Muri
Seit 30 Jahren Werkhofleiter: Er erzählt vom Klimawandel und ganz viel Littering

Dass er einmal sein 30-Jahr-Jubiläum feiern würde, hätte Herbert Küng nie gedacht, als er als 21-Jähriger beim Werkhof Muri angefangen hat. In den 30 Jahren hat der heutige Werkhofleiter viele Veränderungen in Muri miterlebt.

Melanie Burgener
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Herbert Küng und das Schneeräumfahrzeug haben eine anstrengende Zeit hinter sich. Auch nach 30 Jahren im Werkhof Muri arbeitet er jeden Tag mit Freude.

Herbert Küng und das Schneeräumfahrzeug haben eine anstrengende Zeit hinter sich. Auch nach 30 Jahren im Werkhof Muri arbeitet er jeden Tag mit Freude.

Bild: Melanie Burgener

Hätte man dem damals 21-jährigen Herbert Küng gesagt, dass er in diesem Beruf einmal sein 30-Jahr-Jubiläum feiern würde, hätte er wohl lachend abgewinkt. «Ich hätte nicht gedacht, dass ich hier mal so alt werde», bestätigt er schmunzelnd. Doch seit der Leiter des Werkhofs Muri am 1. Februar 1991 seine Stelle in der Gemeinde angetreten hat, bereute er seine Berufswahl kein einziges Mal. Übers ganze Gesicht strahlend erzählt er:

«Die gleichen Arbeiten sind in jedem Jahr anders. Wir sind auch für Schulhäuser und den Fussballklub zuständig und helfen beim Organisieren von Festen. Ich glaube, es gibt keinen anderen Beruf, der so abwechslungsreich ist.»

Als der junge Küng, der in Althäusern aufgewachsen ist, seine Ausbildung zum Landschaftsgärtner abgeschlossen hatte, wollte er eine Veränderung. «Ich habe die Stelle beim Werkhof gesehen und mich beworben. Ich dachte, weg kann man immer wieder», so Küng.

Zuerst habe er als Gärtner und Friedhofsgärtner in Muri zum rechten geschaut. «Nach einem Jahr wurde ich dann stellvertretender Leiter und dann Leiter. Ich habe verschiedene Weiterbildungskurse besucht und seit 1999 betreue ich auch die Lehrlinge», zählt er auf. Rückblickend ist er froh, dass er nicht direkt als Leiter einsteigen konnte: «So konnte ich mich richtig einarbeiten.»

Er bedauert, wie sich Menschen verändert haben

Seit Beginn hat Küng, der seit 30 Jahren in Muri wohnt, miterlebt, wie die Gemeinde gewachsen ist, wie sich das Klima und damit auch seine Arbeiten oder auch die Schutzausrüstungen verändert haben. Die meisten dieser Änderungen sieht er heute als positiv an. Denn sein Motto lautet: «Man muss offen für Neues sein und mit der Zeit gehen.»

Herbert Küng feiert sein 30-Jahr-Jubiläum als Leiter des Werkhofes Muri.

Herbert Küng feiert sein 30-Jahr-Jubiläum als Leiter des Werkhofes Muri.

Melanie Burgener / Aargauer Zeitung

Jedoch gebe es ihm zu denken, wie sich die Menschheit in den vergangenen 30 Jahren verändert habe: «Es ist tragisch, was beispielsweise beim Littering passiert ist.» In seinen Anfängen im Werkhof habe es in der ganzen Gemeinde 17 Abfalleimer gegeben, inklusive Robidogkübel. «Damals hatte man etwa anderthalb Stunden, um alle zu leeren. Heute sind es 92 Eimer, und ein Mitarbeiter braucht für sie einen ganzen Tag», erzählt Küng.

«Die Sicherheit wird immer sicherer»

Dabei nicht eingerechnet seien die Stunden, die es braucht, um den Abfall zusammenzulesen, der gar nicht erst im Eimer landet. «Es liegen überall Dosen, Flaschen und Becher vom Kaffee zum Mitnehmen rum», erzählt er. Bedrückt fügt er hinzu:

«Ich bin bereits froh, wenn die Leute ihre Flasche irgendwo hinstellen und sie nicht zerschlagen. Das ist tragisch.»

Die meisten Veränderungen sieht Küng, wie erwähnt, jedoch positiv. Einen riesigen Wandel habe beispielsweise die Arbeitssicherheit durchgemacht. «Die Sicherheit wird immer sicherer», lacht er und erklärt: «Heute ist sie so sicher, dass sie schon fast wieder gefährlich ist.» Man zum Arbeiten viel mehr Material als früher. «Schnittschutzhose, Gehörschutz, das hatten wir frühe alles nicht. Auch die Suva-Vorschriften sind heute ganz anders.»

Dass Küng nie einen grösseren Unfall miterleben musste, habe auch mit Glück zu tun. «Und mit gesundem Menschenverstand und vorausschauendem Arbeiten», ist er überzeugt.

Vorausschauen gehöre für den 51-Jährigen auch dazu, wenn er in «seiner Gemeinde» unterwegs ist. «Ich kenne Muri am besten und weiss, wo die Gefahren sind. Ich habe immer die Augen offen, um zu sehen, was es alles noch zu tun gibt.»

Flexibel für veränderte Herausforderungen

Doch auch mit so viel Erfahrung, wie er sie auf seinem Gebiet hat, habe man nie ausgelernt. «Herausforderungen müssen nicht immer neu sein, sondern können sich auch ändern. Dafür muss man flexibel bleiben», sagt Küng, der auch ein Mitglied der Feuerwehr ist. Der Klimawandel beispielsweise verändere stets die Arbeiten im Werkhof. «Im Sommer müssen wir Bäume und Sträucher wässern, das haben wir früher nicht gekannt», erklärt er. Und auch der Winter bringe neue Aufgaben mit sich, wie die vergangenen Wochen zeigten.

In den vergangenen Wochen verbrachte Herbert Küng viel Zeit auf dem Schneeräumungsfahrzeug.

In den vergangenen Wochen verbrachte Herbert Küng viel Zeit auf dem Schneeräumungsfahrzeug.

Bild: Melanie Burgener

Herbert Küng verbrachte da viel Zeit auf dem grossen Schneeräumungsfahrzeug. «Wir haben bereits um 2 statt um 3 Uhr morgens mit dem Schneeräumen begonnen, damit um 7 Uhr alle Räumungsfahrzeuge von der Strasse sind, wenn der Arbeitsverkehr beginnt», erklärt Küng. 1000 Kubikmeter Schnee hätten sie insgesamt auf Lastwagen geladen und abtransportiert, damit die Strassen von Muri wieder befahrbar waren.

Dankbar sei er für die gute Mitarbeit seines Teams. Das liegt wohl auch daran, dass Küng genaue Vorstellungen davon hat, wie man am besten ein Team leitet. «Ich führe das Team so, wie ich auch gerne geführt würde», sagt er und fügt an: «Ich hoffe, dass wir es noch ein paar Jahre so gut zusammen haben.»

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