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GERSAU: Die Gersauer Inlinehockeyaner sorgen für den Zusammenhalt

Sie spielen in der tiefsten Inlinehockey-Liga der Schweiz, doch ihre Heimspiele auf dem Pausenplatz des Schulhauses sind wahre Volksfeste. Nun hoffen die Fight Pigs auf den Aufstieg in die 1. Liga und eine bessere Infrastruktur. Ein Besuch vor Ort.
Gut 250 Zuschauer haben gestern ihre Fight Pigs lauthals unterstützt. (Bild: Pius Amrein (Gersau, 14. Oktober 2017))

Gut 250 Zuschauer haben gestern ihre Fight Pigs lauthals unterstützt. (Bild: Pius Amrein (Gersau, 14. Oktober 2017))

Samstag, 13.30 Uhr, Anpfiff. Die Fight Pigs aus Gersau empfangen die Konkurrenz von La Tour-de-Peilz zum zweiten Finalspiel. Das erste ging vor einer Woche am Genfersee mit 6:8 verloren. Ein Sieg ist nötig, um weiter auf den Aufstieg in die 1. Liga hoffen zu können. Rund 250 Zuschauer sind auf den Schulhausplatz gekommen, um ihre «Kampfschweine» zu unterstützen – mit Fangesängen, Trycheln, Hörnern, einer Pauke, Fähnchen und einer kleinen Choreografie.

Kein Zweifel, sie heben sich ab in der Szene, die Fight Pigs ziehen ihr eigenes Ding durch. So, wie es bereits ihre Vorfahren taten; bis im 18. Jahrhundert zählte Gersau mit seinen 24 Quadratkilometern zu den kleinsten Freistaaten der Welt, erst danach wurde das Dorf, das heute knapp 2300 Einwohner zählt, in den Kanton Schwyz integriert. «Fight Pigs Gersau – du Stolz der Republik» heisst es auf einem Banner. Und auf dem Fanschal steht: «Ei Republik, eis Team, eis Herz.» Florian Baggenstos, so etwas wie der inoffizielle Fanbeauftragte, sagt: «Es hat etwas mit Lokalpatriotismus zu tun. Viele haben Freude an der Geschichte und unserem schönen Ort.» Damian Häusler, Sportchef und Spieler in Personalunion, hält derweil fest: «Wir sind bekannt für unseren Zusammenhalt. Wenn ein Gersauer etwas auf die Beine stellt, ziehen die anderen mit.» So dienen die Heimspiele der Rotblauen als Treffpunkt für Jung und Alt. Und doch sind sie auch überrascht über die Sogwirkung – im Schnitt kommen rund 130 Zuschauer, «damit haben wir NLA-Niveau», betont Häusler. Dabei spielt die Mannschaft doch nur in der zweiten und damit tiefsten Liga des Schweizerischen Inlinehockey-Verbands (SIHV). Doch der Wechsel in den SIHV hat den Fight Pigs vor zwei Jahren einen Schub verliehen, seit der Gründung 1995 hatten sie davor nur in der regionalen Liga gespielt. Möglich machten es viele Gespräche mit dem Bezirk Gersau. Die Behörde war zunächst skeptisch, wollte den Pausenplatz nicht in ein Spielfeld umfunktionieren. Dann kam es zum Kompromiss. Die Hockeyaner dürfen nun die Hälfte der schwer zu transportierenden Banden und die Tribünen stehen lassen, der Pausenplatz wurde neu asphaltiert, die sich absenkenden Dolen entfernt. «Die Fight Pigs haben einen grossen Stellenwert, sie sind die neue Kraft im Dorf. Wir versuchen, ihre Anliegen Schritt für Schritt möglich zu machen», erklärt Bezirksammann Adrian Nigg, der sich wie andere Ratsmitglieder regelmässig Spiele ansieht. Nun diskutiere man über eine Anzeigetafel und die Verankerungen der Tore.

In Gersau steht die Valascia des Inlinehockeys

Mittlerweile geht der Ruf der Fight Pigs weit über die Kantonsgrenze hinaus. Die Gäste aus dem Tessin oder dem Welschland leisten sich zwar neckische Kommentare, weil das Spielfeld 6 Meter zu kurz ist. «Sie sagen, dass wir bei uns die Valascia des Inlinehockeys hätten», erzählt Häusler in Anlehnung an das Stadion des Eishockeyklubs Ambri-Piotta. Was so viel bedeutet wie: «Gewöhnungsbedürftige Infrastruktur und gute Stimmung.»

Letztlich aber kämen sie alle gerne nach Gersau, an den beschaulichen Ort am Südhang der Rigi mit seinen positiv-verrückten Hockeyfans. Gestern kochte er, der Schulhausplatz, die Fight Pigs gewannen 7:5. Damit kommt es heute in La Tour-de-Peilz zum entscheidenden, dritten Duell. Der Fancar ist organisiert.

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

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