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Gehässige Debatte um die Grippeopfer

In Erinnerung an die Opfer der «Spanischen Grippe» vor 100 Jahren entstand auch in Schwyz ein Soldatendenkmal. Kontrovers wurde die dadurch entstandene politische Instrumentalisierung diskutiert.
Erwin Horat
Der Soldat nimmt Abschied von Frau und Kind. Von den fünf Bildern des Soldatendenkmals in Schwyz konnte nur dieses gerettet werden. (Bild: Staatsarchiv Schwyz)

Der Soldat nimmt Abschied von Frau und Kind. Von den fünf Bildern des Soldatendenkmals in Schwyz konnte nur dieses gerettet werden. (Bild: Staatsarchiv Schwyz)

Die Grippepandemie von 1918/ 1919 forderte auch im Kanton Schwyz viele Todesopfer. Die hohe Opferzahl wurde politisch ausgeschlachtet. Die Bürgerlichen bezeichneten die «Linken» als die Verantwortlichen für den «Blutzoll».

Eine Konsequenz dieser Debatten um den Landesstreik und die Grippeopfer war die Fokussierung der Bürgerlichen auf die Erinnerungskultur. In der Schweiz wurden zahlreiche Wehrmännerdenkmäler errichtet, die an die Soldaten erinnerten, die während des Ersten Weltkriegs gestorben waren – die meisten an der Grippe. Auch im Kanton Schwyz wurden solche Erinnerungsstätten gebaut.

Kanonen in der Pfarrkirche

Am 30. November 1919 fand in der Pfarrkirche Schwyz ein eindrucksvoller Erinnerungsgottesdienst an die im Ersten Weltkrieg verstorbenen Soldaten des Bezirks Schwyz statt. Der «Bote der Urschweiz» berichtete pathetisch: «Des Jahres 1919 letzter Novembertag sah, um zehn Uhr morgens einen vom Schulhaus in die jedem für die Schönheit empfänglichen Herzen imponierende St. Martinskirche sich bewegender Trauerzug, wie er eindrucksvoller selbst vom Mythen nie gesehen, so viele tausend Jahre er auch in’s Schwyzertale hinabgeschaut (...).»

Bild der Gedächtnisfeier vom 30. November 1919 in der Pfarrkirche Schwyz. (Bild: Pfarrarchiv Schwyz)

Bild der Gedächtnisfeier vom 30. November 1919 in der Pfarrkirche Schwyz. (Bild: Pfarrarchiv Schwyz)

Organisiert wurde dieser Gottesdienst durch den Offiziersverein Schwyz, der im Juli 1919 beschlossen hatte, das Andenken an diese Toten durch eine kirchliche Feier und das Aufstellen einer Gedenktafel zu ehren. In der Pfarrkirche wurde der verstorbenen Wehrmänner des Bezirks Schwyz gedacht; in den anderen Bezirken wurden eigene Gedenkveranstaltungen durchgeführt. Statt einer Gedenktafel wurde drei Jahre später das Soldatendenkmal errichtet. Interessant ist die enge Verschränkung von Armee und Kirche. Die Gedenkfeier fand in der Pfarrkirche Schwyz statt und beinhaltete als zweiten Teil einen katholischen Gottesdienst. Die Pfarrkirche war mit militärischen Fahnen und zwei Kanonen geschmückt. Die Predigt hielt der Schwyzer Pfarrer Franz Odermatt, der während des Ersten Weltkriegs Feldprediger beim Gebirgsinfanterieregiment 29, dem Schwyzer Regiment, gewesen war.

Es war die Blütezeit der Soldatendenkmäler

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs setzte in den kriegführenden Ländern, aber auch in der Schweiz, ein eigentlicher Boom von Denkmälern ein, welche an die Soldaten erinnerten, die während des Ersten Weltkriegs verstorben waren. Im Gegensatz zu den Soldatendenkmälern in Deutschland, Österreich, Frankreich, England oder Italien, welche der im Krieg gefallenen Wehrmänner gedachten, starben die Schweizer Soldaten bei Unglücksfällen und insbesondere an der Spanischen Grippe.

Bekannte Soldatendenkmäler in der Schweiz sind das Wehrmännerdenkmal auf der Forch und der «Fritz» in Les Rangiers, das von den jurassischen Béliers mehrfach beschädigt wurde. Im Kanton Schwyz wurden solche Erinnerungsstätten in Schwyz, Lachen und Einsiedeln errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden bei vielen Denkmälern die Namen der Soldaten, die während des Aktivdienstes 1939–1945 gestorben waren, festgehalten.

«Glänzend und prominent geschaffenes Denkmal»

Drei Jahre nach dem Erinnerungsgottesdienst in der Pfarrkirche wurde am 1. November 1922 das Schwyzer Soldatendenkmal eingeweiht. Angeregt hatten es der Bezirk und die Gemeinde Schwyz. Seinen Standort fand es auf dem Friedhof Schwyz. Die fünfeckige Memorialkapelle war mit fünf Wandbildern geschmückt, die der Maler Hans Beat Wieland geschaffen hatte. Von ihnen ist nur eines erhalten geblieben: Ein Soldat nimmt Abschied von seiner Familie.

Der «Bote» war voll des Lobes über das so «glänzend und prominent geschaffene Denkmal» und die Ansprache des Schwyzer Pfarrers Franz Odermatt. Dieser sagte unter anderem: «Und doch darf das, was unsere wackeren Wehrmänner im Dienste des Vaterlandes getan, es dürfen die Opfer an Leben und Liebe, die von unserem Volke in der Zeit des Weltkriegs gebracht wurden, nicht undankbar der Vergangenheit anheimfallen. Darum errichtete das alte Land Schwyz in Gemeinschaft mit der Dorfschaft Schwyz hier auf dem stillen Friedhof angesichts der treuen Mythen dieses Soldatendenkmal, und sie haben darauf das Wort geschrieben: In memoriam 1914–1918. Zum Gedächtnis der Jahre 1914–1918. Dieses Soldatendenkmal soll für alle Zeiten ein Zeichen der Dankbarkeit und Liebe sein gegen die heimgegangenen Wehrmänner, aber auch ein Zeichen der Treue und Hingabe im Dienste des Vaterlandes.»

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