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GESCHICHTE: Der Ärger über das rasende Ungetüm

Nicht alle waren begeistert, als die ersten Automobile durch die Zentralschweiz fuhren. Die Touristen mussten sich üble Beschimpfungen und viele Schikanen gefallen lassen. Lesen Sie hier einige historische Anekdoten.
Flurina Valsecchi
Unfall zwischen einem Tram und einem Lastwagen an der Bireggstrasse in Luzern im Jahr 1933. (Bild: Stadtarchiv Luzern)

Unfall zwischen einem Tram und einem Lastwagen an der Bireggstrasse in Luzern im Jahr 1933. (Bild: Stadtarchiv Luzern)

Unfall zwischen einem Tram und einem Lastwagen an der Bireggstrasse in Luzern im Jahr 1933. (Bild: Stadtarchiv Luzern)

Unfall zwischen einem Tram und einem Lastwagen an der Bireggstrasse in Luzern im Jahr 1933. (Bild: Stadtarchiv Luzern)

Er war eine unglaubliche Attraktion: Ein gewisser Graf Cognard war wohl einer der ersten Gäste, die unsere Region mit seinem Automobil besuchten. Im Jahr 1895 fuhr er als erster Automobilist in seinem Peugeot über den Gotthardpass und legte auch in Luzern einen Halt ein. Ebenso ist in Chroniken die Rede von einem Graf Strozzi aus Florenz, der zum ersten Mal die Fahrt von Bern nach Luzern wagte. Er wies die Luzerner Hoteliers an, vorher alle Brücken im Entlebuch zu untersuchen, ob sie genügend breit seien und der Belastung standhielten.

Dokumentiert ist auch die Fahrt des deutschen Dichters Otto Julius Bierbaum im Juli 1902 über den Gotthard. Die 136 Kilometer lange Strecke von Bellinzona nach Brunnen legte der 8 PS starke rote Adler-Phaeton in neun Stunden zurück. In Göschenen wurde Bierbaum jedoch aufgehalten, weil das Befahren der Schöllenen nicht erlaubt war. Fast alle Schweizer Pässe waren zu dieser Zeit für eine Nutzung mit Motorwagen verboten, es wurde verlangt, dass Pferde oder Ochsen vor den Wagen gespannt wurden und so in die Kategorie der Fuhrwerke fielen, so war es auch auf der Urner Seite des Gotthards. Bierbaum musste 20 Franken Strafe zahlen.

1904: Acht Automobile in Luzern

Der grösste Teil der Automobilisten betrieb das Autofahren aus sportlichen Überlegungen, am Steuer waren abenteuerlustige Söhne adliger Familien oder von Grossindustriellen. Ausführlich beschrieben hat diese Geschichte Thomas Meyer im Büchlein «Der Anfang des Automobilverkehrs in Luzern», es wurde 1989 von der Stadt Luzern herausgegeben.

Im Jahr 1900 war in Luzern noch kein «einheimisches» Auto immatrikuliert. Die ersten acht Motorfahrzeuge bezahlten 1902 eine Einschreibegebühr von 30 Franken. Die ersten Garagen erscheinen 1904 im Adressbuch der Stadt Luzern: Franz Birrer an der Hirschmattstrasse 11 und die Gebrüder Müller, Haldenstrasse 23. Eng war die Zusammenarbeit von Hoteliers und Garagisten, so trugen die Garagen oft den gleichen Namen wie die Hotels. Ein Plakat aus dem Jahr 1910 zeigt, dass das Luzerner Hotel Palace nicht nur seine 250 Zimmer mit Kalt- und Warmwasser anpries, sondern auch eine «Auto-Garage mit best eingerichteter Reparatur-Werkstätte».

