GERSAU: «Das ist reine Heuchelei»

In der Schweiz ist es erlaubt, Hunde und Katzen zu essen. Martina Karl fordert, dass das Ganze ein Ende findet. Und kündigt weitere Schritte an.

Andrea Schelbert
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Tierschützerin Martina Karl kämpft dafür, dass der Verzehr von Hunde- und Katzenfleisch verboten wird. (Bild Andrea Schelbert)

Tierschützerin Martina Karl kämpft dafür, dass der Verzehr von Hunde- und Katzenfleisch verboten wird. (Bild Andrea Schelbert)

Seit Jahren kämpfen Schweizer Tierschützer für ein Verbot des Verzehrs von Hunden und Katzen. Nun hat Martina Karl aus Gersau eine Petition zu diesem Thema gestartet. «Hunde und Katzen gehören zu den Haustieren und dürfen nicht zum Vergnügen oder Genuss getötet werden. Das Züchten und willkürliche Einfangen von Hunden und Katzen zu deren Verzehr gehören verboten und unter Strafe gestellt», sagt die Tierschützerin.

Einerseits sei dies mit dem bestehenden Tierschutz nicht zu vereinen, andererseits sei der Konsum von Hunden und Katzen ethisch und moralisch nicht vertretbar. «Wir leben im Überfluss. Es existieren in der Schweiz weder Hungersnöte noch andere Gründe, die einen Verzehr von Hunde- und Katzenfleisch rechtfertigen. Der heutige Verzehr von Hunden und Katzen ist eine reine Heuchelei einer Gesellschaft, die den Verzehr damit begründet, nicht genug Fleisch zu erhalten», so die 52-jährige Pflegefachfrau.

Grosse Resonanz

Etwas mehr als 1600 Unterschriften hat die Tierschützerin seit dem 2. Januar registriert. «Ich habe extrem viele Reaktionen und E-Mails bekommen. Ich staune, wie gross die Resonanz ist», sagt Karl. 95 Prozent der Reaktionen seien positiv. Martina Karl hat die Petition im Auftrag ihres Schweizer Tierschutzvereins «Mensch-Tier-Spirits-Helvetia» gestartet. «Wir wollen eine Gesetzeslücke schliessen und gleichzeitig den Puls der Schweizer in Bezug auf Tierschutz und Ernährung spüren», erklärt sie auf die Frage, was sie mit dieser Petition beabsichtigen wolle. Es seien bereits viele solche Petitionen eingereicht worden. «Der Bundesrat liess bisher immer verlauten, dass man sich bei den Ernährungsgewohnheiten der Schweizer nicht einzumischen habe. Doch das tut er doch gerade in der Lebensmittelin­dustrie ständig», findet die 52-Jährige. Sie geht davon aus, dass knapp 3 Prozent der Schweizer Bevölkerung Hunde- und Katzenfleisch geniesst und weiss, dass dies auch im Kanton Schwyz vorkommt. «Für mich sind das 3 Prozent zu viel. In Deutschland ist es längst verboten!»

Fleischlos leben

Kritiker solcher Verbote sagen, dass es verlogen sei, den Verzehr von Hunden und Katzen zu verbieten, während wir Kühe, Schweine, Hühner und andere Nutztiere weiterhin auf unserem Speiseplan haben. Diese Argumentation höre sie oft, sagt Karl. «Und ich gebe diesen Menschen auch Recht, dass es im Grunde genommen keinen Unterschied macht, welches Tier man isst. Fleisch ist Fleisch», sagt die langjährige Vegetarierin.

In der Schweizer Gesetzgebung gebe es aber einen Unterschied zwischen Haus- und Nutztieren. «Und irgendwo müssen wir doch einmal beginnen, uns über unseren Konsum Gedanken zu machen. Ich wünsche mir, dass die Menschen darüber nachdenken, was sie essen und woher dieses Nahrungsmittel kommt. Sie sollten wissen, dass ihr Steak, das sie im Supermarkt kaufen, einmal etwas ganz Anderes gewesen ist und vielleicht Qualen erleiden musste. Ziel ist, von diesem Konsumrausch wegzukommen.» Tiere seien Lebewesen wie wir Menschen. «Sie bluten, gebären und leiden genauso wie wir.»

Claudio Protopapa, Präsident des Tierschutzvereins Schwyz und Leiter des Tierheims Burg sagt, dass er immer wieder höre, dass auch im Kanton Schwyz Katzen und Hunde gegessen werden. «Man weiss leider, dass überall Katzen verspeist werden. Und ich bin überzeugt, dass einige Menschen auch Hunde essen.» Solange das Töten von Haustieren in der Schweiz nicht verboten sei, könne wohl wenig dagegen unternommen werden. «Jeder, der seinen Hund nicht mehr haben will, kann diesen töten, auch wenn er völlig gesund ist.» Protopapa hofft, dass das Töten so passiert, dass die Tiere keinen Stress haben und nicht leiden. «Doch wenn es in den eigenen vier Wänden geschieht, kann das niemand kontrollieren.»

Tiere sind gleichwertig

Den Schweizern vorzuschreiben, was sie essen dürften, mache keinen Sinn. «Wenn man so etwas tut, müsste man es konsequent umsetzen. Das würde bedeuten, dass man entweder gar keine Tiere mehr zum Verzehr töten darf oder dass man es so belässt, wie es ist.» Denn letztlich müssten Nutztiere wie Kalb, Lamm oder Schwein den gleichen Wert wie Haustiere haben. Trotzdem ist für ihn klar: «Ich würde Hunde und Katzen niemals essen. Das ist für mich moralisch nicht vertretbar. Das sind unsere Begleiter und Schmusetiere. Es gibt schon genügend Fleischsorten, es ist nicht nötig, dass man auch noch sein Büsi metzgen muss.»

Martina Karl will nach 6 Monaten Bilanz ziehen und die Petition beenden. Für sie ist klar: «Wenn auf die Petition nicht eingegangen wird, starten wir mit einer Initiative.»