Muri: Der Gemeindeschreiber Erich Probst geht in Pension

Erich Probst war fast 23 Jahre lang Gemeindeschreiber und später Geschäftsleiter im Bezirkshauptort Muri. Den Büroalltag wird der 65-Jährige nicht vermissen, den täglichen Kontakt mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hingegen schon.

Eddy Schambron
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Erich Probst an seinem Arbeitsplatz in Muri. (Bild: Eddy Schambron)

Erich Probst an seinem Arbeitsplatz in Muri. (Bild: Eddy Schambron)

Waterman-Füllfederhalter auf der Schreibunterlage, am Pult Erich Probst (65), Geschäftsleiter von Muri, der Ende Februar in Pension gehen wird. «Ich fühle mich sehr mit Muri verbunden, nach 23 Jahren am selben Ort ist das ja selbstverständlich», sagt er.

Weshalb kamen Sie 1996 eigentlich nach Muri?

Ich war von 1987 bis 1996 Stadtschreiber-Stellvertreter in Olten und hatte auch das Patent als solothurnischer Gerichtsschreiber. Im Stadthaus Olten war die politische Konstellation für das Stadtschreiberamt aber ungünstig, ich war auch kein Einheimischer. Da traf ich zusammen mit meiner Frau Bernadette den Entscheid, eine neue Stelle in einem anderen Kanton zu suchen, wobei der Aargau im Vordergrund stand. Bei zwei Gemeinden bewarb ich mich, in Muri sagte ich zu.

Wie haben Sie damals die Murianerinnen und Murianer erlebt?

Sehr offen, sehr freundlich. Jürg Pilgrim, damaliger Gemeindeammann, hat sehr viel unternommen, damit wir uns möglichst rasch in Muri wohlfühlten.

Und heute sind Sie ein Murianer?

Ja (lacht), das FC-Präsidium vor eineinhalb Jahren ist so etwas wie ein Ritterschlag zum Murianer. Es gefällt uns hier sehr, schöne Orte wie Zug, Luzern oder das Seetal sind ein Katzensprung entfernt. Ich gehe auch immer wieder gerne nach Olten, etwa an einen Eishockeymatch, oder im Sommer sehe ich viele meiner früheren Kollegen auch beim Fussballspiel in Olten, Wangen oder Dulliken, wo ich aufgewachsen bin.

Wie hat sich die Arbeit als Gemeindeschreiber in den letzten 20 Jahren verändert?

Fast alles hat sich verändert. Einzig mein Waterman-Füllfederhalter ist noch derselbe. Ich war mir damals nicht sicher, ob ich den selber bezahlen müsste, weil der etwas ungewöhnlich war.

Und wie hat sich die Veränderung vom Gemeindeschreiber zum Geschäftsleiter ausgewirkt?

Meine Agenda füllte sich nach und nach mit Terminen und Besprechungen, die vorher in dieser Zahl nicht gegeben waren. Man hat zusätzlich neben den Gemeinderatssitzungen wöchentliche Geschäftsleitungssitzungen, die ebenfalls vorbereitet und nachbehandelt werden müssen. Der Gemeinderat erwartet vom Geschäftsleiter nicht nur administrativen Mainstream, sondern auch rechtlich verbindliche Auskunft und strategische Inputs.

Gemeindeschreiber stehen im Fokus der Öffentlichkeit. Wie leicht oder schwer ist es, damit umzugehen?

Solange man seine Arbeit hinter den Kulissen zuverlässig und ohne Pannen verrichtet, steht man weniger im Fokus der Öffentlichkeit. Man muss sich jedoch bewusst sein, dass alles, was man in der Öffentlichkeit als Gemeindeschreiber oder Geschäftsleiter von sich gibt, vom Gegenüber ernst genommen und gewertet wird. Und dass es auch verbreitet und kommentiert wird.

Der Gemeindeschreiber ist einer, der «alles» in der Gemeinde weiss. Fluch oder Segen?

Man weiss auch nach 23 Jahren längst nicht «alles». Sicher ist es für das Austarieren von Entscheiden ein grosser Vorteil, wenn man aus dem Fundus aus früheren Verhandlungen, vergleichbaren Praxisfällen und Ortskenntnissen wählen kann, ohne den Computer zu bemühen.

Der Gemeindeschreiber ist der, der Entscheide des Gemeinderates vertreten muss. Muss man da oft über den eigenen Schatten springen?

Selten. Zu einem komplexeren Geschäft kann ich meine Meinung im Gemeinderat immer auch einbringen. Meist fliesst sie auch in die Erwägungen und die Entscheidfindung mit ein.

Wie stark beeinflusst ein Gemeindeschreiber eigentlich Entscheide des Gemeinderates?

Als Gemeindeschreiber muss ich in der Gemeinderatssitzung keine Entscheide beeinflussen. Allenfalls nehme ich Einfluss auf die Formulierung und eine etwas detaillierte Begründung.

Bald sind Sie nicht mehr «am Puls» der Gemeinde – eine schwere Vorstellung oder Erleichterung?

Keine unüberwindbare Vorstellung. Ich bleibe mit der Gemeinde verbunden und bin insofern erleichtert, da ich einen guten Nachfolger habe.

Was werden Sie vermissen?

Loslassen fällt mir eher leicht. Ich war nun fast 23 Jahre für Muri tätig, was ich mir anfänglich gar nicht vorstellen konnte. Ich habe mich gezielt auf diesen Termin vorbereitet, höre bewusst auch einen Monat vor meiner offiziellen Pensionierung auf. Fehlen werden mir die täglichen Begegnungen und Kontakte mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Und bestimmt auch jene Momente, wo man nach entscheidenden Sitzungen sagen durfte: Das ist jetzt ein echter Meilenstein, ein Durchbruch, welcher die Gemeinde Muri weiterbringt.

Und was nicht?

Nicht vermissen werde ich den Büroalltag, das Tagesgeschäft, sich wiederholende Arbeiten, die aber ebenso selbstverständlich zum Job gehören und erledigt werden müssen.