Viel Staub und Gestank

Doch insbesondere auf dem Land war man alles andere als begeistert vom zunehmenden Verkehr und der offenbar rücksichtslosen Fahrweise der Automobilisten. Von einem «rasenden Ungetüm» war da die Rede. In einem Leserbrief im «Luzerner Tagblatt» hiess es: «Das Personenautomobil ist aber ein einfaches Luxusvehikel, nur zu Zweierlei auf der Welt: erstens, um reichen Leuten ein neues Sportvergnügen zu bereiten, und zweitens, den Durchschnittsmenschen in jeglicher Beziehung zu belästigen durch Staub, schlechten Geruch und teils wirkliche Gefahr.»

Die Ablehnung der Landbevölkerung zeigt sich auch in folgender Anekdote: In Dierikon wurden einem Gast aus Amerika – er war mit 5 Kilometern pro Stunde unterwegs – Baumstämme und Heufuhrwerke in den Weg gestellt, über die Strasse spannte man Seile, und der Tourist wurde aufs Gröbste verhöhnt und beleidigt. Kein Wunder, rief der Internationale Automobilklub zum Boykott der autofeindlichen Schweiz auf.

Wer ist besser: Pferd oder Auto?

Die Verkehrsgesetze, wenn es denn solche überhaupt schon gab, waren von Kanton zu Kanton sehr unterschiedlich. Das bekamen auch Touristen und gehobene Einheimische bitterlich zu spüren, wenn sie am Wochenende von Luzern via Kanton Schwyz nach Hertenstein zu einer Theateraufführung fahren wollten. In Schwyz galt lange Zeit nämlich das Sonntags- und Nachtfahrverbot. Und so teilte die Gendarmerie nach der Kulturveranstaltung nicht nur Bussenzettel aus, sondern man verordnete sogar Gefängnis.

Langsam entdeckte aber auch das einheimische Gewerbe das Auto. In der Motorfahrzeugverordnung von 1901 wurde das Automobil dem Pferdefuhrwerk gleichgestellt. Geschwindigkeiten wurden mit Begriffen aus der Reitersprache angegeben, so galt «für Automobilisten innerorts die Geschwindigkeit eines kurzen Pferdetrabes». 1906 veröffentlichte das «Luzerner Tagblatt» gar einen Vergleich zwischen den beiden Transportmitteln. Fazit: Das Auto könne bei häufigem Gebrauch gut mit dem Pferdefuhrwerk konkurrieren.

Benzinrationierung im 2. Weltkrieg

Dann wurde das Automobil richtiggehend ausgebremst. Während des Ersten Weltkrieges war der Automobilismus wegen einer Kriegsverordnung des Bundesrats stark eingeschränkt. Die Benzinrationierung und die Requisition von Privatautos für die Armee brachten den Privatverkehr beinahe zum Erliegen.

Erst mit dem allgemeinen Konjunkturaufschwung in der Schweiz (ab 1923 bis 1930) konnten sich mehr Leute ein Auto leisten, dennoch blieb es ein Luxusobjekt. Im Jahr 1939 kam auf rund 31 Einwohner ein Automobil. Verkehrsüberlastungen wurden dennoch zum Dauerthema im Luzerner Grossen Stadtrat, als Massnahme wurde unter anderem das Einbahnsystem eingeführt.

Beliebte Rennen über den Klausen

Die Aufbruchstimmung war im Automobilsport zu spüren. Spektakuläre Rennwagen begeisterten die Massen an verschiedenen Rennen in Frankreich, Italien und England. 1922 wurde ein Car Alpin für die Überfahrt über den Klausenpass zugelassen. Für das erste Klausenrennen wurde weder mit einem Programmheft noch mit einem Plakat geworben. Obwohl noch als Bergprüfungsfahrt «getarnt», nahmen bereits 14 echte Rennwagen teil – und das auf einer Schotterstrasse, wohlgemerkt.

Auch das Rennen von Kriens/Obernau ins Eigenthal zog viele Schaulustige an. Es war so beliebt, dass der Kaplan von Hergiswald im Jahr 1931 Einsprache machte, da der Gottesdienst in der Wallfahrtskirche vor leeren Bänken abgehalten werden musste.

