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Persönliche Bedienung im Bahnhof Muri ist bald passé

Ab dem neuen Jahr können am Bahnhof in Muri die Zugbillette nur noch am Automaten gekauft werden. Damit gibt es im Freiamt einzig in Wohlen einen bedienten Schalter.
Christian Breitschmid
Noch bis Ende Jahr gibt es am Bahnhofschalter von Muri Billette und Auskünfte rund um den Bahnverkehr. (Bild: Toni Widmer)

Noch bis Ende Jahr gibt es am Bahnhofschalter von Muri Billette und Auskünfte rund um den Bahnverkehr. (Bild: Toni Widmer)

Die SBB wandeln den Bahnhof Muri per 1. Januar 2019 in eine Station mit Selbstbedienung um. Damit reagieren die Bundesbahnen «auf die konstant abnehmende Nachfrage nach bedientem Verkauf», wie die SBB-Medienstelle in ihrer Mitteilung schreibt. Im Freiamt gibt es anschliessend nur noch in Wohlen einen SBB-Schalter mit persönlicher Bedienung. Ausser in den beiden Bahnreisezentren der BDWM Transport AG (neu: Aargau Verkehr) in Bremgarten und Berikon-Widen sind es dann nur noch Automaten, die den Benutzern des öffentlichen Verkehrs ihre Dienste anbieten.

Dieser Wandel scheint den Bedürfnissen der Zeit zu entsprechen. «Bereits heute finden in Muri rund 85 Prozent der Billettkäufe über selbstbediente Verkaufskanäle statt», verlautbart die SBB-Medienstelle. Und schreibt weiter: «Pro Stunde wurden 2017 durchschnittlich neun Artikel am Schalter verkauft. Im 2018 liegt dieser Wert bereits bei unter acht Artikeln. Damit lässt sich die Forderung des Bundes, nämlich haushälterisch mit den Mitteln umzugehen, nicht erfüllen.»

Muris Vizepräsidentin und Verkehrsministerin, Milly Stöckli, bedauert die Schliessung des Schalters: «Wir wurden über die Pläne der SBB diesen Sommer informiert. Wir haben zwar gegen die Schliessung des Schalters protestiert und auf die Bedürfnisse der Bevölkerung hingewiesen, aber die SBB erklärten uns, dass wir nichts gegen die Schliessung unternehmen könnten.»

Vor Ort wird es Kurse für die Automaten geben

So schrieb der Gemeinderat einen Brief, in dem er von den SBB verlangte, dass sie wenigstens Kurse anbieten sollten, wie man mit den neuen Billettbezugsquellen umzugehen habe. Diese Forderung hat dann gefruchtet. Die SBB teilten in ihrem Schreiben mit: «Am 19. und 21. November sowie am 10. und 12. Dezember, jeweils von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr, informieren die SBB alle Interessierten vor Ort über die Bedienung der Billettautomaten, die Fahrplanauskunft und den Billettkauf über SBB Mobile und www.sbb.ch. Nebst dieser Möglichkeit bieten die SBB selbst sowie verschiedene Partnerorganisationen wie Rundum Mobil, Pro Senectute oder die Swisscom Academy Schulungen an.»

Die Automatisierung ist ein Fakt, ob es einem gefällt oder nicht. Es wäre schön, wenn das so reibungslos vor sich ginge, wie die SBB es präsentieren: «Die Kundinnen und Kunden kommen auch ohne Schalter einfach und schnell zum Billett. Über SBB Mobile und www.sbb.ch sind jederzeit Fahrplanauskünfte und Billette erhältlich. In Muri stehen den Kundinnen und Kunden ausserdem zwei moderne Billettautomaten zur Verfügung. Mit der angebrachten Telefonnummer ist jederzeit eine persönliche Beratung und sogar eine Fernsteuerung des Automaten durch das SBB-Beratungspersonal möglich. Von zu Hause aus ist der Rail Service jederzeit unter der Telefonnummer 0848 44 66 88 (0,08 Fr./Min.) für Auskünfte und Buchungen erreichbar. Für persönliche Beratungen beim Billettkauf oder für die Planung von Reisen und Ausflügen ist weiterhin auch das Verkaufsteam im benachbarten Wohlen gerne behilflich.» Das Verkaufsteam von Muri wird allerdings per 1. Januar aufgelöst. Für Thomas Bühlmann, SBB-Angestellter seit bald 49 Jahren und einer der Menschen, die dem Bahnhof Muri ein Gesicht gegeben haben, ein belastender Entscheid: «So etwas geht nicht spurlos an einem vorüber», sagt der ehemalige Bahnhofvorstand und Geschäftsführer des Bahnhofs Muri. «Wir waren hier einmal insgesamt 15 Mitarbeiter. Alle haben wir uns dafür eingesetzt, dass der Bahnbetrieb in Muri reibungslos und einwandfrei lief.» Heute sind sie noch zu zweit, er und seine Kollegin, Sara Hohler. Letztere wird von der SBB im Reisezentrum Lenzburg übernommen. Seine Stimme wird brüchig, als er sagt: «Ich habe eine Vision. Ich wünschte mir, dass sich unsere Freiämter Bundesrätin, Doris Leuthard, bei Andreas Meyer für den Erhalt des Bahnhofs Muri starkmacht. Das wäre doch ein tolles Vermächtnis für sie und fürs ganze Freiamt.»

Schliessung extra verschoben

Ob Doris Leuthard bei der SBB-Geschäftsleitung mehr erreichen kann als der Murianer Gemeinderat, ist keine Frage. Ob der Lauf der Zeit in diesem Sinne zu ändern ist, wohl auch nicht. Fraglos verliert aber ein weiterer, ehemals wichtiger Standort des öffentlichen Verkehrs ein Stück seiner Seele, oder wie Thomas Bühlmann es sagt: «Das Menschliche geht weg. Ja, ich bin sicher nicht jeden Tag gleich aufgelegt. Vielleicht bin ich auch mal grummelig. Aber so ein Automat, der lacht halt immer.» Nächsten Februar wird Bühlmann pensioniert. Nach Aussage von Milly Stöckli haben die SBB aus Rücksicht auf ihn die Schliessung des Schalters bis Anfang Januar hinausgeschoben. Trotz Abschiedsschmerz lobt Bühlmann seine Arbeitgeberin: «Als es mir nach acht, neun Jahren Geschäftsführung zu viel wurde, liessen sie mich als einfachen Angestellten weitermachen. Dafür bin ich noch heute dankbar.»

Unter www.sbb.ch/termin bietet die SBB kostenlose Beratungstermine in Aarau oder Baden für jeden an, der Mühe mit den digitalen Kanälen hat.

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