Pflegende Angehörige im Freiamt sollen kurzzeitige Hilfe erhalten 

Die Pflegi Muri will mit dem neuen Tages- und Nachtzentrum einem wachsenden Bedürfnis Rechnung tragen.

Eddy Schambron
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Von links nach rechts: Barbara Lienhard, Leiterin Tages- und Nachtzentrum Pflegi Muri, Irene Villiger, Leiterin Sozialdienst, und Ester Erni, Leiterin Hotellerie.

Von links nach rechts: Barbara Lienhard, Leiterin Tages- und Nachtzentrum Pflegi Muri, Irene Villiger, Leiterin Sozialdienst, und Ester Erni, Leiterin Hotellerie.

Bild: Eddy Schambron

Pflegedienstleistungen massgeschneidert, kurzfristig und flexibel in Anspruch nehmen, Einsatz bei einem personellen Engpass in der Pflege zu Hause, Entlastung für pflegende Angehörige: Mit einem neu geschaffenen Tages- und Nachtzentrum will die Pflegi Muri genau diese Möglichkeiten schaffen.

Dafür stehen acht Plätze zur Verfügung. «So helfen wir auch mit, dass Menschen möglichst lange zu Hause leben können», sagt Pflegi-Direktor Thomas Wernli. «Wir sind überzeugt, dass wir mit diesem neuen Angebot einem wachsenden Bedürfnis entgegenkommen und auch einen wesentlichen Beitrag zur interdisziplinären Betreuung leisten.»

Ausser Samstag und Sonntag immer verfügbar

Für dieses Zentrum, vorerst mit einer Anlaufphase auf zwei Jahre angelegt, arbeitet ein eigenes Team unter der Leitung von Barbara Lienhard. Sie ist, neben Irene Villiger, Leiterin Sozialdienst, Ansprechperson. «Das zur Verfügung stehende Angebot definieren die Nutzerinnen und Nutzer des Zentrums», unterstreicht Lienhard. «Wir warten jetzt einmal ab und sehen, was auf uns zukommt.» Ist das Zentrum nicht ausgelastet, werden die Mitarbeitenden im stationären Bereich eingesetzt.

Das Tages- und Nachtzentrum ist von Montag, 7.30 Uhr, bis Freitag, 21 Uhr, offen, nicht aber am Samstag und Sonntag. Aufenthalte sind auch stundenweise bis maximal 48 Stunden am Stück möglich. Für Menschen mit einer demenziellen Erkrankung und einer starken Weglauftendenz sei das Angebot allerdings nur bedingt geeignet, weil die Türen des Zentrums offen sind, macht Wernli deutlich.

In den Kosten von 115 Franken pro Tag oder pro Nacht, beziehungsweise 21 Franken pro Stunde sind sämtliche Hotellerie- und Betreuungsleistungen enthalten. Die Pflegekosten werden direkt mit der Krankenkasse abgerechnet.

Medizinische Hilfe ist stets gewährleistet

Das Tages- und Nachtzentrum hätte nicht in eine bestehende Gruppe integriert werden können, sagt Wernli. «Durch die kurzfristigen Wechsel bringt das Unruhe in eine bestehende Gruppe.» Die Bedürfnisse von künftigen Besucherinnen und Besuchern auf kurze Zeit sind möglicherweise auch anders als bei stationär lebenden Leuten.

«Für unsere Besucherinnen und Besucher im Zentrum ist es, wie wenn man irgendwo zu Besuch ist», erläutert Lienhard. «Man sieht etwas anderes, kann sich mit anderen Menschen austauschen oder einmal etwas anderes erleben als zu Hause, ohne die vertraute Umgebung länger verlassen zu müssen.» Das Zentrum, nicht zu verwechseln mit den Ferienzimmern, ist ein gemütlicher Aufenthaltsraum, es stehen selbstverständlich auch Liegeflächen zur Verfügung und medizinische Hilfe ist durch einen permanent in der Pflegi anwesenden Arzt gewährleistet. Neu ist schliesslich, dass das bislang hauseigene Physio- und Ergotherapieteam von der aarReha Schinznach übernommen wurde.

Das wurde wegen neuer Rahmenbedingungen bei der Verrechnung notwendig. «Damit haben wir einen Gewinn auf allen Seiten: Die sechs Arbeitsplätze des Therapeutenteams sind gesichert, inklusive stete Weiterbildung für die Angestellten, die aarReha Schinznach kann ihre Dienstleistungen ausbauen und wir können den Bewohnerinnen und Bewohnern ein durchgehendes Angebot an ihrem Alter entsprechenden, speziellen Physio- und Ergotherapie garantieren», freut sich Wernli.

Pflegi kocht auch für zu Hause

(es) Ab Januar liefert die Pflegi Muri täglich, ausser samstags und sonntags, frisch zubereitete Mittagessen in Muri und Umgebung nach Hause. «Der Wunsch kommt von vorwiegend älteren Menschen», sagt Pflegi-Direktor Thomas Wernli. Aber man muss nicht alt und gebrechlich sein, um sich von der Pflegi verköstigen zu lassen. «Wir beliefern alle, die das wünschen», betont Wernli. 17 Franken kostet ein Mittagessen mit Suppe, Salat, Hauptgang und dreimal pro Woche einem Dessert, Lieferung und Warmhaltegefässe inbegriffen. Mit dem Hauslieferdienst verbunden ist nicht nur eine gesunde, ausgewogene Ernährung, sondern auch die Sicherheit, dass jeden Tag jemand vorbeikommt. Gegenwärtig sucht die Pflegi noch Fahrerinnen und Fahrer, die Mahlzeiten ausliefern. Das sollen nicht Freiwillige, sondern Leute, die gegen Bezahlung eine Verpflichtung zur Zuverlässigkeit eingehen.