Boswil: Loslassen ist nicht gleich Loslassen

Am Agro-Träff in Boswil sprachen zwei Landwirte über ihre verschiedenen Erfahrungen des Ablösens auf dem Hof.

Eddy Schambron
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Werner Isch (rechts), Julia Gisler und Moderator Adrian Krebs am Agro-Träff.

Werner Isch (rechts), Julia Gisler und Moderator Adrian Krebs am Agro-Träff.

Bild: Eddy Schambron (Boswil, 11. Januar 2020)

Die Jungbäuerin Julia Gisler hat brutal loslassen müssen: Ihr Vater kam bei einem tragischen Unfall beim Wildheuen ums Leben. Der Landwirt Werner Isch hingegen hat freiwillig losgelassen: Er hat seinen Betrieb im Alter von erst 50 Jahren seiner Tochter und seinem Schwiegersohn übergeben.

Die Erfahrungen der beiden Landwirte sprachen ein grosses Publikum am Agro-Träff des Freiämter Landwirtschaftsvereins und der Landfrauen und Bäuerinnen Bezirk Muri in Boswil an. Moderiert wurde das Gespräch von Adrian Krebs, Chefredaktor der «BauernZeitung».

«Es war schon ein komisches Gefühl»

Sie geht wieder in die stotzigen Hänge bei Obersaxen im Kanton Uri, um Heu für ihre bis 15 Mutterkühe zu gewinnen: Julia Gisler hat den Hof übernommen, als ihr Vater bei ebendieser Tätigkeit verunglückte und starb. «Es war schon ein komisches Gefühl zuerst», sagte sie, «aber wir brauchen das Futter und auch auf der Strasse geschehen Unglücke, und wir fahren trotzdem weiter.» Sie hat den plötzlichen Tod ihres Vaters verarbeitet. «Es brauchte einige Zeit dazu», sagte sie.

Der Film, der über ihren Vater, den Wildheuer, vom Schweizer Fernsehen SRF gedreht wurde, war einerseits immer wieder aufwühlend für sie, andererseits auch Teil der Verarbeitung, eine Hilfe, um loslassen zu können. «Wir konnten nach dem Unglück selber entscheiden, ob der Film fertig gedreht und veröffentlicht wird», sagte Gisler. Die Familie hat sich dafür entschieden. Es seien so viele schöne Bilder, «eine Erinnerung für uns und auch alle anderen, die Vater gekannt haben».

Auf ihrem Hof habe sie schon einige Sachen geändert, so Gisler, aber es sind Dinge, die ihr Vater auch getan hätte, wenn er noch jünger gewesen wäre. «Mein Vater und ich, wir haben das Gleiche angestrebt», ist sie sich sicher. Unterstützt bei ihrer Arbeit wird sie von ihrem Freund. «Alleine den Betrieb weiterzuführen, das wäre nicht möglich gewesen», sagte Jungbäuerin Gisler.

Vom eigenen Herr und Meister zum Angestellten

Gegensätzlicher ginge nicht: Werner Isch aus Aetigkofen hat seinen Hof mit erst 26 Jahren, nach Aufenthalten auch im Ausland, von seinem Vater übernommen. Mit knapp 100 Kühen, technisch top eingerichtet, hat er ihn dann mit 50 Jahren früh an die junge Generation übergeben. «Das hat in unserer Familie Tradition», sagte er.

Die Hände in den Schoss gelegt habe er dann aber nicht, sondern zusammen mit seiner Frau eine Event-Gastronomie aufgebaut. «Vom Chef zum Angestellten, das musste ich zuerst lernen. Es ist nicht einfach, nicht mehr eigener Herr und Meister zu sein», räumte er ein.

Er finde es aber richtig und wichtig, einen Landwirtschaftsbetrieb frühzeitig der nächsten Generation anzuvertrauen. Er wohnt nun in gewisser Distanz zu seinem ehemaligen Betrieb, hat aber nur lobende Worte für seine Tochter und seinen Schwiegersohn: «Uns zwei auf dem Hof hätte es nicht vertragen, mein Schwiegersohn ist wie ich, der macht etwas, ist innovativ», macht er lachend klar.

Er hat sich nun seinen eigenen Traktor gekauft, weil bei Bedarf auf dem Hof für ihn nur ein «Fotzel-Traktor» frei war. Jetzt ist Isch jedoch nur noch auf dem Hof tätig, wenn er gerufen wird. Und auch sonst hat er alle Hände voll zu tun – in der Gastronomie mit seiner Frau oder als Kontrolleur im Landwirtschaftsbereich.

Der Freiämter Agro-Träff war wieder einmal ein grosser Erfolg und eine willkommene Möglichkeit, sich mit Berufskolleginnen und -kollegen auszutauschen und die Geselligkeit zu pflegen. Mit dem Comedy-Duo Messer und Gabel wurde an diesem Abend für Unterhaltung gesorgt und das Dessert-Buffet der Apéro-Chuchi Freiamt bildete den Abschluss der Veranstaltung, welche zum zehnten Mal durchgeführt wurde.