ohne in ein Kloster einzutreten. Anfang Dezember erhielt sie von Weihbischof Martin Gächter in Muri die Jungfrauenweihe. «Ich war offen, in einem Kloster zu leben, aber ebenso, zu heiraten und Kinder zu haben. Doch ich glaube, Gott wollte für mich die Lebensform, die ich jetzt lebe», sagt die 39-jährige Pastoralassistentin.

Sie machte sich ihre Entscheidung nicht leicht, ihr ging eine intensive Zeit der Auseinandersetzung voraus. Mit der Jungfrauenweihe wählte sie die gänzliche Hingabe an Christus, ein Leben möglichst in der Gegenwart Gottes, aber mitten in der Welt. Aufgewachsen ist Christine Demel in Wiesbaden, in einer aktiven, kritischen, katholischen Familie. Ihrer Begabung entsprechend wollte sie Mathematiklehrerin werden. Doch dann verbrachte sie als 16-Jährige eine Woche im ökumenisch-spirituellen Treffpunkt für junge Menschen in Taizé.

Erlebnis in Taizé

«Dort genoss ich es, während der sich wiederholenden Gesänge zu meditieren. Das gefiel mir», sagt sie mit einem lustigen Lachen. Als Kind habe sie stundenlang dasitzen und über Gott und die Welt sinnieren können.

Christine Demel studierte Theologie und später Sozialarbeit, bevor sie die Berufseinführung für den pastoralen Dienst absolvierte und als Pastoralassistentin arbeitete. Seit zwei Jahren ist sie in Aristau. Ein Vorbild für die Jungfrauen ist die Jungfrau Maria, in ihrer Zeit als junge Frau. «Maria war offen für Gott. Sie hat ihn erwartet, war bereit, zu tun, was er von ihr verlangt. Sie hat es mit Liebe und Hingabe getan», sagt Christine Demel. Und ebenso will auch sie es in ihrem Leben halten. Das bedeute, aus der Liebe zu leben, eine Hörende zu sein, «um dem Heiligen Geist Raum zu geben». Weihnachten ist für sie natürlich speziell wichtig: Es sei das Fest, an dem die Sehnsucht der Menschen nach Gott erfüllt werde.

Eine von rund 100 Jungfrauen

Bereits ab dem 2. Jahrhundert werden Jungfrauen in christlichen Gemeinden erwähnt. Im 4. Jahrhundert ist erstmals die Rede von einer Liturgie der Jungfrauenweihe. Diese Jungfrauen lebten in ihren Familien, widmeten sich dem Gebet und der Nächstenliebe. Ab dem 7. Jahrhundert bildeten sie meist Klostergemeinschaften.

1139 wurde die Weihe für weltliche Jungfrauen abgeschafft und durch die ewige Profess für Nonnen ersetzt. Durch die Wiederbelebung der Jungfrauenweihe für Ordensfrauen im 19. Jahrhundert setzte auch eine Bewegung für ihre Wiedereinführung für weltliche Frauen ein. 1970 geschah das auf Anregung des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Eine Jungfrau legt das Versprechen der Ehelosigkeit ab als Zeichen ihrer ganzen Hingabe an Christus. Zölibat kommt von lateinisch Coeli beati und heisst die Glücklichen im Himmel. Eine Jungfrau darf nie verheiratet gewesen sein und muss ein dem jungfräulichen Stand entsprechendes Leben geführt haben. In der Schweiz gibt es rund 100 geweihte Jungfrauen. (bts)