Im Jahr 1928 führte die lokale Sektion des Automobilklubs Schweiz erstmals eine «Internationale Schönheitskonkurrenz» für Automobile in Luzern durch. Rund 100 Wagen waren am Nationalquai zu bestaunen.

Sinnbildlich für den Erfolg und die Begeisterung für das Auto ist auch die inzwischen weltberühmte Szene, als Sean Connery im Jahr 1964 während der Dreharbeiten für den James-Bond-Film «Goldfinger» auf der Furkapassstrasse posiert, neben dem Aston Martin, der eine Luzerner Nummer hatte.

Gotthardtunnel als Meisterstück

Die gewaltige Entwicklung des Strassenverkehrs nach dem Zweiten Weltkrieg bekam auch der Gotthardpass zu spüren. Es wurden umfangreiche Aus- und Anpassungsarbeiten beidseits des Gotthards getätigt. Trotzdem konnte die Passstrecke auf Dauer den Anforderungen nicht mehr genügen.

So wurde im Jahr 1972 mit dem Bau der fast 17 Kilometer langen, zweispurigen Tunnelröhre und dem Sicherheitsstollen begonnen. Das Herzstück der Schweizer Nord-Süd-Verbindung kostete gute 686 Millionen Franken und wurde im September 1980 eröffnet. Bundesrat Hans Hürlimann bezeichnete in seiner Rede damals den längsten Strassentunnel der Welt als «Meisterstück des Nationalstrassenbaus». Mit der Tunneleröffnung setzte ein gewaltiger Verkehrsstrom ein.

Spricht man über den Gotthard, das Jahrhundertbauwerk für Europas Verkehrsverbindung durch die Alpen, könnte diese letzte Meldung aus der Zentralschweiz leicht vergessen gehen: 1955 wurde das erste Autobahn-Teilstück der Schweiz zwischen Luzern/Kriens und Ennethorw eingeweiht. Die Einfahrten waren kurz, Fahrbahnmarkierungen, Pannenstreifen und Leitplanken fehlten. Finanziert wurde die Strasse ohne Bundeshilfe allein durch den Kanton Luzern.

Der 9,8 Kilometer lange Abschnitt galt als Teststück für die Schweizer Autobahnplanung und wurde zum beliebten Ausflugsziel. Man lobte die «Panorama-Strasse», die sich «harmonisch in die Landschaft integrierte». In den 1960er-Jahren realisierte die Baugenossenschaft Pilatus gleich neben der Strasse mehrere Wohnblocks «mit Blick auf die Autobahn».

Die Krux mit der Autonummer

In Luzern wurden ab 1901 erste Kennzeichen für Motorfahrzeuge vergeben. Doch schnell merkte man, dass eine nationale Lösung nötig war. In einem Konkordat einigten sich die Kantone im Jahr 1905 auf ein gemeinsames Nummernsystem. Dieses startete bei Zürich, welches die Nummern 1 bis 1000 zugeteilt bekam. Der Kanton Luzern erhielt die 400 Nummern von 2201 bis 2600. Nach demselben System folgten dann die anderen Zentralschweizer Kantone. Die Nummer 2201 ist heute Teil der Sammlung des Verkehrshauses.

Doch schnell waren die zugeteilten Nummern aufgebraucht, deshalb fügte man ab 1911 Buchstaben zur Nummer hinzu. Aber auch diese Lösung taugte wegen des Verkehrszuwachses nicht lange, 1933 wurde das aktuelle Schema eingeführt.

Heute ist die Vergabe der Kennzeichen wieder ein grosses Thema. Wieder muss eine neue Lösung her. Über 4,3 Millionen Fahrzeuge sind in der Schweiz eingelöst. In Zürich neigt sich der Vorrat an sechsstelligen Autonummern dem Ende zu.

Internationale Schönheitskonkurrenz für Automobile im Jahr 1930 am Nationalquai in Luzern. (Bild: Stadtarchiv Luzern)

Internationale Schönheitskonkurrenz für Automobile im Jahr 1930 am Nationalquai in Luzern. (Bild: Stadtarchiv Luzern)

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