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Wird bei der Käserei in Auw geschummelt?

Gegen die Milchgold Käse AG werden Betrugsvorwürfe erhoben. Ein ehemaliger Lieferant hat beim BLW Meldung erstattet und eine Strafanzeige eingereicht.
Heinz Abegglen
Der Geschäftsinhaber Melchior Schürmann steht unter Verdacht. (Bild: Heinz Abegglen (Auw, 17. Juli 2018))

Der Geschäftsinhaber Melchior Schürmann steht unter Verdacht. (Bild: Heinz Abegglen (Auw, 17. Juli 2018))

Der Fall erinnert unwillkürlich ein bisschen an die Postautoaffäre: Die Käserei in Auw hat angeblich unrechtmässig Bundesgelder bezogen. Wobei es hier um die Verkäsungszulage geht. Untersuchungsergebnisse liegen noch keine vor, es gilt die Unschuldsvermutung.

Den Fall aufgerollt hat die «Bauern-Zeitung» in ihrer Ausgabe vom letzten Freitag. Ein Milchproduzent aus dem Luzerner Seetal stellte Unstimmigkeiten fest. Die von der Milchgold Käse AG beim Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) deklarierten Milchmengen waren regelmässig höher als jene auf seiner monatlichen Milchgeldabrechnung. Von Januar 2016 bis Mai 2017 betrug die Differenz jeweils rund 3000 Kilogramm. Er schloss daraus, dass der Käsereibetrieb pro Monat 450 Franken zu viel Verkäsungszulage bezogen hatte.

Diesen Sachverhalt meldete er im vergangenen Herbst dem BLW, das in der Folge eine Untersuchung einleitete. Ausserdem reichte er bei der Staats­anwaltschaft Muri-Bremgarten eine Strafanzeige wegen Betrugs ein. Fiona Strebel, Mediensprecherin der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau, bestätigte lediglich den Eingang der Anzeige. Es seien noch Abklärungen im Gang, ein Verfahren wurde bislang nicht eröffnet. Es geht vermutlich darum, inwieweit das BLW oder die Strafbehörden für die Angelegenheit zuständig sind.

Zulage für die Käseproduktion

Die Verkäsungszulage wird seit 1999 ausgerichtet und beträgt 15 Rappen je Kilogramm verkäster Milch. Als Stützungsmassnahme für den Milchmarkt soll sie die Käseproduktion in der Schweiz zu konkurrenzfähigen Preisen ermöglichen. Im vergangenen Jahr wurden 263 Millionen Franken Bundesgelder dafür eingesetzt. Abgerechnet wird sie über die Milchverwerter, die den Beitrag an die Milchproduzenten rückvergüten müssen. Sie sind verpflichtet, die von den Produzenten gelieferten Mengen täglich aufzuzeichnen, eine tägliche Verwertungskontrolle zu führen und sie den Inspektionsorganen des BLW auf Verlangen vorzuweisen. Die Höhe der ausbezahlten Verkäsungszulagen richtet sich nach der von den Verarbeitern dem BLW gemeldeten Menge.

Unter Hinweis auf das laufende Verfahren wollte sich Melchior Schürmann, Inhaber der Milchgold Käse AG, auf telefonische Anfrage nicht zu den Vorwürfen äussern. Auch beim BLW waren mit der gleichen Begründung keine näheren Details zu erfahren. Bezüglich möglicher Sanktionen verwies die Medienstelle auf Artikel 171 des Landwirtschaftsgesetzes. «Zu Unrecht bezogene Beiträge … sind unabhängig von der Anwendung der Strafbestimmungen zurückzuerstatten oder zu verrechnen. Vor dem Erlass einer entsprechenden Verfügung wird den Betroffenen jeweils das rechtliche Gehör gewährt …», heisst es in der schriftlichen Antwort. Wie von einem Oberfreiämter Milchproduzenten zu erfahren war, befasst sich das BLW offenbar gründlich mit der Angelegenheit: Die Lieferanten der Milchgold Käse AG seien aufgefordert worden, Unterlagen bis ins Jahr 2012 zurück einzureichen.

Aktionäre sind hauptsächlich Bauern

Die Freiämter Käserei AG in Auw wurde 2010 mit einem Aktienkapital von 2,5 Millionen Franken gegründet. Aktionäre sind hauptsächlich die Milchbauern. Nach Auskunft von Verwaltungsrat Hugo Abt, Rottenschwil, sind sie pro 5000 kg Lieferrecht mit einer Aktie zu 500 Franken an der Firma beteiligt. Allerdings ist die Freiämter Käserei AG nicht operativ tätig, sondern hat Gebäude und Infrastruktur an den Alleininhaber der Milchgold Käse AG, Melchior Schürmann, vermietet. Für die Käsevermarktung schliesslich existiert als dritte Firma die Milchgold Handels AG. Sie wird von Benedikt Felder – er ist gleichzeitig Verwaltungsratspräsident der Freiämter Käserei AG – und Schürmann kontrolliert. Hugo Abt ist selber Milchlieferant der Käserei. Die Bauern seien seit einem halben Jahr über die Vorkommnisse im Bild, sagt er. «Von uns ist niemand zu Schaden gekommen. Es liegt am Käser und dem BLW, die Sache in Ordnung zu bringen.»

Sollte sich der Betrugsverdacht bestätigen, birgt der Fall einige Brisanz. Denn die Milchgold Käse AG ist ein grosser Player unter den Milchverarbeitern: Im Jahr 2017 bezog sie 9,3 Millionen Franken Verkäsungszulage, das ist der drittgrösste Betrag hinter Emmi (45,6 Mio.) und der Züger Frischkäse AG (16,5 Mio.). Laut Homepage produziert das Unternehmen rund 4000 Tonnen Käse pro Jahr, 80 Prozent gehen in den Export. 12 Millionen Kilogramm Milch stammen von den Aktionären, weitere 30 Millionen Kilogramm werden ausserhalb der Region zugekauft.

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