Kutteln und Kalbskopf waren früher die Wunsch-Menüs im St. Martin in Muri

Peter Odermatt (62) prägte während knapp dreier Jahrzehnte die Küche des Alterswohnheims St. Martin in Muri.

Ruedi Burkart
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Küchenchef Peter Odermatt.

Küchenchef Peter Odermatt.

Bild: Ruedi Burkart

Die ältere Dame, welche im Aussenbereich eines Alterswohnheims in Muri die Frühlingssonne geniesst und zufällig die Unterhaltung des Journalisten mit Peter Odermatt mitangehört, kommt aus dem Schwärmen kaum heraus. «Ich habe schon an vielen Orten gegessen. Aber besser als hier im St. Martin nirgends», sagt sie. «Wissen Sie, ich esse einigermassen viel. Aber zugenommen habe ich kein Gramm. Das sagt in meinen Augen alles über die Qualität der Küche aus.» Peter Odermatt, bis vor zwei Jahren Küchenchef und damit verantwortlich für Menüwahl und Zubereitung der Speisen im Alterswohnheim St. Martin in Muri, wirkt nach diesen Worten um eine Spur verlegen. «So ein Lob hört man natürlich gerne», sagt er. Am vergangenen Mittwoch hatte der 62-Jährige seinen letzten Arbeitstag.

Dass er kurz vor dem Erreichen des Pensionsalters seinen Dienst quittiert, hat vor allem mit seiner Erkrankung zu tun. «Vor fünf Jahren wurde bei mir Multiple Sklerose diagnostiziert», erklärt er. Mal könne er damit besser umgehen, mal weniger. «Ich schaue vorwärts, mit dem Schicksal zu hadern, bringt ja eh nichts», sagt er lächelnd. Viel lieber erzählt er von den vergangenen knapp 30 Jahren, in welchen er die Bewohnerinnen und Bewohner kulinarisch verwöhnen durfte.

In 28 Jahren hat sich einiges geändert

Nach seiner Lehre als Koch in einem Hotel in Engelberg zog Odermatt hinaus. Nicht gerade in die Welt, aber immerhin an Orte wie Locarno, Gstaad, Genf und Arosa, um dort als «Saisonnier» zu arbeiten. Als er seine spätere Ehefrau Käthi kennen gelernt hatte – sie arbeitete damals ebenfalls in einem Hotel in Arosa – war die Zeit gekommen, um sesshaft zu werden. Odermatt heuerte im Lenzburger Hotel Krone an. Anfang der 1980er-Jahre wechselte er in die Küche der St-Josef-Stiftung nach Bremgarten. «Die Arbeitszeiten in den Hotels waren für uns mit der Gründung einer Familie nicht vereinbar», berichtet Odermatt. Im Januar 1992 übernahm Odermatt die Leitung der Küche des neu eröffneten Alterswohnheims St. Martin – die junge Familie wohnte da bereits in Unterlunkhofen. «In diesen 28 Jahren hat sich einiges geändert», erzählt Odermatt. So habe es in früheren Jahren kaum jemanden gegeben, der eine spezielle Kost wünschte. «Gewiss gab es damals schon Leute, die Laktose oder gewisse Getreideprodukte nicht vertragen haben. Aber das nahm man halt als Bauchweh in Kauf und beliess es dabei.» In den letzten Jahren hingegen ging die Küchencrew immer mehr auf Sonderwünsche ein. «Unverträglichkeiten sind heutzutage nichts Aussergewöhnliches mehr», sagt er.

Eher ungewöhnlich muten indes die Menüwünsche in früheren Jahren an. «Wer Geburtstag hat, darf sich sein Lieblingsessen bestellen, das war bei uns schon immer so», verrät Odermatt. Zu Beginn seiner Murianer Zeit waren dies Kutteln und Kalbskopf. «Das wurde damals tatsächlich gewünscht.» Heutzutage liegen Kalbsbraten oder Voressen ganz weit oben auf der Beliebtheitsskala.

Ab auf grosse Fahrt

Und was macht Peter Odermatt in Zukunft, wird ihm nicht langweilig ohne seine Arbeit in der Küche? «Nein, was stellen Sie sich vor», sagt er lachend. Zum einen halten ihn und seine Frau Käthi die fünf Enkelkinder auf Trab. Zum anderen werde er es geniessen, vermehrt mit dem Camper seines Bruders zusammen mit Käthi durch Europa zu fahren.