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Auw: Wie viel AOP steckt im Emmentaler?

Die Milchgold Käse AG hat zu Unrecht 1,1 Millionen Franken Bundesgelder bezogen. Ins Zwielicht gerät auch die Sortenorganisation.
Die Sortenorganisation Emmentaler Switzerland befasst sich jetzt selber mit den Unregelmässigkeiten. (Bild: Symbolbild: Heinz Abegglen)

Die Sortenorganisation Emmentaler Switzerland befasst sich jetzt selber mit den Unregelmässigkeiten. (Bild: Symbolbild: Heinz Abegglen)

Im Sommer wurde der Verdacht publik, der Käser habe durch Falschdeklaration bei der Treuhandstelle Milch zu viel Verkäsungszulage kassiert. Die Untersuchung durch das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hat dies bestätigt: Der unrechtmässig ausbezahlte Betrag belief sich innerhalb von fünf Jahren auf 1,1 Millionen Franken. Das BLW verlangte die Rückzahlung der Summe und verhängte eine Busse von 8000 Franken. Diesen Forderungen sei der Geschäftsführer nachgekommen. «Für das BLW ist der Fall damit abgeschlossen», erklärte Mediensprecher Jürg Jordi. Nicht abgeschlossen ist er hingegen für den Käser. Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten ermittelt im gleichen Zusammenhang wegen Betrugs. Die Strafanzeige eingereicht hat ein ehemaliger Lieferant der Käserei, der auf die Unregelmässigkeiten aufmerksam wurde.

Durch die Milchgold Käse AG wurden ferner AOP-Qualitätsstandards verletzt, wie die «Aargauer Zeitung» (AZ) berichtete. Festgestellt hat dies das BLW im Rahmen seiner Untersuchung. Es machte die Zertifizierungsstelle der Sortenorganisation Emmentaler Switzerland (ES) darauf aufmerksam, die eine Nachkontrolle für die Produktion vom Dezember 2017 durchführte. Grund der Beanstandung: Die Milch wurde nur jeden zweiten Tag abgeholt. Das Pflichtenheft verlangt jedoch für Emmentaler AOP die Verarbeitung innerhalb von 24 Stunden.

Tägliche Hofabfuhr erst seit diesem Jahr

Als Folge dieser Kontrolle wurden rund 25 Tonnen angeblicher Emmentaler AOP zu Schmelzkäse deklassiert. Der Schaden für den Käser durch diese Sanktion bewegt sich in der Grössenordnung von 70000 Franken.

Damit färben die Vorkommnisse um die Milchgold Käse AG nun auch auf die Sortenorganisation ab. Noch im Juli hatte dies ES-Direktor Stefan Gasser ausdrücklich bestritten: «Das hat keinen Zusammenhang mit uns», erklärte er damals mit Verweis auf die Untersuchung des BLW. Laut AZ befasst sich die Organisation jetzt selber mit den Unregelmässigkeiten. Tatsache ist: Mehrere Lieferanten der Käserei sagen aus, dass die Milch bei ihnen während Jahre nur jeden zweiten Tag abgeholt wurde. Bei anderen Bauern geschah dies alternierend jeden oder jeden zweiten Tag. Konsequent auf tägliche Hofabfuhr umgestellt wurde offenbar erst im Laufe dieses Jahres.

Das AOP-Label garantiert nicht nur die Einhaltung von geografischen Ursprungs-, sondern auch von Produktionskriterien. Unter anderem muss die Rohmilch aus silagefreier Fütterung stammen und innerhalb von 24 Stunden verarbeitet werden, die Distanz zu den Milchproduktionsbetrieben darf höchstens 30 Kilometer Luftlinie betragen. In der Sortenorganisation ES sind Käsereigenossenschaften, Milchkäufer, Handelsfirmen und Delegierte von diversen Verbänden vertreten. Zu ihren Aufgaben gehört es, die definierten Normen zu überwachen sowie Fälschungen aufzuspüren und zu bekämpfen.

Das Führungspersonal der Sortenorganisation schweigt zur Angelegenheit. Der Vizedirektor erteilte zwar zuerst Antworten auf einige Fragen, zog sie aber kurz darauf wieder zurück. Solches Kommunikationsverhalten taugt kaum zur Vertrauensbildung, öffnet vielmehr Raum zu Spekulationen: Wie seriös arbeitet die Zertifizierungsstelle? Weshalb wurde sie erst nach dem Hinweis durch das BLW auf die Verstösse gegen die Qualitätsstandards aufmerksam? Warum wurde lediglich der Dezember 2017 und nicht auch der Zeitraum davor untersucht? Und schliesslich die Gretchenfrage: Wie sicher darf sich die Konsumentin überhaupt wähnen, dass sich unter dem Emmentaler-AOP-Label kein Etikettenschwindel verbirgt?

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